Fußball

"Gewaltfieber" nach Spielabsage Fan-Randale in Frankreich

FRANCE_SOCCER_FIGHT_MAR114.jpg953290441604005979.jpg

Hunderte Fans von Paris St. Germain und Olympique Marseille sorgten in Marseilles Innenstadt für schwere Sachbeschädigungen.

(Foto: AP)

Aufgrund dreier Schweinegrippe-Fälle beim französischen Fußball-Erstligisten Paris St. Germain ist das Spitzenspiel gegen Olympique Marseille am Sonntag kurzfristig abgesagt worden. Das Problem: Rund 800 Paris-Fans waren bereits nach Marseille gereist und sorgten dort nach dem Spielausfall für schwere Ausschreitungen.

FRANCE_SOCCER_FIGHT_MAR116.jpg9088776910232740649.jpg

Anwohner heizten die Stimmung mit Attacken auf die PSG-Fans weiter an.

(Foto: AP)

Der französischen Fußball ist am Sonntag nach der Absage des Topspiels wegen Schweinegrippe von heftigen Krawallen erschüttert worden. Fans von Olympique Marseille und Paris St. Germain lieferten sich im Zentrum der südfranzösischen Metropole heftige Straßenschlachten, nachdem das Spiel sechs Stunden vor dem geplanten Anpfiff wegen der Erkrankung von drei PSG-Profis abgesagt worden war. Der Präsident der Profiliga (LFP), Frederic Thiriez, wies die Kritik von Fans und Medien zurück, die kurzfristige Absage sei zum Teil Schuld an den Ausschreitungen.

"Clasico wurde zum Fiasko", titelte die Zeitung "Le Parisien", während die "L'Equipe" von einem "Gewaltfieber" schrieb, bei dem die Liga "Hauptangeklagte" sei. Auch Marseilles Bürgermeister Jean-Claude Gaudin sagte, er bedauere, dass die Spielabsage so spät erfolgt sei. Thiriez entgegnete, die Vorwürfe seien "intellektueller Betrug". Die Kämpfe zwischen den Fans seien im Voraus arrangiert worden. Die Ärztliche Kommission der Liga habe eine Verschiebung der Partie dringend empfohlen. "Was hätte man denn gesagt, wenn das Spiel stattgefunden hätte und das gesamte Team von Marseille angesteckt worden wäre? Es hätte einen Aufschrei gegeben".

Zwölf Verletzte, 16 Festnahmen

Nach Polizeiangaben wurden bei den Zusammenstößen in der Nähe des Hauptbahnhofes und des alten Hafens von Marseille mindestens zwölf Menschen verletzt und 16 festgenommen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Massen auseinanderzutreiben. Ein Foto zeigt einen Fan, der einen anderen mit einem Messer bewirft. "Nur eine Person ist verantwortlich", meinte PSG-Fansprecher Philippe Pereira im französischen Fernsehen in Anspielung auf Thiriez.

Vor allem die organisierten PSG-Hooligans sind in Frankreich seit Jahren als besonders streitlustig bekannt. Ihren traurigen Höhepunkt erreichte die Gewalt im französischen Fußball vor drei Jahren, als die Polizei einen PSG-Anhänger erschoss, als sie die umzingelten Fans von Hapoel Tel Aviv nach einem UEFA-Cup-Spiel beschützen wollte. In dieser Saison lieferten sich die PSG-Anhänger am ersten Spieltag eine Straßenschlacht mit Fans des HSC Montpellier. Weitere folgten.

Drei PSG-Spieler mit H1N1 infiziert

JPP12_SOCCER-FRANCE-_1025_11.JPG3257309213939854180.jpg

In der Mannschaft von Paris St. Germain gibt es drei Schweinegrippe-Fälle.

(Foto: REUTERS)

Die Partie Marseille - PSG war am Sonntag abgesagt worden, nachdem die Pariser den dritten Fall von Schweinegrippe im Team gemeldet hatten. Nach Ludovic Giuly und Mamadou Sakho wurde laut PSG auch Jérémy Clement mit dem H1N1-Virus infiziert. Bei zwei Profis bestand zudem der Verdacht auf eine Infektion. Marseille-Präsident Jean-Claude Dassier traut den Angaben aber nicht: "Warum ist Clement denn überhaupt mit dem Team nach Marseille gekommen, wenn er krank war?", fragte er ungläubig. Die PSG-Erklärungen seien nicht überzeugend. Pariser Spieler und Betreuer wurden unterdessen für 72 Stunden in Quarantäne genommen, um jede Ansteckungsgefahr auszuschließen. Wann das Spiel in Marseille nachgeholt wird, ist weiterhin offen.

Paris St. Germain war als "Geheimfavorit" in die Saison gestartet, liegt zur Zeit aber mit 13 Punkten aus neun Spielen nur auf Platz 12 unter 20 Teams. Olympique Marseille belegt mit 17 Punkten Platz fünf und hätte bei einem Sieg am Sonntag den Rückstand zu Tabellenführer Girondins Bordeaux (22) auf zwei Punkte verkürzen können.

Quelle: ntv.de, dpa/sid