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Strafverfahren eingeleitet Schweiz ermittelt gegen Fifa-Boss Blatter

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Joseph Blatter ist seit 1998 Präsident der Fifa. Nach Einleitung des Strafverfahrens stellt sich die Frage: Wie lang noch?

dpa

Über Jahre bleibt Fifa-Präsident Joseph Blatter trotz zahlloser Korruptionsskandale in seinem Fußball-Weltverband im Amt. Nun eröffnet die Schweizer Bundesanwaltschaft ein Strafverfahren gegen ihn. Dabei geht es um Deals mit Jack Warner - und Uefa-Boss Platini.

Für Joseph Blatter wird es immer enger: In der Korruptionsaffäre des Fußball-Weltverbandes ermittelt die Bundesanwaltschaft in der Schweiz jetzt auch gegen den Fifa-Präsidenten selbst. Das teilte die Behörde mit, nachdem die Fifa zuvor eine geplante Pressekonferenz mit dem 79 Jahre alten Schweizer ohne Angabe von Gründen abgesagt hatte. Blatter, der seinen freiwilligen Rücktritt für 2016 angekündigt hatte, steht damit vor dem vorzeitigen Aus.

"Weil ich die Fifa und den Fußball liebe" - mit diesen Worten hatte Blatter am 2. Juni nach massiven Korruptionsenthüllungen seinen Rücktritt angekündigt und sein Amt betont großmütig zur Verfügung gestellt. Ein Nachfolger sollte am 26. Februar 2016 gewählt werden. Blatter wollte am Ende als Retter abtreten, als der, der die Fifa doch noch reformieren kann. Die Pressemitteilung der Schweizer Bundesanwaltschaft mit der Überschrift "Strafverfahren gegen Fifa- Präsident eröffnet" konterkariert diesen Plan.

In der Mitteilung hieß es, man habe "ein Strafverfahren wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie - eventualiter - wegen Veruntreuung eröffnet". Dabei geht es auch um einen früheren Deal mit Uefa-Chef Michel Platini.

Deals mit Warner und Platini

Dem Fußball-Weltverband droht mit dem neuerlichen Tiefpunkt im Korruptionsskandal der vollkommene Sturz ins Chaos. Nach einer Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees wurde Blatter noch am Verbandssitz von Vertretern der Schweizer Bundesanwaltschaft "als Beschuldigter" vernommen. Mit Unterstützung der Bundeskriminalpolizei durchsuchten die Ermittler die Fifa-Zentrale und das Büro von Blatter, dabei wurden Daten sichergestellt.

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Im Februar 2011 soll Blatter eine "treuwidrige Zahlung" von zwei Millionen Schweizer Franken Platini geleistet haben.

(Foto: AP)

Platini, Präsident der Europäischen Fußball-Union, wurde zudem "als Auskunftsperson" befragt. Es bestehe der Verdacht, dass Blatter im September 2005 mit der Karibischen Fußball-Union und deren Präsident Jack Warner einen für die Fifa ungünstigen Vertrag abgeschlossen habe, teilte die Schweizer Bundesanwaltschaft mit. Zudem soll der 79 Jahre alte Schweizer im Februar 2011 eine "treuwidrige Zahlung" von zwei Millionen Schweizer Franken an seinen früheren Intimus Platini geleistet haben. Dabei sei es um geleistete Dienste zwischen Januar 1999 und Juni 2002 gegangen.

Bezüglich des Vertrags mit Warner wies ein Blatter-Anwalt inzwischen alle Vorwürfe zurück. "Wir sind zuversichtlich, dass die Schweizer Behörden zu dem Schluss kommen werden, dass dieser Vertrag ordnungsgemäß vorbereitet und verhandelt wurde", sagte Richard Cullen von der Kanzlei McGuireWoods, die Blatter vertritt, der "New York Times": "Es hat zweifellos kein Missmanagement gegeben."

