Fußball

Kuriose Verletzungen Mein Name ist Finken, du wirst gleich hinken

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Pechvogel der Saison: Holger Badstuber.

(Foto: imago/Ulmer)

Das unglaubliche Pech des Holger Badstuber scheint beispiellos. Doch in 50 Jahren Fußball-Bundesliga trifft es schon so manchen Kicker gleich mehrmals. Und nicht immer hilft Zahnpasta wie damals bei einem Bänderriss bei Charly Körbel.

Diese Spielzeit in der Fußball-Bundesliga ist irgendwie die Saison der Verletzungen. Gefühlt haben bisher bei jeder Partie stets elf Stammspieler auf beiden Seiten gefehlt. Natürlich waren es weniger, die sind dafür aber entweder gleich mehrmals oder sehr, sehr lange ausgefallen. Unfassbarer Höhepunkt und Pechvogel ohne Beispiel ist dabei der Münchner Holger Badstuber. Sein Schicksal erinnert an das von Reinhold Mathy.

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(Foto: Sascha Kreklau)

Der ehemalige Spieler des FC Bayern hat einmal über sich selbst gesagt: "Ich glaube, ich bin schon mit einer Zerrung auf die Welt gekommen". Und Uli Hoeneß hat Mathys leidvolle Karriere mit Mandel-, Blinddarm-, Bänderoperationen, Virusinfektionen, Migräneanfällen, Muskelzerrungen und Kreislaufzusammenbrüchen durchaus pointiert auf den Punkt gebracht: "Dem Reinhold Mathy sollten die Ärzte vielleicht besser einen Reißverschluss einnähen. Dann haben sie ihn beim nächsten Mal schneller auf."

"Fußball ist nicht das Wichtigste"

Ben Redelings, Jahrgang 1975, sagt: "Ich lese eigentlich alles, was es zur Bundesliga gibt." Seine kulturellen Fußball-Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er alle zwei Wochen mittwochs die spannendsten und lustigsten Geschichten auf, frei nach dem Motto: "Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben - es ist das Einzige." Seine Fußball-Alben gibt es für:

FC Bayern, Borussia Dortmund, FC Schalke, 1. FC Köln, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt, Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen, 1. FC Kaiserslautern, VfL Bochum

Es bleibt zu hoffen und Holger Badstuber nur zu wünschen, dass er Mathys einsamen Negativ-Rekord - nur knapp unter 200 Partien in zwölf Bundesliga-Jahren - so schnell wie möglich hinter sich lässt. Gute Besserung auf diesem Wege. Dein großer Kampf beeindruckt jeden Sportler immer wieder aufs Neue! Wenn man auf über 50 Jahre Bundesliga zurückschaut, dann blickt man auch auf andere Pechvögel zurück. Der Lauterer Josef Pirrung brach sich in seiner Karriere unglaubliche viermal das Bein. Er arbeitete sich dennoch immer wieder auf den grünen Rasen zurück. Das geht nur mit einem eisernen Willen und wahrscheinlich auch mit einer gehörigen Portion (Galgen-)Humor. Der Nagel, den man dem Bochumer Jupp Kaczor damals in seinen gebrochenen Unterschenkel gepflanzt hatte, war 34,5 Zentimeter lang und 14 Millimeter dick. Als er entfernt wird, meint der stets prächtig aufgelegte Stürmer: "Wenn ich mal Schluss mache, dann haue ich den Nagel in die Wand des Wohnzimmers und hänge meine Schuhe dran!"

"Charly soll Zahnpasta auf Fuß schmieren"

Ein anderer Bochumer, der Stürmer Jürgen Köper, schilderte seine schwere Verletzung in der Partie des VfL beim MSV im Jahre 1977 ebenfalls sehr humorvoll: "Es war im Duisburger Stadion, als Pirsig und ich in einen Zweikampf gingen. Es kam zu einem Pressschlag, bei dem ich ein Knacken hörte. Mir war sofort klar, dass einem von uns beiden etwas passiert sein musste. Als Pirsig aufstand, konnte es folglich nur mich getroffen haben!"

