Fußball

Ex-Profi Ismael über Trainer "Es geht nicht um Qualität. Es ist Kopfsache"

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Momentan trainiert Valerien Ismael die U23 des VfL Wolfsburg.

(Foto: imago sportfotodienst)

Woher kommen die "jungen Wilden" auf den Bänken der Bundesliga? Viele haben die Weisweiler-Akademie absolviert. So wie Valerien Ismael, einst Spieler beim FC Bayern. Er erzählt bei n-tv.de, was moderne Trainer ausmacht, und warum es Rehhagel leichter hatte.

Die Hennes-Weisweiler-Akademie in Hennef ist die offizielle Fußballlehrer-Schule des DFB. Seit Jahren produziert sie junge Trainer, die erfolgreich in der Fußball-Bundesliga arbeiten. Von einer Schwemme von "B-Jugend-Trainern" sprach Eintracht Frankfurts Coach Armin Veh jüngst verächtlich. Doch der Erfolg gibt Akademieleiter Frank Wormuth recht, er findet viele seiner Schüler in der Bundesliga wieder: Markus Weinzierl in Augsburg, Markus Gisdol in Hoffenheim, Thomas Schneider für kurze Zeit in Stuttgart, Michael Wiesinger in Nürnberg und Sascha Lewandowski in Leverkusen. Hinzu kommen Roger Schmidt in Salzburg und (der mittlerweile entlassene) Stefan Krämer in Bielefeld. Am gestrigen Donnerstag überreichte Wormuth in Bonn nun dem 60. Lehrgang die Abschlussurkunden, darunter auch dem ehemaligen Bundesliga-Profi Valerien Ismael (Werder Bremen, FC Bayern München, Hannover 96). Ein Gespräch über die neuen Anforderungen an Fußball-Trainer und die Unterschiede zu der Zeit seiner aktiven Karriere.

n-tv.de: Herr Ismael, was muss ein moderner Trainer heute anders machen als früher?

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Valerien Ismael: Die wichtigste Komponente ist, dass du auf der zwischenmenschlichen Ebene hohe Kompetenz hast. Du musst ein Team führen können. Vor zehn Jahren, als ich mit Werder Bremen deutscher Meister geworden bin, war Thomas Schaaf der Trainer, Kalli Kamp war Co-Trainer und Dieter Burdenski der Torwart-Trainer - und mehr war nicht. Es hat trotzdem funktioniert zu der Zeit, wir haben super Fußball gespielt. Heutzutage aber besteht ein Trainerteam aus zehn, elf Leuten. Du arbeitest da mit Spezialisten zusammen, die Fachwissen und Kompetenz rüberbringen. Das ist die große Herausforderung: dass du erst mal diese Leute zusammenbringst. Dann musst du gemeinsam mit deinem Team an den Schrauben drehen, von denen du denkst: Ok, da kann ich Erfolg haben. Und so alle dafür begeistern, gemeinsam ein Ziel zu erreichen.

Mit zwischenmenschlich meinen Sie, dass die Psychologie eine größere Rolle spielt?

Ja, hauptsächlich! Es ist alles eine Kopfsache. Man sieht das immer wieder in der Bundesliga. Dort ist fast alles eng beieinander. Es geht dann nicht mehr nur um Qualität. Viele haben Qualität; es geht dann vielmehr darum, wer stärker im Kopf ist. Wer kann besser mit dem Druck umgehen, der in der Bundesliga, der im Profibereich generell herrscht?

Gibt es einen Trend zu jüngeren Trainern?

Wir haben natürlich zur Kenntnis genommen, dass mit Thomas Schneider, Markus Gisdol, Markus Weinzierl oder Tayfun Korkut vermehrt junge Trainer in die Bundesliga geholt wurden - auch aus unserer Akademie. Aber jung heißt hier nicht unerfahren. Die meisten haben viele Erfahrungen gesammelt in der Nachwuchsarbeit. Es ist enorm wichtig, dass du als Trainer immer wieder tätig bleibst, ob in der zweiten Mannschaft oder in der U19 oder der U17 - das macht keinen großen Unterschied. Überall kann man sich als Trainer weiterentwickeln. Es gibt jetzt mehr Vereine, die diese Wege gehen mit jüngeren Trainern, weil sie sehen, was diese Trainer in der Nachwuchsarbeit machen, wie sie in der Lage sind, die jungen Spieler zu fördern. Natürlich passt das ins Profil von einem Trainer, den man sucht. Aber natürlich sind die Vereine auch mutig. Das freut mich.

