Sport
Dienstag, 12. April 2011

Die Liga warnt vor Panikmache : Randale im Fußball nimmt zu

Die Hoffnungen auf einen Rückgang der Randale bei Fußballspielen erfüllen sich nicht. Gewalttätige Fans und Ausschreitungen nehmen vielmehr zu. Die Zahlen für die Saison 2009/2010 vermitteln ein eher düsteres Bild. Die Liga warnt vor Panik und setzt auf Prävention.

Damals in Berlin: Im März 2010 stürmten erboste Hertha-Fans auf den Platz und zerstörten unter anderem die Trainerbank.
Damals in Berlin: Im März 2010 stürmten erboste Hertha-Fans auf den Platz und zerstörten unter anderem die Trainerbank.(Foto: dpa)

Gewalt, Randale und Verletzungen im Umfeld von Fußballspielen nehmen zu. Die Polizei hat nach Angaben der "Neuen Osnabrücker Zeitung" in der vorigen Saison 6043 Strafverfahren gegen Fans der 36 Vereine der Bundesliga und 2. Liga eingeleitet. Zudem registrierte der Jahresbericht 2009/2010 der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) 784 Verletzungen im Zusammenhang mit Spielen der beiden Bundesligen. Die Beamten des Bundes und der Länder leisteten 1,76 Millionen Arbeitsstunden zur unmittelbaren Einsatzbewältigung.

"Bei den drei genannten Werten handelt es sich um Höchstzahlen der letzten zwölf Jahr", heißt es in dem Bericht. Die Organisation mit Sitz in Duisburg registriert und beobachtet seit 1992 bundesweit Fußball-Gewalttäter. Dafür werden die Zuschauer in drei Kategorien A (der friedliche Fan), B (der gewaltbereite/-geneigte Fan) und C (der gewaltsuchende Fan) eingeteilt. Die Summe der "Gewalttäter" (B und C) erhöhte sich um 855 auf 8765 Personen. Das ist ein Anstieg um zehn Prozent, den die ZIS auch auf den wachsenden Einfluss der Ultra-Gruppierungen zurückführt.

Pessimistisches Fazit

"Eine Trendwende, die einen Rückgang des gewaltbereiten Potenzials in den Anhängerschaften der Vereine der Bundes- bis Regionalligen indizieren würde, ist weiterhin nicht erkennbar", lautet das eher pessimistische Fazit nach der Auswertung von 764 Spielen in der Bundesliga, der 2. Liga, dem DFB-Pokal, der Nationalmannschaft und im Europapokal. Fast die Hälfte aller Verfahren, die eingeleitet wurden, entfielen auf Gewaltdelikte wie Körperverletzungen, Widerstand, Landfriedensbruch und Sachbeschädigung.

Die Deutsche Fußball Liga warnte vor Panikmache und bemühte sich, die Zahlen zu relativieren. "Natürlich ist jeder Verletzter einer zuviel. Allerdings müssen wir die Fakten in aller Sachlichkeit betrachten. 784 verletzte Personen relativieren sich bei jährlich 612 Spielen und knapp 18 Millionen Zuschauern im deutschen Profi-Fußball - auch im Vergleich zu anderen Großveranstaltungen wie beispielsweise dem Oktoberfest", erklärte DFL-Kommunikationschef Christian Pfennig.

Der Anstieg der Einsatzzeiten der Polizei löste unterschiedliche Reaktionen bei den organisierten Beamten aus. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPoIG) forderte die DFL erneut auf, sich an den Einsatzkosten zu beteiligen. "Es wäre angemessen, wenn die DFL eine Sicherheitsgebühr von 50 Millionen Euro bezahlt und den Steuerzahler damit entlastet", sagte DPoIG-Chef Rainer Wendt der "NOZ".

Profiklubs lehnen Kostenbeteiligung strikt ab

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) lehnt dieses Ansinnen ab. "Die Forderung nach einer vom Fußball zu zahlenden Sicherheitsgebühr ist die falsche Antwort auf die zunehmende Gewalt rund um den Fußball", sagte der Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut. Die GdP setze vielmehr auf Dialogbereitschaft und die Zusammenarbeit von Polizei, Fußball und Fans. Positive Reaktionen auf gemeinsame Veranstaltungen von GdP, DFB und DFL würden die Hoffnungen nähren, sowohl die Gewalt aus und um die Stadien zu verbannen als auch die Polizei wirksam zu entlasten.

Ähnlich sieht es auch die DFL, die eine Kostenbeteiligung der Profiklubs strikt ablehnt. "Der Ligaverband und die DFL treten ebenso wie der DFB konsequent für Präventionsarbeit ein und fördern diese auf vielfältigste Weise. So hat der Fußball vor einem Jahr im Beisein des Bundesinnenministers und zahlreicher Entscheidungsträger von Ländern und Polizei einen Zehn-Punkte-Plan für mehr Sicherheit im Fußball verabschiedet und ist seither in diesem Bereich noch aktiver als zuvor", argumentierte Pfennig.

Quelle: n-tv.de