Fußball

"Er ist eine Maschine" Haaland nach Derby nur Terzic' zweite Wahl

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Brachiale Gewalt, unglaublich schön.

(Foto: Maik Hölter/TEAM2sportphoto)

Kommentatoren ringen um Superlative, Mitspieler feiern den Doppeltorschützen. Erling Haaland ist bei Borussia Dortmund auch im Revierderby gegen den FC Schalke der gefeierte Star. Nur sein gewiefter Trainer Edin Terzic will da nicht ganz mitmachen.

Die Laune bei Borussia Dortmund ist prächtig. Das Revierderby war wegen der Schwächephase des Klubs trotz der Abstiegssorgen des FC Schalke 04 als durchaus enges Spiel ausgegeben worden. Nichts da, der BVB walzte sehenswert über die Königsblauen hinweg, 4:0 stand es am Ende in der Fußball-Bundesliga.

Für Schalke bleibt das Mitleid des Gegners, der die Derbys vermissen wird. Für den BVB und Trainer Edin Terzic bleibt nach einer Woche mit dem Sieg in der Champions League gegen den FC Sevilla und dem Wissen, dass Terzic nach der Saison wieder zum Co-Trainer degradiert wird, viel Freude. Spielwitz, Kombinationsstärke und Wille überforderten den Gegner schlichtweg. Es scheint, als habe der BVB die kleine Krise überwunden, auch wenn Platz sechs in der Tabelle dem eigenen Anspruch nicht gerecht wird.

Doch erst einmal ist alles gut. Terzic schwärmte nach dem 4:0 im Revierderby über das dritte Tor. "Weil da eine sehr gute Teamleistung war, wo wir genau die Sachen gesehen haben, die wir täglich versuchen einzustudieren. Wie wir kombinieren wollen, dann auf dem Flügel mit einem Kontakt schnell hinter die Abwehr zu kommen und dann nochmal quer zu spielen", erklärte er auf der Pressekonferenz leidenschaftlich. Wer hatte denn den Trainer da so glücklich gemacht? Es waren vor allem Raphael Guerreiro und Marco Reus. Der Portugiese spielte über halblinks den Doppelpass mit dem in den Strafraum startenden Reus und schob dann unten rechts am chancenlosen Schalker Ersatztorhüter Michael Langer vorbei.

Mehr Treffer als alle Schalker

Trotz des schönen Spiels und trotz des Lobes stehen Reus und Guerreiro im Schatten eines Mitspielers. Erling Braut Haaland. Der Norweger hatte mit seinem Treffer zum 2:0 (45.) allen die Show gestohlen. Mal wieder. Und mal wieder auf Erling-Haaland-Art. All die Urgewalt des 20-Jährigen kam beim Seitfallzieher zum Vorschein, den er nach einer Halbfeldflanke von Jadon Sancho perfekt erwischte. Er hatte noch nicht einmal richtig Platz zum Drehen, weil Bastian Oczipka versuchte, den Norweger vom Tor abzuschirmen. Doch das kümmerte Haaland überhaupt nicht, in Zlatan-Ibrahimovic-Manier mit Haaland-Eigenart wuchtete er quer in der Luft liegend den Ball mit dem hohen rechten Bein ins linke untere Eck. In der 79. Minute legte er dann noch zum 4:0-Endstand nach.

"Er ist eine Maschine. Er ist sehr torhungrig, das sieht man in jedem Spiel", lobte Reus. "Seine positive Energie auf dem Platz pusht uns. Er tut uns unheimlich gut, wir hoffen, dass er so weitermacht und in den nächsten Spielen weiter Tore schießt." Bei 17 Toren in 17 Partien steht Haaland derzeit und hat damit mehr Treffer erzielt als die gesamte Schalker Mannschaft (15). Eine bessere Torquote weist nur Bayerns Weltfußballer Robert Lewandowski auf.

Zidane zieht Giganten-Vergleich

Damit verleiht der bullige Stürmer den Gerüchten über seinen Abschied vom BVB weiter Auftrieb. Als wären die nach dem Doppelpack-Rekord in der Champions League nicht schon groß genug. Real-Trainer Zinedine Zidane verglich den Norweger gemeinsam mit PSG-Stürmer Kylian Mbappé am Freitag gar mit den besten der Zunft: "Sie sind sehr, sehr gut. Sie sind so gut wie Messi und Ronaldo. Sie sind jünger. Ihnen gehört die Gegenwart und die Zukunft." Mehr geht nicht. Laut "Bild" soll Haalands festgeschriebene Ablösesumme bei mehr als 100 Millionen Euro liegen. Das können sich - vor allem in der Pandemie - nicht viele Klubs leisten. Infrage kommen da fast nur der französische Serienmeister Paris St. Germain oder die beiden englischen Milliardär-Klubs FC Chelsea und Manchester City.

In Dortmund sieht man die Situation vermeintlich gelassen. Sport1 berichtete zuletzt, der Klub habe dem Stürmer deutlich gemacht, dass er mindestens noch eine Saison bleiben muss. Dann, wenn Marco Rose der neue Trainer ist. Dessen Vorgänger und bald Assistent Terzic lobte Haaland nach dem Derbysieg selbstredend. "Wie Erling den reinhaut, ist außergewöhnlich", sagte er über das Sensations-Tor. Aber er legte sich fest: "Das dritte Tor macht mich sogar noch glücklicher und noch stolzer." Es soll sich offenbar nicht alles um den Norweger drehen.

Quelle: ntv.de