Fußball

Das ist Hoffenheims neuer Coach Hoeneß ist viel mehr als nur ein Hoeneß

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Sebastian Hoeneß will nicht nur wegen seines Nachnamens bedeutsam sein.

(Foto: imago images/Joachim Sielski)

In der Fußball-Bundesliga gibt es lediglich 18 Trainerjobs. Jeder einzelne ist extrem begehrt. Die TSG Hoffenheim setzt nun auf einen Neuling, auf Sebastian Hoeneß. Aber wer ist dieser Mann mit dem so bekannten Namen?

Sebastian Hoeneß ist wieder da. In Hoffenheim, wo er einst Fußball spielte. Der 38-Jährige ist neuer Trainer der Bundesliga-Mannschaft der TSG. Und niemand im Kraichgau, er selbst sicher am wenigsten, hätte etwas dagegen, wenn seine zweite Zeit beim Klub erfolgreicher ist als die erste Zusammenarbeit. Sebastian Hoeneß kommt als Meister, als Drittlliga-Meister. Die U23 des FC Bayern hat er nach einer herausragenden Rückrunde auf Platz eins geführt. Der Aufstieg? Nicht möglich. Die Regularien verbieten das. Doch was dem Team verwehrt blieb, das gelingt nun aber dem Trainer. Dem Trainer mit dem großen Namen.

Und der Name kommt nicht von ungefähr. Denn Sebastian Hoeneß ist tatsächlich Teil der vermutlich erfolgreichsten Fußball-Dynastie des Landes. Er ist der Sohn von Dieter und der Neffe von Uli, dem Patron des Rekordmeisters FC Bayern. Sein Vater, Vizeweltmeister. Sein Onkel, Welt- und Europameister. Er selbst? Aufsteiger in die zweite Liga - mit der TSG Hoffenheim. Die Karriere des Fußballers Sebastian Hoeneß ist überschaubar erfolgreich, die als Trainer soll ganz anders werden. Und er möchte dabei sehr gerne eigene Spuren hinterlassen, nicht immer an seinem Namen gemessen werden. "Hin und wieder würde ich mir wünschen, als Sebastian wahrgenommen zu werden - nicht nur als Hoeneß."

Eines hat der 38-Jährige bereits erfolgreich und wohltuend hinter sich gelassen: das Gepolter der älteren Generation. Vater Dieter scheute als Manager von Hertha BSC keine öffentlichen Auseinandersetzungen, Onkel Uli als Beschützer des FC Bayern erst recht nicht. Sebastian dagegen verfährt eher nach dem Motto: In der Ruhe liegt die Kraft. Über sich selbst sagt er: "Ich bin immer gut damit gefahren, einfach meinen Weg zu gehen und keine zu großen Schritte zu machen."

Immer schon eher der Typ Trainer

Als Sohn eines Nationalstürmers kam er zwangsläufig früh mit Fußball in Kontakt. "Damals wusste ich nicht, dass mein Vater in irgendeiner Form berühmt ist. Ich habe eine Leidenschaft entwickelt und dadurch angefangen, Fußball zu spielen", erzählt er über seine Kindheit. Den größten Teil seiner Spielerkarriere verbrachte er in der zweiten Mannschaft von Hertha BSC. Dort war Hoeneß auch Spielführer. "Der Basti zeigte starke Führungsqualitäten und agierte schon auf dem Platz wie ein Trainer", urteilte sein Coach Karsten Heine im Gespräch mit dem Fußballmagazin "11Freunde". "Er ist ein emotionaler und sachlicher Typ, mit dem man sich wunderbar konstruktiv streiten kann. Er war der perfekte Kapitän dieser Mannschaft."

Insgesamt lief der offensive Mittelfeldspieler 172 Mal in Dritt- oder Viertligaspielen auf. In der Saison 2006/2007 hatte Hoeneß auch ein kurzes Intermezzo beim damaligen Regionalligisten TSG Hoffenheim gegeben. Den Durchbruch schaffte er dort unter Ralf Rangnick zwar nicht, der Kontakt zwischen Hoeneß und Rangnick riss aber nie ab. Mit nur 28 Jahren, ähnlich früh wie Onkel Uli, beendete Sebastian Hoeneß im Jahr 2010 seine Spieler-Laufbahn. Und bereitete fortan seine zweite Karriere gewissenhaft vor. Er hospitierte und lernte bei Trainern wie Huub Stevens ("Es hat mir immer imponiert, wie er mit den Spielern umgegangen ist"), Thomas Tuchel ("Ich wollte unbedingt bei ihm zuschauen") sowie Josep Guardiola ("Bei ihm ist mir besonders diese unfassbare Besessenheit in Erinnerung geblieben, sich über Fußball austauschen zu wollen").

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Eine Saison lief er in der Regionalliga für Hoffenheim auf.

Und so übernahm er 2011 als Coach die A-Jugend von Hertha Zehlendorf (Amateurklub in Berlin), ehe er 2014 über den Rangnick-Kontakt als Trainer in die Jugend-Akademie von RB Leipzig einstieg. Drei Jahre hielt es ihn dort, dann zog es ihn zum FC Bayern, wo er mit Beginn der gerade abgelaufenen Saison die Reserve übernahm und sie nach einer schwachen Hinrunde überraschend zum Titel führte. Der Trainer hatte es nach der Winterpause bestens verstanden, den mit Top-Talenten um Joshua Zirkzee gespickten Aufsteiger defensiv zu stabilisieren und mit sehenswertem Ballbesitzfußball zum Erfolg zu führen.

Stolz auf den Erfolg ist er selbst. Stolz ist aber natürlich auch seine Familie. Vater Dieter, inzwischen 67 Jahre alt, lobte: "Er hat die Jugendspieler zu Männerspielern gemacht." Onkel Uli fand: "Er hatte am Anfang viele Vorurteile, weil er auch Hoeneß heißt. Ich bin ganz glücklich, dass er einen so tollen Job macht, denn so gut hat die zweite Mannschaft noch nie da gestanden." Sebastian Hoeneß wurde so auch zum "Trainer der Saison" gewählt (Wahl Trainer, Kapitäne, Fans). Auch das dürfte die Verantwortlichen der TSG Hoffenheim auf den Plan gerufen haben. Hoeneß tritt nun die Nachfolge von Alfred Schreuder an, den die Hoffenheimer vier Spieltage vor Saisonende gefeuert hatten. Weil das Interims-Trainerteam die Mannschaft aber noch auf Platz sechs hievte, kann sich Hoeneß in seiner ersten Saison mit der TSG auch gleich in der Europa League beweisen.

Quelle: ntv.de