Fußball

Streit um Relegation geht weiter Hertha scheitert und steigt ab

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Michael Preetz, Manager von Hertha BSC Berlin, bleibt mit seinem Verein nun die Berufung vor dem DFB-Bundesgericht.

dpa

Das skandalöse Relegationsspiel (2:2) zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird zunächst nicht wiederholt. Den Einspruch der Berliner weist das DFB-Sportgericht trotz des Platzsturms von Düsseldorf-Fans vor dem Abpfiff zurück. Hertha zieht nun vor das DFB-Bundesgericht - aber mit äußerst geringen Chancen, sagt Sportrechtler Siegfried Fröhlich bei n-tv.de.

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Das DFB-Sportgericht unter dem Vorsitz von Hans E. Lorenz sah keinen "Einspruchsgrund" der Herthaner.

(Foto: dpa)

Das unter skandalösen Umständen beendete Relegationsrückspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC (2:2) wird vorerst nicht wiederholt. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wies den Einspruch der Berliner gegen die Spielwertung ab. Laut erster Instanz ist die Hertha damit nach dem 1:2 im Hinspiel aus der Bundesliga abgestiegen. Allerdings kündigten die Berliner umgehend an, das DFB-Bundesgericht anzurufen.

"Alle haben gesehen, dass das ein irreguläres Spiel war. Das war am Ende kein Fußballspiel mehr. Das Gericht hat von einem positiv besetzten Platzsturm gesprochen. Das ist ein lustiger Begriff für das, was wir gesehen haben", sagte Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt und tadelte das Sportgericht: "In diesem Urteil und in diesem Verfahren hat das Sportgericht nicht den selbstgebildeten Ansprüchen genügt." Vor dem DFB-Bundesgericht werte er, sagte Schickhardt, "unsere Chancen nach der Beweisaufnahme besser denn je. Wir werden jetzt die TV-Bilder zeigen dürfen, was wir vor dem Sportgericht nicht durften."

Der Sportrechtler Siegfried Fröhlich bewertet die Berliner Chancen auf einen erfolgreichen Einspruch im Gespräch mit n-tv.de aufgrund der Spezifika der Sportgerichtsbarkeit im Vergleich mit staatlichen Gerichten als äußerst gering. "Jeder Sportrichter ist beeinflusst durch ein Urteil, das in diesem Fall ein ausgewogener Experte wie Hans E. Lorenz trifft. In diesem Fall zu einem anderen Ergebnis zu kommen und Einfluss auf die Klassenzusammensetzung im nächsten Jahr zu nehmen, diesen Mut bringt nicht jeder Richter auf - selbst wenn er davon überzeugt wäre, dass das Urteil ein Fehler wäre. Ich kann mir das nicht vorstellen." Die Umstände, unter denen das Spiel zu Ende gegangen war und das folgende juristische Nachspiel, nannte Fröhlich "ein Debakel für die Bundesliga".

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DFB-Schiedsrichter Wolfgang Stark hat in den Augen des DFB-Sportgerichts alles richtig gemacht in Düsseldorf.

(Foto: dapd)

Dem Sportgerichtsvorsitzenden Hans E. Lorenz zufolge hatte der Einspruch "keinen Erfolg, weil kein Einspruchsgrund nachzuweisen war", sagte er. "Der Schiedsrichter hat jederzeit regelkonform gehandelt, und die von Hertha BSC behauptete einseitige Schwächung durch die Unterbrechung konnte nicht belegt werden."

Tatsachenentscheidung von Stark

Düsseldorfs Vorstandsvorsitzender Peter Frymuth bezeichnete die Entscheidung als folgerichtig: "Ich bin erleichtert und froh, dass die Spielwertung, so wie ausgetragen, bestehenbleibt. Für mich war für das Urteil die Klarheit der Schiedsrichteraussagen entscheidend. Aus unserer Sicht ist dieses Urteil gerecht", sagte er.

