Sport
Freitag, 03. Juni 2011

Sechster Sieg in EM-Qualifikation: Gomez überwindet Trauma

Mario Gomez besiegt sein Trauma und sorgt für den sechsten deutschen Sieg im sechsten EM-Qualifikationsspiel. In der 90. Minute legt der Bundesliga-Torschützenkönig nach - und das im Ernst-Happel-Stadion, wo er 2008 eine riesige Chance aus drei Metern kläglich vergeben hatte.

Mit diesem Tor war der Bann gebrochen.
Mit diesem Tor war der Bann gebrochen.(Foto: AP)

Mario Gomez hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vor einer Bauchlandung in Wien bewahrt. Der Bayern-Angreifer sicherte dem WM-Dritten in einem heißen und spannenden Match im Endspurt das 2:1 (1:0) in Österreich und damit den sechsten Sieg im sechsten EM-Qualifikationsspiel.

Das Team von Bundestrainer Joachim Löw investierte gegen die mit mehr Herz und Einsatz kämpfenden Österreicher lange Zeit zu wenig und geriet nach dem Führungstor durch Gomez (44.) und einem Eigentor von Arne Friedrich (50.) in große Schwierigkeiten. Doch am Ende zeigten sich die Gäste abgeklärt und schlugen noch einmal entscheidend zurück.

Nur etwa 20 Minuten lang zeigte die deutsche Mannschaft die von Löw geforderte Dominanz, spielte mit Tempo und Dynamik nach vorne. Dann setzten die um ihre letzte Qualifikationschance kämpfenden Österreicher den spielerischen Vorteilen des DFB-Teams leidenschaftlichen Einsatz entgegen und wendeten das Blatt. Am Ende drohte der deutschen Elf sogar die erste Niederlage gegen den Rivalen seit fast 25 Jahren.

Mario Gomez ist mit dem Ernst-Happel-Stadion versöhnt.
Mario Gomez ist mit dem Ernst-Happel-Stadion versöhnt.(Foto: dapd)

Immerhin war auf Gomez Verlass: Der 25-Jährige nutzte die Chance durch Miroslav Kloses Ausfall und besiegte mit den Länderspieltoren 17 und 18 seinen Wien-Fluch. Der Bundesliga-Torschützenkönig, der vor knapp drei Jahren im EM-Gruppenspiel an gleicher Stätte eine Riesenchance kläglich vergeben hatte, stocherte erst den Ball aus dem Gedränge heraus zur Führung über die Linie und küsste anschließend erleichtert den Pfosten. Sekunden vor Schluss traf er per Kopf zum erlösenden 2:1.

Khedira-Comeback nur halb geglückt

Ein nur halb geglücktes Comeback im DFB-Trikot feierte sechs Wochen nach seinem Muskelbündelriss Sami Khedira. Der Real-Star wirkte zwar körperlich wieder voll fit und ging in der zentralen Position keinem Zweikampf aus dem Weg, doch die mangelnde Spielpraxis konnte er nicht kaschieren. Neben ihm setzte Toni Kroos Akzente nach vorne, hatte aber auch ausgesprochen schlampige Aktionen. Auch Mesut Özil war bei allem Engagement nicht der große Regisseur.

Probleme offenbarte das deutsche Team einmal mehr im Defensivverhalten. Auf den Außenpositionen waren Alaba und Martin Harnik von Philipp Lahm und Marcel Schmelzer kaum in den Griff zu bekommen. Einzig Friedrich behielt im Deckungszentrum einigermaßen die Übersicht, hatte dann Pech mit dem zweiten Eigentor im DFB-Trikot nach 2002 gegen die Färöer-Inseln.

Die mit fünf Bundesliga-Legionären angetretenen Austria-Kicker besaßen die erste Chance des Spiels und hätten durch Harnik früh in Führung gehen können. Der Stuttgarter köpfte die Freistoß-Flanke von Christian Fuchs aber knapp neben den Kasten von Manuel Neuer (4.). Doch auch die deutsche Elf kam schnell auf Touren. Nach Özils Musterpass stand Gomez frei vor Christian Gratzei, brachte den Ball aber nicht an Österreichs Schlussmann vorbei (7.). Im Anschluss an die folgende Ecke traf Podolski aus 18 Metern die Latte.

Harnik macht Dampf

Doch die Gastgeber mischten danach richtig mit: Allen voran der quirlige Harnik machte Dampf. In der 31. Minute hatte der VfB-Profi erneut die Führung für seine Elf auf dem Fuß, war aber zu überrascht, nachdem Neuer einen Alaba-Eckball unterlaufen hatte.

Löw reagierte sichtlich verärgert. Schnelle Aktionen wie die vom Münchner Thomas Müller, den Baumgartlinger nur auf Kosten einer Gelben Karte stoppen konnte, blieben jetzt die Ausnahme. Die Kompaktheit fehlte, Friedrich und Mats Hummels hatten in der Innenverteidigung Schwerstarbeit zu leisten und waren im Glück, als der Lauterer Erwin Hoffer Friedrich ausspielte, aber auch Zentimeter am Tor vorbei zielte. Gomez' Treffer zur Pausenführung stellte den Spielverlauf zu diesem Zeitpunkt praktisch auf den Kopf.

Das Durcheinander in der deutschen Defensive setzte sich nach der Halbzeit fort und wurde fünf Minuten nach Wiederbeginn bestraft. Nach Alabas Hereingabe war Friedrich vor Harnik am Ball und fälschte die Flanke ins eigene Tor ab. Erst nach gut einer Stunde fand der WM-Dritte wieder aus seinem Leistungstief.

Von Wien aus startet der DFB-Tross am Montagmorgen nach Baku, wo am Dienstag im Spiel gegen das von Berti Vogts trainierte Aserbaidschan ein Sieg zum Saisonabschluss fest eingeplant ist.

180 Festnahmen vor dem Spiel

Für Misstöne am Rande der Partie sorgten deutsche Hooligans, die sich Auseinandersetzungen mit österreichischen Rowdies lieferten. Bis zum Abend nahm die Wiener Polizei mehr als 180 Randalierer fest. Die Hooligans seien am frühen Abend durch die Innenstadt gezogen und hätten in Lokalen und Geschäften rund um den Schwedenplatz randaliert, sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger. Ein Beamter wurde bei dem Einsatz verletzt.

Bereits am Donnerstagabend hatte es in der Gegend rund um den Schwedenplatz Zusammenstöße zwischen Fans und Polizei gegeben. Rund 150 gewaltbereite Anhänger der DFB-Elf zettelten nach Angaben der Polizei eine Schlägerei mit Österreichern an und demolierten ein Lokal. Zwei Deutsche wurden festgenommen.

Quelle: n-tv.de