Fußball

100 Millionen illegal geflossen? Lauterns Rettung wirft Fragen auf

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Die Pacht für das Fritz-Walter-Stadion deckt offenbar gerade einmal die Zinsen für das Darlehen der Stadt ab.

(Foto: imago/Eibner)

Mit über 100 Millionen Euro haben Stadt und Land die Pleite des 1. FC Kaiserslautern verhindert. Der Bund der Steuerzahler hält das für illegal und will nun das Rettungsmodell prüfen lassen. Der Verein schlägt zurück: Die Vorwürfe seien "populistisch".

Die finanziellen Sünden der Vergangenheit könnten den Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern noch einmal einholen. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler Rheinland-Pfalz sind in den vergangenen zehn Jahren rund 100 Millionen Euro Steuergelder des Landes illegal an den Klub geflossen. Innenstaatssekretär Günter Kern (SPD) gab an, dass die Kommunalaufsicht die Stadt Kaiserslautern um Aufklärung gebeten habe. "Es gibt recht wenige Steuerverschwendungsfälle in Rheinland-Pfalz, die damit mithalten können", sagte Steuerzahlerbund-Geschäftsführer René Quante dem "SWR". Laut Quante denke sich die Stadt Kaiserslautern "immer wieder neue Möglichkeiten aus, wie man auf indirekte Weise Steuergeld in die Vereinskasse schleusen" könne.

Die Vorwürfe des Steuerzahler-Bundes sind allerdings nicht neu. Es handelt sich vielmehr um eine Zusammenfassung von alldem, was seit der Fast-Pleite des Klubs vor der WM 2006 ohnehin bekannt ist. Damals kaufte die Stadt dem FCK das ausgebaute Fritz-Walter-Stadion für 65 Millionen Euro ab, um den Verein vor dem Konkurs zu bewahren. Seit dieser Zeit zahlen die Roten Teufel eine Pacht für die Arena, die aufgrund der chronischen Finanzschwäche des Klubs immer wieder gesenkt wurde. Derzeit sind es 2,4 Millionen Euro im Jahr. Laut des Steuerzahlerbundes reicht diese Pacht allerdings gerade einmal für die Zinsen. Besonders pikant ist der nun geplante Rückkauf des Nachwuchszentrums. Die Stadt hatte den "Fröhnerhof" für sechs Millionen Euro gekauft, nun soll das Gelände für 2,6 Millionen Euro an den Verein zurückgehen.

Schreckensszenario Pleite

Der Verein reagiert gelassen auf die Vorwürfe. "Es sind alles bekannte Zahlen, da haben wir nichts zu verheimlichen", sagte Klubchef Stefan Kuntz der "Bild"-Zeitung: "Mich ärgert, dass der Herr vom Steuerzahlerbund ohne genaue Faktenlage und ohne Rücksprache mit dem Verein dem FCK so einen Imageschaden verursacht." In einem Statement teilte der Zweitligist außerdem mit, es gebe keine Angriffspunkte am "Zukunftsmodell FCK". Quante wolle mit seinen "populistischen Aussagen" nur Aufmerksamkeit erregen.

Von einer Klage sieht der Steuerzahler-Bund denn auch ab. Laut Quante sei es dafür noch zu früh. Man habe der Stadt Kaiserslautern aber eine Reihe von Fragen gestellt. Danach werde über mögliche juristische Schritte entschieden. Sollte es sich tatsächlich um unerlaubte Beihilfen handeln, müsste der Klub laut Quante sämtliche Subventionen an Stadt und Land zurückzahlen. Damit wäre der FCK pleite.

Quelle: ntv.de, sid/dpa

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