Fußball

Kasachen als Gegner, Griechen als Vorbild Löw und das Ding der Unmöglichkeit

3app4909.jpg2833429423247327602.jpg

Bundestrainer Joachim Löw will in Brasilien gern Weltmeister werden und nennt als Vorbild Griechenland. Das treibt Fußballästheten und Hipsterfans den Angstschweiß auf die Stirn.

(Foto: dpa)

Weil die Kasachen für das DFB-Team auf dem Weg zur WM kein Hindernis sein dürften, beschäftigen Bundestrainer Joachim Löw die Unmöglichkeiten des Oliver Bierhoff. Anders als sein Teammanager hat Löw den WM-Titel keineswegs abgeschrieben. Es gab schließlich auch mal einen Europameister, der Griechenland hieß. Dennoch fordert Löw: Mehr Demut, bitte.

Deutschland - Kasachstan, 20.45 Uhr

Voraussichtliche Aufstellungen

Neuer - Lahm, Mertesacker, Boateng, Schmelzer - Khedira, Güngogan - Müller, Özil, Reus - Götze
Sidelnikov - Gorman, Logvinenko, Mukhtarov, Engel - Nurdauletov, Baizhanov - Dzholchiev, Khayrullin, Schmidtgal - Ostapenko
Ab 20.45 Uhr im n-tv.de Liveticker!

Die gute Nachricht zuerst: Das Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft heute in Nürnberg gegen Kasachstan (ab 20.45 Uhr im n-tv.de Liveticker) findet statt. Und so hat die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw nach wie vor die Chance, die Tabellenführung in der Gruppe C noch komfortabler zu gestalten, als sie eh schon ist. Daran, dass die DFB-Elf nach dieser Partie 16 Punkte aus sechs Spielen auf dem Konto haben wird, zweifelt ernsthaft niemand. Auch nicht daran, dass sich das deutsche Team für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien qualifizieren wird. Nur davon, dass es dort eine ernsthafte Chance auf den langersehnten Titel hat, davon ist zumindest Oliver Bierhoff nicht gänzlich überzeugt.

Für eine europäische Mannschaft sei es quasi "ein Ding der Unmöglichkeit", bei einem Turnier in Amerika zu reüssieren, hatte der Manager nach dem lockeren 3:0-Hinspielsieg am Freitag gegen wackere Kasachen gesagt. Und seine Bedenken auf die historische Tatsache gestützt, dass das tatsächlich in der Geschichte des Weltfußballs noch keinem Team aus er alten Welt gelungen ist, weder im Süden noch im Norden. Allerdings ließ er ein Türchen offen und garnierte seine Einschätzung mit einem "eigentlich."

Eigentlich also weder eine brisante, noch eine exklusive Aussage. Aber da die beiden Partien gegen Kasachstan bei Lichte betrachtet wenig Erzählenswertes bieten, brach sich die öffentliche Exegese ihre Bahn.

"Wir sind ja noch gar nicht qualifiziert"

2nq50101.jpg963541202973361600.jpg

Der WM-Pokal bleibt das Ziel von Löw.

(Foto: dpa)

Von einem fatalen Signal nach innen und nach außen war die Rede. Fast schien es so, als brauche die DFB-Elf bei prognostizierter Chancenlosigkeit gar nicht mehr weiterspielen. Denn darum geht es ja für diese Generation hochtalentierter Spieler und ihren Trainer, der das immer wieder selbst betont hat. Dass sie endlich einen Titel gewinnen, es wäre der erste seit dem Sieg bei der Europameisterschaft 1996. So sah sich Joachim Löw am Tag vor dem Spiel bemüßigt, das Bierhoff‘sche "eigentlich" flugs noch weiter einzuschränken.

"Er hat gesagt: eigentlich." Und erklärte auch gleich, was er damit meinte: "Eigentlich hat auch niemand erwartet, dass Griechenland 2004 Europameister wird." Und versuchte, die Aufmerksamkeit auf die Begegnung mit Kasachstan zu lenken: "Es ist ganz wichtig für uns in Deutschland, auch mal wieder ein bisschen Demut zu zeigen. Wir sind ja noch gar nicht qualifiziert."

Doch was gibt es über das Hammerspiel gegen Kasachstan zu sagen, die Nummer 139 der Weltrangliste? Weil Bayerns Mario Gomez verletzt abgereist ist, lässt Joachim Löw auch heute wieder ohne echten Stürmer spielen und beordert, auch aus Mangel an einer Alternative, den Dortmunder Mario Götze in die Spitze. Und weil der Münchner Bastian Schweinsteiger sich in Astana mit der zweiten Gelben Karte in dieser Qualifikation wieder selbst eine Auszeit verordnet hat, wird anstatt seiner nicht etwa Teamkollege Toni Kroos - sondern der 22 Jahre alte Dortmunder Ilkay Gündogan vor der Abwehr im defensiven Mittelfeld spielen.

Fix, kreativ und lernfähig

Das hat er bereits beim Freundschaftsspiel in Frankreich getan, und zwar so gut, dass die deutsche Mannschaft mit 2:1 gewann und eine Diskussion aufkam, die sich im Kern darum drehte, ob nicht Gündogan der bessere Schweinsteiger sei. Ungeachtet dessen überragender Leistungen beim FC Bayern allerdings. Aber Gündogan, fix, kreativ und lernfähig, entspricht halt zu sehr dem Ideal des Bundestrainers.

In Nürnberg jedenfalls schließt sich für Gündogan ein Kreis, der sich des Wohlwollens des Bundestrainers sicher sein darf, der ihm Jüngst das Potential zur Weltklasse bescheinigte. Hier, beim Club, begann er nach seiner Zeit als Jugendspieler beim VfL Bochum seine Karriere, es ist für ihn eine Rückkehr "in seine zweite Heimat", wie er sagt. "Das ist definitiv etwas Besonderes. Ich bin in Nürnberg zum Bundesligaspieler gereift und habe Verein und Stadt viel zu verdanken. " Aber auch er wird wissen, dass ein Spiel gegen Kasachstan kein Maßstab ist. Also eigentlich. Aber immerhin: Er darf spielen. Und bis zur WM 2014 ist noch Zeit. Wenn das keine gute Nachricht ist.

Quelle: ntv.de