Ermittler durchbrechen Fifa-Schweigemauer

Die Fifa hatte zuvor nur mitgeteilt: "Wir werden keine weiteren Kommentare abgeben, da es eine laufende Ermittlung ist." Sie sicherte aber ihre Unterstützung bei den Ermittlungen zu. "Die Fifa hat alle angeforderten Dokumente, Daten und Informationen zur Verfügung gestellt. Wir werden auch bei den weiteren Untersuchungen auf diesem Level kooperieren." Die Vernehmungen in der Fifa-Zentrale habe der Fußball-Weltverband "als Teil der bestehenden Kooperation" ermöglicht.

An einem denkwürdigen Tag auf dem Zürichberg hatte Blatter nach der Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees zunächst seinen mit Spannung erwarteten Auftritt vor der Weltpresse in letzter Sekunde platzen lassen. Die 15 Kamerateams und zahlreichen Journalisten mussten den Bereich vor der Eingangstür kurz vor 14 Uhr verlassen, nachdem der Termin auf 15 Uhr verschoben worden war. Um 14.50 Uhr wurde die PK dann ohne Erklärung abgesagt.

Die mysteriöse Situation klärte erst die Schweizer Bundesanwaltschaft auf. Sie betonte allerdings: "Für den Präsidenten der Fifa, Joseph Blatter, gilt wie für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung."

Erst vor einer Woche war der langjährige Blatter-Vertraute Jérôme Valcke als Fifa-Generalsekretär suspendiert worden. Der Franzose wurde nach "einer Reihe von Vorwürfen" von der Fifa vorläufig seines Amtes enthoben. Gegen den Franzosen sind Korruptionsanschuldigungen im Zusammenhang mit der Vergabe von Ticket-Kontingenten laut geworden, er wies diese zurück. Nach einer Hängepartie gewährte die Fifa am Donnerstag der Staatsanwaltschaft der Schweiz Einblick in den Mailverkehr von Valcke.

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Bei Blatters letztem öffentlichen Auftritt regnet es Ende Juli Geldscheine auf den umstrittenen Fifa-Boss.

(Foto: picture alliance / dpa)

Dieser sei beim Treffen der Fifa-Regierung aber "nur ganz kurz ein Thema" gewesen, berichtete der Chef des Deutschen Fußball-Bundes am Freitag nach der zweitägigen Sitzung am Fifa-Sitz in Zürich. Valcke hatte bereits neben Blatter gefehlt, als dieser sich zuletzt vor gut zwei Monaten den Medien gestellt hatte und von einem Komiker mit Dollarnoten beworfen worden war. Nun kam es erst gar nicht zu einem weiteren Blatter-Auftritt.

Mehr Blockade als Reformschritte

Stattdessen verschickte der angeschlagene Fußball-Weltverband zunächst lediglich eine Mitteilung mit Ergebnissen des zweitägigen Treffens der Fifa-Regierung. Die Resultate sind äußerst dünn: Der Beginn der umstrittenen WM in Katar wurde auf den 21. November 2022, einen Montag, terminiert. Damit dauert das Weltturnier wie erwartet nur 28 Tage.

Ansonsten blieb die Exekutive viele Antworten schuldig: Die geforderte Transparenz-Reform für die Arbeit der Fifa-Ethikhüter lässt weiter auf sich warten. Den Antrag der unabhängigen Ethikkommission, die Öffentlichkeit über laufende Verfahren informieren zu dürfen, begrüßte das Exko zwar "prinzipiell". Allerdings wurde die angestrebte Änderung der Verschwiegenheitsklausel an die Kommission für rechtliche Angelegenheiten zur "Beratung" weitergegeben. Das Exko hätte die Änderung auch selbst beschließen können. Würde der Paragraf 36 des Fifa-Ethikcodes aufgehoben, könnte die Untersuchungskammer der Ethikkommission beispielsweise erklären, ob gegen Uefa-Präsident Michel Platini Ermittlungen laufen.

Auch im Reformprozess gab es keine neuen Erkenntnisse. Ein konkretes Vorschlagspaket solle dem Exekutivkomitee des Weltverbands erst nach zwei weiteren Treffen des Reformgremiums vorgelegt werden, berichtete Niersbach. "Da erwartet man von außen jetzt sicherlich ein Stück mehr", sagte Niersbach. "Aber es gibt keine Alternative, als mit kühlem Kopf diesen Weg jetzt zu beschreiten."

Quelle: n-tv.de, cwo/dpa/sid

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