Fußball

"X ist ein netter Kerl, aber X ist Geld" Neue Details belasten die Fifa

Kaum hat der Fußball-Weltverband sechs Funktionäre wegen Korruptionsverdachtes suspendiert, kommen neue Vorwürfe ans Licht. Ex-Generalsekretär Zen-Ruffinen soll einer Zeitung Namen genannt haben, wer womit bestechlich sei, bestreitet das aber.

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Michel Zen-Ruffinen kennt sich mit Korruption in der Fifa aus.

In der Bestechungsaffäre um die WM-Vergabe für 2018 und 2022 kommt der Fußball-Weltverband Fifa nicht zur Ruhe. Der ehemalige Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen hat bei einer Undercover-Recherche der englischen Zeitung "Sunday Times" Namen von Fifa-Mitgliedern genannt, die möglicherweise bestechlich seien. Zen-Ruffinen erklärte gegenüber Undercover-Reportern, welche Mitglieder mit Geld zu ködern seien und welche man eher mit Frauen bestechen könne. Die Zeitung hatte seine Aussagen während eines Essens in Genf mitgeschnitten.

"X ist ein netter Kerl, aber X ist Geld", sagte Zen-Ruffinen und fügte über ein weiteres Mitglied an: "X, es ist Geld, wir können in eine Stadt fahren und auf einer Terrasse mit ihm sprechen. Kein Problem." Über eine dritte Person sagte Zen-Ruffinen: "Er ist der Kerl, den sie mit Frauen locken können, nicht mit Geld."

Der französischen Nachrichtenagentur AFP erklärte Zen-Ruffinen, er prüfe, ob er gegen die Journalisten juristisch vorgehen werde. Sie hatten sich als Vertreter der US-Bewerber ausgegeben. "Ich denke, ihr Verhalten war genauso schlecht wie das von den Leuten, die ihre Stimme für Geld verkaufen", sagte der inzwischen als Anwalt und Spielervermittler tätige Schweizer. Seine Aussagen seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen, sondern vor einem rein geschäftlichen Hintergrund. Die Fifa hatte sich 2002 nach einem Zerwürfnis mit Präsident Joseph S. Blatter von Michel Zen-Ruffinen getrennt. Zuvor hatte Ruffinen dem Fifa-Chef in einem detaillierten Dossier Amtsmissbrauch, Korruption und Vetternwirtschaft vorgeworfen.

Sechs Suspendierungen

Als Reaktion auf den pikanten Zeitungsbericht hat die Fifa die "Sundy Times" um den "unverzüglichen Erhalt aller potenziellen Beweise" ersucht. Erst in der vergangenen Woche hatte die Fifa in der Bestechungsaffäre um die WM-Vergabe 2018 und 2022 die Exekutivmitglieder Amos Adamu aus Nigeria und Reynald Temarii aus Tahiti suspendiert. Den beiden Funktionären wird vorgeworfen, dass sie ihre Stimmen für die Vergabe feilgeboten haben. Auch da hatte die "Sunday Times" ein Video mit belastendem Material veröffentlicht. Auch die ehemaligen Exekutivmitglieder Slim Aloulou (Tunesien), Amadou Diakite (Mali), Ahongalu Fusimalohi (Tonga) und Ismael Bhamjee (Botswana) wurden aufgrund ihrer mutmaßlichen Verstrickung in die Affäre vorläufig beurlaubt.

Bis Mitte November, und damit noch vor dem WM-Vergabeverfahren am 2. Dezember, will die Kommission die Untersuchung abgeschlossen und endgültige Entscheidungen getroffen haben. Die Suspendierung gilt bis zu 30 Tage lang und kann unter Umständen um weitere 20 Tage verlängert werden.

Prüfungsfragen gegen Geld

Der "Kicker" berichtet heute zudem, dass die Spielervermittler-Prüfung der Fifa anscheinend manipulierbar ist. Ein Redakteur habe gegen Zahlung von 2000 Euro an einen Mittelsmann aus der Spielerberaterszene die Lösung auf einen Großteil der Testfragen der Ende September durchgeführten Prüfung vorab erhalten. Dabei handelt es sich um die Antworten auf jene 15 Fragen, die die Fifa zu dem Test beisteuert. Fünf weitere Fragen stammen vom Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Der Kreis möglicher undichter Stellen ist groß, weil die Fifa die Lösung auf ihre Fragen bereits vor der Prüfung an die Nationalverbände übermittelt. Die Prüfung wird weltweit in 70 Ländern zeitgleich abgehalten.

EM 2012 verkauft?

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Uefa-Präsident Michel Platini hat sich zu den Vorwürfen noch nicht geäußert.

(Foto: picture-alliance/ EPA)

Neben den neuerlichen Vorwürfen gegen die Fifa waren am Wochenende schwere Anschuldigungen gegen den Europäischen Fußball-Verband Uefa laut geworden. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge liegen einem Vorstandsmitglied des Fußballverbandes von Zypern Beweise vor, die angeblich einen Verkauf des EM-Turniers 2012 an die Ukraine und Polen durch Vorstandsmitglieder der Uefa belegen. Der Funktionär, Spyros Marangos, versuche laut SZ "seit zwei Jahren erfolglos, Uefa-Präsident Michel Platini diese Informationen zu übergeben". Ein für den 24. August angesetztes Treffen mit dem damaligen Chefermittler Peter Limacher habe dieser kurzfristig abgesagt.

Marangos behauptet, er habe mehrere Zeugen dafür, wie in einer zyprischen Anwaltskanzlei Korruptionsgeschäfte abgewickelt worden seien, die fünf hohe Uefa-Funktionäre betroffen und eine Gesamtsumme von elf Millionen Euro umfasst hätten. Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino bestritt am Freitag am Rande des DFB-Bundestages in Essen jede konkrete Kenntnis dieser Vorwürfe.

Quelle: n-tv.de, cwo/sid

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