Fußball

"Es gibt da viel Emotionalität, viel Unverständnis" Piraten machen mit Fußball Wahlkampf

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Im Fußballstadion gilt: Die Polizei, dein Freund und Feindbild.

(Foto: imago sportfotodienst)

Die Fußball-Bundesliga boomt. Doch so sehr die Fans den Sport lieben, so groß ist die Abneigung gegen die Sicherheitsbehörden. Einlasskontrollen, Stadionverbote, Kennzeichnungspflicht für Polizisten – die Piraten machen sich das Thema Fanrechte zu eigen und damit Wahlkampf. Die Polizei fühlt sich falsch behandelt.

Wem die Aggressivität zwischen den Fanlagern in einem Bundesliga-Stadion zu viel wird, der muss nur einen Gesang anstimmen: "All Cops are Bastards, ACAB!" Die Polizei als gemeinsames Feindbild, das stiftet Frieden, das eint. Der Grund für den Hass ist vielfältiger: Die Fans fühlen sich nicht nur von den Sicherheitsbehörden bevormundet und gegängelt, sondern auch von den Vereinen und Verbänden. Deshalb wird nicht mehr nur gesungen und gepfiffen. Es wird gezielt protestiert.

In der vergangenen Saison schwiegen organisierte Fans an drei Spieltagen der Hinrunde in den ersten Spielminuten, sie protestierten damit unter dem Motto "Ohne Stimme keine Stimmung" für mehr Mitspracherechte. Damals wurde das Thema innerhalb der Ligen und Verbände diskutiert – jetzt werden die Fanrechte zum Wahlkampfthema. Die Piraten stellten zum Saisonbeginn ihre Aktion "Menschenrechte enden nicht am Stadiontor" vor.

"Ich fühle mich oft unwohl"

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Die Projektgruppe Fanrechte der Piraten besteht zu 90 Prozent selbst aus Fans.

(Foto: dpa)

Vor den Stadien der Ersten und Zweiten Bundesliga verteilten die Piraten Flyer mit ihren Forderungen: Kennzeichnungspflicht für Polizisten, Legalisierung von Pyrotechnik, Abschaffung der Datei Gewalttäter Sport, um nur einige zu nennen. "Es wäre schön, wenn uns Leute deswegen wählen. Dann könnten wir im Bundestag einiges anstoßen. Aber das ist nicht das einzige Ziel, sondern wir wollen das Thema Fanrechte endlich auf die politische Agenda setzen", sagt Konstanze Dobberke. Sie ist die Sprecherin der Projektgruppe Fanrechte bei den Piraten. "Wir sind zu 90 Prozent selber Fans", sagt sie. Dobberke besitzt seit 13 Jahren eine Dauerkarte bei Hertha BSC, sie fährt oft zu Auswärtsspielen. Nicht immer ein schönes Erlebnis, sagt Dobberke: "Ich fühle mich oft unwohl nach dem Spiel, weil ich weiß: Ab jetzt darf ich mich nur noch im Polizeikessel bewegen."

Es sind diese Erfahrungen, die die Polizei zum Feindbild der Fans machen – zu Unrecht, sagt Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP).  "Polizisten werden von ogenannten Fans beleidigt beleidigt , wenn sie im Rahmen ihres Einsatzauftrages gewährleisten, dass tausende friedliche Fans, angstfrei und sicher zu Fußballspielen reisen können", sagt Malchow: "Für die einzelnen Kolleginnen und Kollegen ist das eine bittere Erfahrung , die auch weh tut. Die GdP kann das nicht akzeptieren."

Sie hält den Piraten vor, mit ihrer Aktion die falsche Gruppe in den Fokus zu nehmen: "Aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei schützen die Piraten mit ihrer Aktion die Falschen. Wir sollten nie vergessen, wer ursächlich ist für polizeiliche Maßnahmen: die Gewalttäter."

"Das sind alles Geschichten"

Fans, die als potenziell gefährlich betrachtet werden, sind in der Datei "Gewalttäter Sport" erfasst. Die wollen die Piraten am liebsten abschaffen. "Da stehen 18000 potenzielle Gewalttäter drin – wenn es wirklich so viele wären, hätten wir andere Verhältnisse in den Stadien", sagt Konstanze Dobberke von der Projektgruppe Fanrechte. Sie kritisiert, dass viele Anhänger zu Unrecht in dieser Datei stehen, die nur zufällig in Kontrollen oder Auseinandersetzungen geraten sind. Außerdem würden die Personen in den meisten Fällen nicht einmal darüber informiert, dass sie in die Datei aufgenommen wurden. Dobberke meint, die Polizei würde so die Gefahr erst erschaffen, die sie bekämpfen soll: "Für mich fühlt es sich an, als mache die Polizei keinen Unterschied zwischen Fan und Gewalttäter."

Oliver Malchow von der GdP widerspricht: "Die Polizei hat genug mit den Leuten zu tun, die wirklich gewalttätig sind. Wir machen nicht noch Menschen künstlich zu Gewalttätern, das sind alles Geschichten." Geschichten, von denen Dobberke eine Menge erzählen kann. In Nordrhein-Westfalen veranstalten die Piraten "Fan Hearings", bei denen die Anhänger von ihren Problemen berichten können. Dobberke würde daraus gerne einen großen Dialog machen, zwischen Fans, Vereinen, Verbänden, den Innenministerien und der Polizei: "Es gibt auf allen Seiten viel Emotionalität, viel Unverständnis, viel Intransparenz. Wir müssen uns alle mal an einen Tisch setzen, ohne Vorwürfe."

Quelle: ntv.de

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