Fußball

"Augen zu" bei der FIFA-Korruption Hoeneß attackiert Zwanziger

Nach der skandalumtosten Wiederwahl von FIFA-Präsident Joseph Blatter findet Bayern-Boss Uli Hoeneß den Mut, den DFB für seine kritiklose Haltung abzuwatschen. Die Unterstützung durch DFB-Präsident Theo Zwanziger nennt Hoeneß enttäuschend. Zwanziger weist das zurück. Argumente hat er nicht.

1307526148.jpg4064309234348917300.jpg

Späte Wortmeldung: Bayern-Präsident Uli Hoeneß erneuert seine Kritik an FIFA-Präsident Joseph Blatter und nimmt sich dabei auch DFB-Boss Theo Zwanziger zur Brust.

(Foto: dapd)

Uli Hoeneß hat DFB-Präsident Theo Zwanziger wegen seines Votums für FIFA-Präsident Joseph Blatter heftig kritisiert. "Herr Zwanziger ließ keinen Zweifel daran, dass man Blatter wählen wird. Ganz nach dem Motto: Augen zu und durch", sagte der Präsident des FC Bayern München in einem Interview mit "Sportbild". "Ich bin enttäuscht, dass der DFB vor diesen unseriösen Machenschaften die Augen verschließt und nicht gegen Blatter Druck macht."

Der ganze Fußball-Weltverband müsse neu aufgestellt werden. "Die Uhr von Sepp Blatter und seiner Combo tickt", sagte Hoeneß über den mächtigen Spitzenfunktionär aus der Schweiz. "Es ist für mich keine Frage "ob", sondern nur noch "wann" er seinen Posten räumen muss", sagt Hoeneß: "Der ganze Saustall gehört ausgemistet." Schon Anfang des Jahres hatte er die katastrophale Außendarstellung des Fußball-Weltverbandes kritisiert und festgestellt: "Ein Skandal jagt den anderen."

Geändert hat sich bei der FIFA seitdem nichts. Falls das weiterhin so bleibt, befürchtet der langjährige Bayern-Manager "einen Schaden für den Fußball, der nicht mehr zu reparieren sein wird". Die Haltung des Deutschen Fußball-Bundes störe ihn in dieser Sache: "Dabei müssten gerade die großen Verbände wie der DFB jetzt aufstehen und sagen: So kann es nicht weitergehen." Wegschauen heiße auch akzeptieren, bemängelte Hoeneß.

Damit stellte sich Hoeneß - wenn auch spät - an die Seite von Korruptions-Expertin Sylvia Schenk, die vor der FIFA-Präsidentenwahl eine Mitverantwortung von Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer für die gegenwärtige Situation des Fußball-Weltverbandes konstatiert hatte. Über Zwanzigers Vorgänger im FIFA-Exekutivkomitee sagte sie im Interview mit n-tv.de: "Wenn wir in Deutschland darüber reden, wer die gegenwärtige Situation verantwortet, dann ist es das gesamte Exekutivkomitee, dann ist es auch Franz Beckenbauer. Damit sage ich nicht, er ist korrupt. Aber die gegenwärtige Situation verantwortet er mit."

"Niemand hat die Augen verschlossen"

Zwanziger wehrte sich im selben Blatt: "Nein, niemand beim DFB hat die Augen verschlossen." Die Vertreter der Liga im DFB-Präsidium hätten sich ebenfalls für Blatters Wiederwahl ausgesprochen. "Aber wir müssen klug sein", erklärte Zwanziger. "Durch das sachbezogene Verhältnis, das der DFB zum FIFA-Präsidenten hat, gewinnen wir die Chance, Einfluss zu nehmen."

2011-06-01T064804Z_01_WR910_RTRMDNP_3_SOCCER-FIFA-GERMANY.JPG7666624310371602368.jpg

"Niemand hat die Augen verschlossen": Zwanziger findet nichts Anstößiges an seiner kritiklosen Haltung gegen Joseph Blatter.

(Foto: REUTERS)

Der 66-jährige Jurist nannte als Gegenbeispiel den englischen Verband (FA), der angesichts des Korruptionsskandals bei der FIFA vergeblich eine Verlegung der schlagzeilenträchtigen Wahl gefordert hatte: "Ich glaube kaum, dass sich Sepp Blatter von den englischen Kollegen viele Ratschläge einholen wird", sagte Zwanziger, der mit dieser Äußerung in den Augen seiner Kritiker erneut einen bemerkenswerten Opportunismus offenbarte: Kritik lohnt nur dann, wenn Sie ohnehin mehrheitsfähig ist. Ansonsten gefährdet sie den eigenen Posten.

Ein Stück Verantwortung

Zwanziger freilich, dessen Verband Blatter im Oktober 2010 zum DFB-Ehrenmitglied ernannt hatte, sieht seine Haltung anders. Als neues Mitglied gehe er in die Exekutive des Weltverbandes, um ein Stück Verantwortung zu übernehmen: "Ich werde sehr genau beobachten und mitwirken. Das habe ich auch Sepp Blatter am Vorabend seiner Wahl in Zürich gesagt." Das einzig Gute an der Situation, in der die FIFA stecke, sei, "dass sie so verfahren ist, dass jedermann den hohen Veränderungsbedarf kennt".

Von Hoeneß' öffentlichen Vorwürfen zeigte sich der DFB-Präsident überrascht und konterte: "Er war ja schon bei der WM in Südafrika ein polarisierender, öffentlicher Kritiker, recht hat er damit nicht behalten und nicht unbedingt an Ansehen gewonnen."

Diese seltsame Aussage überrascht nur auf den ersten Blick: Denn dass es Zwanziger in seiner Funktion als Fußballboss vor allem um sein persönliches Ansehen geht, hat er in der Vergangenheit hinlänglich bewiesen.

Quelle: ntv.de, cwo/dpa