Fußball

Saisonende = Karriereende Herr Lehmann hört auf

Der Familienrat im Hause Jens Lehmann hat getagt und das Folgende entschieden: Der frühere Nationaltorwart beendet seine Fußball-Karriere am Saisonende. Damit sind auch eine Rückkehr ins Nationalteam sowie ein Engagement als Fußball-Missionar in den USA vom Tisch. Zur WM fährt Lehmann aber trotzdem.

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Jens Lehmann will gehen. Wie sagen schon jetzt: "Tschüssi!"

(Foto: REUTERS)

Nun fährt Jens Lehmann doch zur Fußball-Weltmeisterschaft. Wer aber an ein Comeback des Torwarts im Team von Joachim Löw denkt, liegt falsch. Stattdessen wird der WM-Dritte von 2006 und Vize-Europameister von 2008 seine lange Karriere im Alter von 40 Jahren beenden und beim Turnier in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) als Experte des Bezahlsenders "Sky" arbeiten. "Ich werde am 8. Mai mein letztes Spiel bestreiten", sagte der Keeper des Bundesligisten VfB Stuttgart bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Auch ein Auslands-Engagement werde es nicht mehr geben. Das habe der Familienrat so entschieden. "Das war's", sagte Lehmann.

Mit dem Derby bei 1899 Hoffenheim wird die 22-jährige Profi- Karriere des 61-maligen Nationalspielers also ausklingen. Bleibt Lehmann bis dahin gesund, wird es sein 394. Bundesliga-Spiel sein. Danach kommt er für "Sky" als dritter Experte neben Franz Beckenbauer und Stefan Effenberg bei mindestens fünf WM-Partien zum Einsatz. Dazu gehören wenigsten zwei der deutschen Auswahl: in der Vorrunde gegen Serbien (18. Juni) und Ghana (23. Juni). Seinen "Einstand" gibt der exzentrische Keeper aber schon am (morgigen) Mittwoch. Beim Champions-League-Viertelfinale seines Ex-Clubs FC Arsenal gegen Titelverteidiger FC Barcelona. "Arsenal war meine schönste Zeit", sagte Lehmann, der das moderne Torwart-Spiel stark mitgeprägt hat.

"Meinungsstark und kompetent"

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Seine Meinung wird Lehmann auch weiterhin sagen, allerdings nicht ungefragt, sondern als TV-Experte.

(Foto: dpa)

Es sagt viel über den ältesten aktiven Torwart der Bundesliga aus, wie ihn der Sender in Stuttgart vorstellte. "Mit Jens Lehmann wird uns ein meinungsstarker und kompetenter Experte in Südafrika zur Verfügung stehen", sagte Sportchef Roman Steuer. Noch immer ist der Routinier ein Schlussmann von internationaler Klasse - mit seiner Meinung hat Lehmann selten hinter dem Berg gehalten. Wie er auch für manche Skurrilität gesorgt hat: Zum Beispiel mit dem "Brillen- Diebstahl" nach seiner Roten Karte im Dezember in Mainz oder kürzlich mit einer unnötigen Kung-Fu-Einlage in der Champions League.

Bei der WM 2006 und bei der EM 2008 war Lehmann die deutsche Nummer 1. Vor vier Jahren hatte ihn der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann nach einem brisanten Zweikampf mit Oliver Kahn zum Stammtorwart erklärt. DFB-Chefcoach Joachim Löw hatte Lehmann nach dem EM-Finale nicht mehr für das Nationalteam berücksichtigt und auch einem Südafrika-Ticket für den Stuttgarter immer eine Absage erteilt. Doch noch immer kann Lehmann zu dem Thema nicht schweigen: Man wisse nie, was passiere, sagte er am Dienstag. Sollte der etatmäßige Nationalkeeper in Südafrika ausfallen, dann könne man doch miteinander reden.

Und ewig lockt Olli Kahn

Ein "WM-Duell" mit Kahn wird es übrigens erneut geben - auf dem Bildschirm, denn der alte Rivale ist ZDF-Experte. "Das habe ich mir noch gar nicht überlegt", sagte Lehmann nun - und schmunzelte.

In der Bundesliga spielte der gebürtige Essener vor seinem Engagement in Stuttgart für den FC Schalke 04, mit dem er 1997 UEFA-Cup-Sieger wurde, und Borussia Dortmund, wo er 2002 deutscher Meister war. "Er hat bei uns super gehalten, er war ein Torhüter auf absolut höchstem Niveau", sagte der Dortmunder Sportdirektor Michael Zorc. Mit dem FC Arsenal, für den Lehmann fünf Jahre spielte, erreichte er 2006 das Champions-League-Endspiel gegen Barcelona. Nach nicht einmal 20 Minuten war das Finale für Lehmann aber schon beendet, als er die Rote Karte sah. Arsenal verlor 1:2. Ein Kurz-Engagement beim AC Mailand (1998) war nicht erfolgreich. Nun will er den VfB in den restlichen knapp sechs Bundesliga-Wochen noch auf einen Europa-League-Platz führen.

Mosern bis zum Schluss

"Ich bin körperlich noch fit und muss nicht aufhören, weil alles wehtut", erklärte Lehmann. Wie es nach der WM weitergeht, weiß er noch nicht. Vielleicht bei "Sky", vielleicht im Fußball? Der Trainerschein? Ja, das könne sein, sagte Lehmann und kritisierte, dass er als verdienter Nationalspieler keinen Kurzlehrgang bekommt.

Demnächst wird ein Buch von Lehmann auf den Markt kommen - über ihn und über den Fußball. Da werde es den einen oder anderen Spieler geben, "der ein wenig kritischer behandelt wird", erklärte Lehmann. Ein ruhiger Abgang? Das hätte nicht wirklich gepasst.

Quelle: ntv.de, dpa