Fußball

"Es geht für uns um Platz vier" Schalke gibt sich nach Derby-Pleite auf

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Schalke am Boden - Niederlagen im Derby schmerzen ganz besonders.

(Foto: imago sportfotodienst)

Dortmund entführt drei Punkte aus der Schalker Arena - entsprechend ernüchtert ist die Stimmung der Blau-Weißen. Sie reden ihre Leistung klein, schrauben Erwartungen zurück. Aber vor dem BVB verneigen? Kommt natürlich nicht in Frage.

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Einige Dortmunder Chaoten verzögerten den Anpfiff: Leuchtraketen und Rauchbomben flogen.

(Foto: imago sportfotodienst)

Nach der Pleite im Derby bleibt beim FC Schalke 04 eine traurige Erkenntnis: "Vielleicht müssen wir einsehen, dass uns noch ein Stück fehlt zu den oberen Mannschaften. Das ärgert uns, aber wir müssen es als Momentaufnahme akzeptieren." Dies sind die Worte von Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes nach dem bitteren 1:3 (0:1) gegen den Erzrivalen. Niederlagen im Revierderby schmerzen immer doppelt und dreifach. In beiden Bundesliga-Duellen der Vorsaison hatten die Schalker noch triumphiert.

Das Spiel am Samstag war zwar keine Demontage, aber verdient war die Niederlage allemal. Weil der BVB reifer ist in seiner Spielanlage, mehr läuft und schneller kombiniert. "Es war brutal harte Arbeit für alle. Die Spieler mussten mit sich selber und dem Gegner kämpfen", gestand Jürgen Klopp dennoch. Da auch der BVB-Coach sichtlich geschafft war nach dem "superintensiven Spiel", fiel dessen Analyse eher nüchtern als überschwänglich aus. "3:1 hier zu gewinnen ist außergewöhnlich. Aber Schalke hat uns Probleme bereitet. Es war eng, so wie ein Derby sein muss. Dementsprechend zufrieden sind wir."

BVB-Chef geißelt "asoziale" Randalierer

Ungeachtet der beschämenden Begleitumstände mit verspätetem Spielbeginn sowie Randale, Vandalismus und Zündeleien von Dortmunder Chaoten, sendete der BVB noch aus der Kabine Jubelbilder der feiernden Profis. "Ein Derbysieg ist immer etwas ganz Besonderes, auch noch nach so vielen Jahren", schwärmte Torhüter Roman Weidenfeller. Kurz vor Anpfiff musste er dem Beschuss aus dem Block der Dortmunder standhalten. "Fans" feuerten Leuchtraketen in die Zuschauerränge und Rauchbomben auf das Spielfeld ab. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach von "asozialem Verhalten".

Der Borussen-Torwart hatte mit dem gegen Ex-Mitspieler Kevin-Prince Boateng gehaltenen Elfmeter (30.) großen Anteil am ersehnten Erfolg. Schließlich hätte die Partie nach Pierre-Emerick Aubameyangs früher Führung (14.) womöglich mit dem 1:1-Ausgleich einen anderen Verlauf genommen.

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Kevin-Prince Boateng kann es nicht fassen. Er hatte den Ausgleich auf dem Fuß.

(Foto: AP)

Doch Schalkes Mittelfeldstar scheiterte am gut reagierenden Weidenfeller, der seine gelungene Parade auch auf gemeinsame Trainingseinheiten zurückführte. "Es ist immer schwer, gegen einen Schützen anzutreten, mit dem man mal zusammen gespielt hat. Man kennt sich aus dem Training, wir haben auch oft Elfmeter geübt. Davon habe ich profitiert", sagte Weidenfeller, der vier seiner letzten acht Strafstöße entschärfte.

Es war eine Schlüsselszene, und mit dem herrlichen 2:0 von Nuri Sahin (51.) kurz nach der Pause schien alles gelaufen. Doch Schalke bäumte sich auf und kam durch seinen derzeit Besten zurück, der zuvor eine Stunde auf der Bank schmorte. Der Kurzauftritt des 18 Jahre alten Max Meyer, der mit dem Anschlusstor (63.) nochmal für Spannung sorgte, nötigte selbst Klopp Respekt ab. "Die Einwechslung von Meyer hat sehr gut gezogen, er hat richtig Betrieb gemacht und sich intelligent zwischen den Ketten bewegt", lobte Klopp.

Klare Verhältnisse an der Tabellenspitze

Erlöst wurde er erst durch den klug ausgespielten Konter über den überragenden Henrich Mchitarjan, den der eingewechselte Jakub Blaszczykowski (74.) eiskalt abschloss. "Das war eine harte Woche mit drei wichtigen Spielen. Der Derbysieg ist toll, so müssen wir weitermachen", sagte Mchitarjan. Mit dem prestigeträchtigen dritten Erfolg binnen sieben Tagen zementierte der Ex-Meister seine Rolle als Hauptverfolger des FC Bayern und vergrößerte den Vorsprung auf den Gelsenkirchener Möchtegern-Rivalen auf elf Punkte.

Die verletzungsgebeutelten Knappen müssen einsehen, dass die ersten drei Plätze in dieser Spielzeit für sie wohl unerreichbar bleiben. Hinter den Bayern (26 Punkte), BVB und Bayer Leverkusen (je 25) klafft bereits eine erhebliche Lücke, die kaum mehr zu schließen ist.

"Es geht für uns um Platz vier. Die anderen sind enteilt", sagte Horst Heldt realistisch. Allerdings sträubte sich Schalkes Manager, auch den BVB zu den Teams zu zählen, die qualitätsmäßig "meilenweit entfernt" sind. Da nannte Heldt nur die Bayern und Chelsea, gegen die man am Dienstag mit 0:3 unterlegen war. "Die haben ganz andere Voraussetzungen. Selbstverständlich ist da ein Qualitätsunterschied", sagte Heldt, der sich dann immerhin zu einer aus Schalker Sicht schmerzlichen Tatsachenfeststellung durchrang: "Dortmund war in den vergangenen Jahren erfolgreicher als wir." Und es scheint, als solle sich daran so schnell nichts ändern.

Quelle: n-tv.de, jtw/ Ulli Brünger, dpa