Fußball

Bundestrainerin will Equal Play "MVT" tüftelt 2020 weiter am Titelplan

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Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg bastelt schon jetzt am Plan für die EM 2021 mit dem Finale in London.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg zieht nach ihrem ersten Jahr Bilanz. Dabei offenbart sie ihre Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft und spricht sich für Unterstützung aus dem Männerfußball aus. Der Kampf für "Equal Pay" wie in den USA steht für sie noch nicht im Vordergrund.

Das erste Jahr als Bundestrainerin hat Spuren hinterlassen. Also nimmt sich Martina Voss-Tecklenburg über den Jahreswechsel eine Auszeit mit ihrem Mann Hermann in Thailand. "Es war ein herausforderndes Jahr", fasst die Fußballlehrerin im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) zusammen, "sehr spannend, sehr facettenreich, bereichernd." Aber eben auch schmerzhaft.

Denn bei der WM im Sommer in Frankreich schied der zweimalige Weltmeister bekanntlich im Viertelfinale gegen Schweden (1:2) aus. Die Folge: Bei den Sommerspielen 2020 in Tokio muss der Olympiasieger von 2016 am TV zuschauen. Voss-Tecklenburg hat keine Wahl, sie muss das Schattenjahr abseits des Rampenlichtes dennoch als Chance sehen.

"Equal Play" statt "Equal Pay"

"Das kann auch positiv sein, weil es Ruhe gibt für das, was man auf der geschaffenen Basis optimieren und aufbauen will", so die 52-Jährige. Jetzt hat sie Zeit zum Tüfteln. Das Alternativprogramm für die verjüngte DFB-Auswahl: Algarve Cup, EM-Qualifikation, "vier qualitativ sehr starke Gegner" in der zweiten Jahreshälfte, dazu können Senkrechtstarterinnen wie Lena Oberdorf oder Klara Bühl bei der U20-WM als Leitfiguren vorangehen und wachsen. Der Prestigeerfolg zum Jahresabschluss in Wembley Anfang November gegen England (2:1) vor fast 78.000 Zuschauern soll nach zwei verpatzten großen Turnieren Rückenwind verleihen. Ein "Zukunftsspiel" sei das Länderspiel vor der Traumkulisse schließlich gewesen, die Rückkehr hierher am 1. August 2021 ist das nächste große Ziel. Dann nämlich findet im Londoner Fußball-Tempel das EM-Finale statt.

Doch nicht allein die sportliche Entwicklung ihres Teams treibt "MVT" um. Während die Weltmeisterinnen aus den USA bereits für "Equal Pay" kämpfen, steht für die gebürtige Duisburgerin in Deutschland noch immer "Equal Play" im Vordergrund. "Es gibt noch immer Vereine, Trainer, Funktionäre, die Mädchenfußball nicht so gleichberechtigt und selbstverständlich sehen, wie wir das brauchen", so die viermalige Europameisterin: "Wir müssen noch viel kämpfen und Überzeugungsarbeit leisten."

Über allem stehe eine zentrale Frage: "Welche Haltung haben wir als Gesellschaft gegenüber dem Frauenfußball?" Hier müsse im Kampf um mehr Wertschätzung und Aufmerksamkeit viel mehr mit den eigenen Vorzügen geworben werden: "Viele negative Begleiterscheinungen des Fußballs gibt es bei uns nicht. Wir spielen einfach ehrlichen, leidenschaftlichen Fußball."

Unterstützung aus dem Männerfußball?

Amerikanische Verhältnisse in Deutschland sind selbst für eine Optimistin wie Voss-Tecklenburg derzeit undenkbar. Sie könne sich "aktuell noch nicht vorstellen, dass wir bald den Status wie dort erreichen, dass unsere Nationalspielerinnen drei bis fünf Millionen Euro verdienen, weil sie tolle Sponsoren haben, in jede zweite Talkshow eingeladen werden, Heldinnen sind und derart Einfluss auf gesellschaftliche Themen nehmen können."
Im Land des Weltmeisters sind Weltfußballerin Megan Rapinoe oder Alex Morgan absolute Superstars, mit Werbekampagnen wie politischen Statements omnipräsent.

Klare Bekenntnisse und mehr Unterstützung wünscht sich die Bundestrainerin, die im Aufsichtsrat des Bundesligisten Fortuna Düsseldorf sitzt, in Deutschland aber zunächst einmal aus dem Männerfußball. "Die Bundesliga ist toll, die Vermarktung ist toll. Wenn wir es schaffen würden, das eins zu eins in den Frauenfußball mitzunehmen, dann wäre das klasse."

Quelle: ntv.de, Jana Lange, sid