Lorenz sagte, die Entscheidung von Stark, das Spiel insgesamt dreimal zu unterbrechen und jeweils wieder fortzusetzen, sei "eine Tatsachenentscheidung" gewesen. Er ließ aber zugleich keinen Zweifel daran, dass nicht viel zu einer gegenteiligen Entscheidung gefehlt habe. "Der Versuch, nachzuweisen, dass die Berliner unter Angst standen, blieb ohne Erfolg. Es wurde kein Berliner Spieler verletzt oder körperlich angegriffen oder musste ausgewechselt werden. Wäre das der Fall gewesen, hätte der Einspruch Erfolg gehabt", sagte Lorenz. "Hätte der Platz nicht geräumt werden können - auch dann hätte eine Spielumwertung stattfinden müssen."

Verständnis für Strohhalm-Griff

"Das war hier und heute und am Freitag eine schwierige Entscheidung für uns", sagte Lorenz, der den für Freitag angekündigten Urteilsspruch nach  einer sechseinhalbstündigen Verhandlung auf den heutigen Montag vertagt hatte. Er betonte: "Auch wenn der Einspruch keinen Erfolg hatte, sagen wir ausdrücklich, dass wir Verständnis haben, dass der Verein nach diesem Strohhalm gegriffen hat."

Der letzte Strohhalm war es noch nicht für die Berliner. Nun wird es wohl am Mittwoch zu einer weiteren Verhandlung am Grünen Tisch kommen. Anschließend wäre ein Gang vor das DFB-Schiedsgericht möglich. Selbst der Internationale Sportgerichtshof CAS könnte theoretisch noch eine Rolle in der Auseinandersetzung um die skandalös zu Ende gegangene Partie spielen.

Platzsturm vor dem Abpfiff

Die hektische Partie war von Schiedsrichter Wolfgang Stark am vergangenen Dienstag mehrmals unterbrochen worden, zuletzt in der Nachspielzeit für 21 Minuten. Etwa 1500 Düsseldorfer Fans hatten kurz vor dem Abpfiff den Rasen gestürmt, weil sie das Spiel fälschlicherweise für abgepfiffen hielten.

Hertha hatte seinen Einspruch später mit fehlender Chancengleichheit durch die Spielunterbrechung begründet und die Tragweite des Urteils angemahnt, da sich die Fans zuvor verbotenerweise im Stadioninnenraum aufgehalten hatten und bei der Unterbrechung unter anderem der Elfmeterpunkt im Hertha-Strafraum aus dem Rasen geschnitten worden war. "Es sollte davon ein Signal ausgehen, bevor es irgendwann Tote gibt. Es geht darum, den Spielbetrieb vor Verrohung, Anarchie und Gewalt zu sichern. Vielleicht ist das die letzte Chance", hatte Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt in seinem flammenden Plädoyer wegen der chaotischen Umstände "mit historischen Maßstäben" ein Wiederholungsspiel gefordert: "Dazu bedarf es keines Blutvergießens." Das Sportgericht sah das anders.

Düsseldorf argumentierte hingegen von Beginn an, die Partie sei von Referee Stark regulär beendet worden. Der Schiedsrichter hatte vor dem DFB-Sportgericht erklärt, die Sicherheit der Profis sei beim Wiederanpfiff nicht mehr gefährdet gewesen. Ordnungskräfte und Polizei hätten den Stadioninnenraum komplett von den euphorisierten Fortuna-Fans geräumt gehabt.

Weitere Strafen kommen

Gegen die Berliner Profis Lewan Kobiaschwili, Christian Lell, Thomas Kraft und Andre Mijatovic hat der DFB-Kontrollausschuss Ermittlungen eingeleitet. Diese Fälle werden zu einem späteren Zeitpunkt behandelt.

Auf beide Vereine warten daher noch Strafen. So muss Hertha mit einer Geldstrafe rechnen, weil Fans Bengalos gezündet und auch aufs Spielfeld geworfen hatten. Düsseldorf droht wegen des Platzsturms sogar ein Geisterspiel oder eine Platzsperre.

Zu einer möglichen Geldstrafe sagte Fortuna-Finanzvorstand Paul Jäger der Zeitung "Express": "Wir werden das unter denen aufteilen, die wir ausfindig machen können. Alle anderen können anonym in einen Pool einzahlen. Dann ist es für den Rest nicht ganz so teuer."

Quelle: n-tv.de, dpa/sid

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