Gut, dass Köpers Trainer damals nicht der berüchtigte Gyula Lorant war. Nach der beliebten Philosophie der 1970er und 1980er Jahre galt nur der glatte Bruch – am besten für alle gut sichtbar - als ernstzunehmende Verletzung. Lorant war es auch, der die Karriere des heute berühmtesten Vereinsarztes der Welt, Dr. Müller-Wohlfahrt, um ein Haar schon früh beendet hätte, wie dieser einmal selbst erzählte: "Wegen Gyula Lorant hätte ich beinahe aufgehört. Er hat mir mal erklärt, dass man einen herausgesprungenen Meniskus am besten mit der Eckfahne wieder reinhaut."

Dass das keine losen Worte waren, kann der ewige Charly Körbel am besten erzählen. Als er einmal über acht Wochen mit einem Bänderriss spielte, ging es irgendwann einfach nicht mehr weiter. Doch Lorant wollte davon nichts hören. Körbel erinnert sich: "Charly, kannst du essen mit Zahnschmerzen? Als ich nickte, stand für ihn fest: Also kannst du auch spielen mit Schmerzen im Knöchel. Ich habe tatsächlich gespielt." Dem besorgten Mannschaftsarzt gab Gyula Lorant übrigens noch einen ganz speziellen Tipp für Körbels Genesung mit auf den Weg: "Boxer kämpfen auch mit Platzwunde, soll Charly Zahnpasta auf Fuß schmieren."

"Nicht so schlimm - nur ein Schienbeinbruch."

Vermutlich hat Charly Körbel diesen und andere Ratschläge seines Trainers tatsächlich beherzigt. In jedem Fall ist der Bundesliga-Rekordspieler (602 Partien) sehr, sehr hart im Nehmen gewesen. Als er am 31. Spieltag bei der Partie seiner Eintracht gegen 1. FC Nürnberg in der Saison 1983/1984 auf einer Trage über die Laufbahn hinaus transportiert wird, eilt seine fürchterlich weinende Frau herbei. Im ruhigen Ton spricht Körbel auf der Trage liegend zu seiner Gattin: "Mach dir keine Gedanken, es ist nicht so schlimm - nur ein Schienbeinbruch." Unglaublich tapfer! Aber warum wusste Körbel eigentlich so genau, welche Verletzung er da hatte? Ganz einfach: Als kleinem Jungen war ihm beim Spielen einmal ein Zementsack aufs Bein gefallen. Die Folge war - na, klar - ein Schienbeinbruch.

Und wo wir schon in den wilden 1980er Jahren sind, zum Schluss noch eine humorvolle wie schmerzhafte Anekdote. Bei einem Spiel der Bayern in Bochum zieht sich Torhüter Manfred Müller im Frühjahr 1981 eine kuriose Verletzung zu. Der Bayern-Keeper wehrt eine scharfe Rechtflanke des Bochumers Hermann Gerland ab. Eigentlich alles wie immer. Doch nicht ganz. Müller: "Ich habe wohl in dem Moment zu viel gedacht, war mir nicht schlüssig, ob ich den Flatterball fangen oder fausten sollte und bin dann irgendwie unter den Ball geraten." Die Folge: Das Gelenk des Zeigefingers ist ausgerenkt und mit einer tiefen Fleischwunde versehen. Der Liverpooler Trainer Bob Paisley auf der Tribüne wird anschließend gefragt, ob er beim kommenden Gegner Bayern denn Schwächen habe entdecken können: "Schwächen? Na ja, der Finger des ersten Torwarts war schon recht schwach ..."

Wollen wir hoffen, dass unsere Bundesliga-Kicker in der nächsten Saison wieder stärkere Abwehrkräfte haben. Denn an Fouls haben die vielen Ausfälle in der Regel nicht gelegen. Wahrscheinlich auch, weil es immer weniger Spieler wie Heribert Finken gibt. Der Berliner Tasmane empfing früher seinen Gegenspieler Reinhard Libuda nämlich schon vor der Partie mit den Worten: "Mein Name ist Finken und du wirst gleich hinken!"

Quelle: n-tv.de

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