Fußball

"Herbsttitel bedeutet mir nichts" Heynckes macht Hertha Mut

Jupp Heynckes wollte von der gefährdeten Herbstmeisterschaft nichts wissen, Kollege Friedhelm Funkel musste sein Personal erst vom gewonnenen Punkt überzeugen. Das verückte Finale des Fußballspiels zwischen dem Bundesliga-Ersten und dem Schlusslicht hatte nicht nur die Trainer von Bayer Leverkusen und Hertha BSC von einem Extrem ins andere gestürzt.

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Imerhin noch 2:2: Herthas Adrian Ramos lässt sich nach seinem zweiten Tor feiern

(Foto: REUTERS)

"Die Herbstmeisterschaft bedeutet mir gar nichts. Die Entwicklung der Mannschaft bedeutet mir dagegen viel, dass wir weiter oben stehen", sagte Bayer-Chefcoach Heynckes fast trotzig über das 2:2 in Berlin, das vor allem der Konkurrenz im Kampf um die Tabellenspitze wieder neue Möglichkeiten eröffnete. Der Krisenklub Hertha hatte lange Zeit 1:0 geführt. Dann drehten die weiter ungeschlagenen Leverkusener das Spiel, um in der Nachspielzeit wieder den Ausgleich zu kassieren.

"Sowas darf einfach nicht passieren, ich bin sauer", ärgerte sich Bayer-Toptorjäger Stefan Kießling, der am vorletzten Hinrunden- Spieltag leer ausging, über das Last-Minute-Tor des Hertha- Kolumbianer Adrian Ramos (90.+2). Doch auch die Berliner Profis mochten sich über das Remis nach dem Ablauf der Partie nicht freuen. Zu groß war zunächst der Ärger, auch im 15. Liga-Spiel nacheinander nicht gewonnen zu haben.

Drobny: "Ein Punkt ist nicht genug"

"Ein Punkt ist nicht genug", wetterte Torhüter Jaroslav Drobny, der vor 40.474 Fans in der Nachspielzeit in Leverkusens Strafraum geeilt und so zumindest mit Platz für Ramos' Ausgleichs-Kopfball geschaffen hatte. Sein Trainer Funkel dagegen übermittelte kämpferisch vor allem dem eigenen Personal: "Ich glaube, dass uns dieser Punkt hilft. Davon bin ich überzeugt."

Hertha konnte zwar auch am 125. Tag nach dem bisher einzigen Saisonsieg am 8. August gegen Hannover (1:0) den Bock nicht umstoßen. Der unbändige Einsatz und auch die Defensiv-Organisation aber sollen ab sofort der Maßstab für die Rückrunde werden, machte Funkel klar: "Ich hoffe, dass wir mit dem 2:2 auch ein Stückchen das Glück zurückgewonnen haben. Denn auch das brauchen wir für unsere Aufholjagd im nächsten Jahr."

Am 16. Spieltag hatte dieses Glück lange noch auf Bayer-Seite gelegen. Denn nach der frühen Führung des agilen Ramos (8. Minute) fiel zunächst Toni Kroos ein Hertha- Abpraller glücklich vor den Schuss-Fuß (76.). Dann fälschte Berlins Lukasz Piszczek einen Versuch des 19-jährigen Bundesliga-Debütanten Burak Kaplan unglücklich ins eigene Tor ab (90.). Und schließlich bekam Gojko Kacar vom kompromisslosen Schiedsrichter Babak Rafati auch noch die Gelb-Rote Karte gezeigt (78.).

Gleich sieben Leverkusener U-23-Spieler

Heynckes strich angesichts der Ausfall-Liste, auf der ganz oben die routinierten Manuel Friedrich und Simon Rolfes stehen, die "großartige Leistung" seiner jungen Garde über die gesamte Hinrunde heraus. In Torschütze Kaplan (20), Daniel Schwaab (22), Stefan Reinartz (20), Toni Kroos (19), Arturo Vidal (22), Gonzalo Castro (23) und Eren Derdiyok (21) standen in Berlin gleich sieben Leverkusener U23-Spieler auf dem Rasen, denen in solchen hektischen Schlussphasen wie gegen Hertha dann eben noch ein wenig "die Erfahrung fehlt", wie Heynckes einräumte. "Es ist an der Zeit, dass die Leistungsträger der vergangenen Saison wieder zurückkommen", sagte der Coach, "damit wir solche Spiele wieder gewinnen."

Mut machte der erfahrene Heynckes nicht nur seinen Profis, sondern auch den Berlinern, deren Teilerfolg "redlich verdient" gewesen sei. "Man sieht, was die Mannschaft kann, wenn die Verunsicherung weg ist. Die Spieler dürsten nach einem Erfolgserlebnis", sagte der 64-Jährige Richtung Tabellen-Schlusslicht Hertha. "Und im Fußball ist alles möglich. Warum soll es Hertha nicht noch schaffen", bemerkte Heynckes zu den Aussichten des Kontrahenten im Abstiegskampf.

Quelle: n-tv.de, Jens Mende, dpa

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