Könnte es sein, dass die jungen Trainer auch deshalb geholt werden, weil auch die Profispieler immer jünger werden und deshalb Trainer verlangen, die mehr auf Augenhöhe agieren?

Das stimmt schon. Wenn man schon gezeigt hat, dass man mit jungen Spielern gut umgehen kann, einen ganz anderen Bezug zu ihnen hat, ist das von Vorteil. Man kann dann wirklich eine ganz andere Sprache sprechen, besser verstehen, was sie meinen, weil die Generation Facebook anders kommuniziert. Ich sehe das ja bei meinem Sohn: Wenn Du nicht die neuen Medien beherrschst, hast Du es schwer mit ihnen.

Sind die jungen Spieler taktisch besser geschult als früher?

Ja, das merkt man. Dem modernen Spieler muss man immer erklären, warum wir etwas machen. Nicht nur wie wir etwas machen. Warum wählen wir diese Taktik? Warum wollen wir so spielen? Welche Probleme können dabei auftreten - und was sind die Lösungen? Als ich angefangen habe zu spielen, kam der Trainer zu uns, hat gesagt: So spielen wir - und wir haben keine weiteren Fragen gestellt. Das ist der Unterschied: Wir modernen Trainer müssen immer eine Begründung mitliefern.

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Mit Otto Rehhagel hat der DFB gerade einen Trainer vom alten Schlag für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Seine Methoden wirken heute nicht mehr ganz zeitgemäß. Erwächst die Autorität eines Trainers heutzutage mehr aus seiner Kompetenz denn aus seiner Position?

Auch, aber es kommen viele Punkte dazu. Fachkompetenz, Ausstrahlung, Autorität, und, wie gesagt, die menschliche Komponente: Ein Trainer muss Verständnis zeigen für seine Spieler und für sein Trainerteam. Das sind alles wichtige Komponenten, die ineinandergreifen. Diese Mechanismen haben wir in der Ausbildung gelernt und durch die tägliche Praxis, die wir während der Ausbildung hatten, konnten wir das verfeinern. Für mich war es wirklich super, dass ich parallel zur Ausbildung in meiner täglichen Arbeit die gelernten Werkzeuge umsetzen konnte. Um zu probieren, wie funktioniert das, wie reagiert die Mannschaft darauf?

Welche Mannschaft trainierten Sie während der Ausbildung an der Hennes-Weisweiler-Akademie?

Ich trainiere seit Mitte 2013 die U23 des VfL Wolfsburg.

Fühlen Sie sich durch die Ausbildung nun gerüstet für den Arbeitsmarkt Bundesliga?

Das hat auf jeden Fall meinen Horizont erweitert. Wir haben das Geschäft aus vielen Blickwinkeln betrachtet, auf den unterschiedlichsten Ebenen. Und wir haben enorm viel Input bekommen. Und es war toll, dass man das alles direkt anwenden konnte, denn im Nachwuchsbereich kann man noch Fehler machen, kann man noch leichter Dinge ausprobieren. Und wenn man sieht, dass dort Dinge funktionieren, dann hat man mehr Sicherheit. Der nächste Schritt ist dann natürlich, alles was wir gelernt haben, im Profibereich umzusetzen.

Wie sehen Ihre langfristigen Pläne als Trainer aus?

Die Fußballlehrer-Lizenz war natürlich erst einmal ein ganz wichtiger Schritt. Mittelfristig ist es mein Ziel, im Profibereich zu arbeiten.

Mit Valerien Ismael sprach Stephan Knieps.

Quelle: ntv.de