Fußball

WM-Countdown (67) Russlands Kicker als Anonyme Alkoholiker

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Ein Mann der interessanten Vergleiche: Leonid Sluzki.

(Foto: imago/Focus Images)

Wie die Eintrittskarten für die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft aussehen werden, ist seit dieser Woche klar. Weniger klar ist, was man der russischen Mannschaft zutrauen sollte: Fabio Capello sagt das eine, Leonid Sluzki das andere.

Sonntag. Zeit für zwei Themen, die diese Woche hier zu kurz gekommen sind. Zum einen wurde das offizielle Design der WM-Eintrittskarten vorgestellt. Ein Hintergrund, blau wie der Sommerhimmel über Moskau und wuselig wie der Gorkipark an einem Sonntag. Oben links der WM-Pokal, daneben die nötigen Infos, wann das Spiel beginnt und ab wann man ins Stadion darf. Oben rechts dann noch ein kleines nostalgisches Element: Vor dunklerem Blau zieht hier der Satellit Sputnik, bis heute Russlands ganzer Stolz, seine Bahn durchs All.

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Und hier das Bild zum Ticket.

Zum anderen hat sich diese Woche Fabio Capello dazu geäußert, wie sich die russische Nationalelf seiner Einschätzung nach bei der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land schlagen wird. Der Mann kann sich dazu durchaus fundiert äußern, schließlich liebt er nicht nur russische Kunst, sondern hat eben diese Nationalmannschaft selber schon trainiert. Seine Prognose: Russland wird es über die Gruppenphase hinaus schaffen, auch wenn Capello bei der Begründung vielleicht etwas taktvoller hätte sein können, indem er auf das sportliche Leistungsvermögen verweist. Stattdessen klingt sein Statement eher nach "Glück gehabt": "Ich habe die Auslosung gesehen, Russland wird es über die Vorrunde hinaus schaffen."

Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

Man könnte jetzt darauf hinweisen, dass derselbe Mann, der glaubt, Russland werde es ins Achtelfinale schaffen, damals auch geglaubt hat, die Russen würden ihm sein Gehalt halbwegs pünktlich zahlen. Stattdessen soll hier noch jemand zu Wort kommen, ein Mensch mit einer ganz ähnlichen Qualifikation wie Fabio Capello: Leonid Sluzki war ebenfalls mal Russlands Nationaltrainer, aktuell versucht er, sich im internationalen Vereinsfußball zu etablieren, hat zwischendurch aber noch Zeit, sich in Fernsehsendungen zum Stand des russischen Fußballs zu äußern. Was dann doch etwas weniger optimistisch klingt als bei seinem Amtsvorgänger Capello: Russland müsse sich einfach mal eingestehen, keine Fußballnation zu sein - wie bei den Anonymen Alkoholikern, wo man auch erst sein Problem benennen müsse, ehe es eine Chance auf Verbesserung gibt.

Capello oder Sluzki? Achtelfinale oder "keine Fußballnation"? Eines kann man jedenfalls mit ziemlicher Sicherheit vorhersagen: Wenn am Sonntag, dem 15. Juli, der Himmel über dem Luschniki-Stadion blau ist und der Gorkipark deutlich leerer als sonst, weil alle vor dem Fernseher sitzen - dann wird, wer ein Ticket fürs Finale hat, dort wohl eher nicht Russland spielen sehen. Sputnik hin oder her.

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de

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