Fußball

Klopp ist heimlicher Derbysieger Solskjaers United überrennt Guardiolas City

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Der Sieg gegen den Stadtrivalen festigt Ole Gunnar Solskjaers Job.

(Foto: imago images/Sportimage)

Im Premier-League-Stadtduell gegen Manchester City siegt Manchester United. Es ist ein Prestigesieg für Trainer Ole Gunnar Solskjaer, der sein Profil aufbessert. Plötzlich sieht United wieder aus wie eine Spitzenmannschaft. Doch Zweifel bleiben.

Ole Gunnar Solskjaer wollte genau sein bei der Frage, wie lange er gebraucht hat, um seine Position erheblich zu stärken mit Erfolgen gegen zwei prominente Kollegen. Innerhalb von fünf Tagen sei es ihm gelungen, Mannschaften von José Mourinho und Pep Guardiola zu besiegen, setzte ein Reporter nach dem Triumph von Manchester United im Stadtduell bei Meister Manchester City an. "Es waren drei Tage", korrigierte United-Trainer Solskjaer und provozierte damit allgemeine Heiterkeit im Pressesaal des City-Stadions.

Innerhalb von drei Tagen also (wenn man ganz korrekt ist waren es vier) hatte er erst Mourinhos Tottenham Hotspur und dann Guardiolas Manchester City geschlagen, jeweils 2:1. Es sind Ergebnisse, die Solskjaer verwandelt haben, zumindest vorübergehend. Von einem überforderten Branchen-Neuling kurz vor dem Aus wurde er zu einem Trainer, dessen Methoden zur Erneuerung des strauchelnden Rekordmeisters möglicherweise doch funktionieren.

Der Ex-Stürmer war ja mit einem Rausch gestartet, als er vor knapp einem Jahr als Interimstrainer für den entlassenen Mourinho einsprang. Doch seit seiner Berufung zur Dauerlösung Ende März hat der Norweger wenig Beweise dafür geliefert, dass er tatsächlich der richtige Mann ist, um einen der größten Klubs der Welt wieder auf Kurs zu bringen. In der vergangenen Saison verpasste er den Champions-League-Einzug, in der laufenden Spielzeit umgibt Manchester United oft die triste Aura eines Mittelklasse-Teams.

Man United wirkt wieder wie eine Spitzenmannschaft

Noch zu Wochenbeginn musste sich Solskjaer gegen Berichte wehren, wonach sein Job in akuter Gefahr sei. Als "offensichtliche Lügen" qualifizierte er derlei Darstellungen ab. Mit den Siegen gegen Tottenham und Manchester City befreite er sich vom ärgsten Druck und gewann Zeit für seinen Reformprozess. Als neuer Tabellenfünfter hat United den Anschluss an die Champions-League-Ränge wieder hergestellt. Noch wichtiger allerdings: Solskjaers Team wirkte wieder wie eine Spitzenmannschaft, vor allem beim Erfolg gegen Guardiolas Meister der vergangenen beiden Saisons.

In der ersten halben Stunde überrannte United die Gastgeber mit unwiderstehlichen Kontern über die schnellen Marcus Rashford, Daniel James und Anthony Martial. Die 2:0-Führung zur Pause hätte laut Solskjaer noch höher ausfallen müssen: "Wir hätten mit drei, vier Toren vorne liegen müssen", sagte er und übertrieb damit nicht. In der zweiten Halbzeit verteidigte United diszipliniert und musste nur noch den Anschlusstreffer von Nicolás Otamendi hinnehmen, der keinen Schaden mehr anrichtete.

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Marcus Rashford ist nicht zu stoppen.

(Foto: imago images/Sportimage)

Der seit Jahren in einer Identitätskrise befindliche Rekordmeister zeigte beim Stadtrivalen alle Stärken, die den Klub im Idealfall auszeichnen: Schnelles Umschalten, zielstrebige Angriffe, Leidenschaft und Mannschaftsgeist, und das alles mit überwiegend jungen Spielern. "Wir sehen wie eine Manchester-United-Mannschaft aus. Das ist eine große Sache für mich. Wir bewegen uns in die richtige Richtung", sagte Solskjaer, während bei Manchester City das Gegenteil zu besichtigen war. Guardiolas Team offenbarte wieder einmal Schwächen in der Abwehr und hat mit 14 Punkten Rückstand auf Tabellenführer FC Liverpool nur noch in der Theorie Chancen auf den dritten Titel nacheinander. Der Gewinn der Champions League dürfte ab sofort das oberste Ziel sein.

Spiel gestalten fällt schwer

Am Aufschwung bei United bleiben allerdings Zweifel. Gegen Teams aus der oberen Tabellenregion tut sich der Klub mit seinem offensiven Überfall-Kommando grundsätzlich leichter. In dieser Saison gelangen schon Siege gegen Chelsea, den aktuellen Tabellenzweiten Leicester City, unter der Woche gegen Mourinhos Tottenham und jetzt gegen Guardiolas Manchester City. Außerdem erbeutete United als bisher einziger Premier-League-Teilnehmer einen Punkt gegen Liverpool. Probleme hat Solskjaers Mannschaft gegen Gegner aus dem mittleren und unteren Segment, wenn sie das Spiel machen und sich den Weg durch tief stehende Abwehrreihen bahnen muss. Niederlagen gegen Crystal Palace, West Ham, Newcastle oder Bournemouth und Unentschieden gegen die Aufsteiger Sheffield United und Aston Villa in den vergangenen Wochen belegen das.

Von daher werden die kommenden Spiele wahrscheinlich mehr Aufschluss darüber geben als der Derby-Sieg gegen City, ob Manchester United tatsächlich auf dem Weg zurück zu einer Spitzenmannschaft ist. Bis Ende des Jahres geht es ausschließlich gegen Mannschaften aus der zweiten Tabellenhälfte. Diese Termine werden zeigen, wie viel Wahrheit in der Prognose steckt, die der zuletzt überragende Rashford nach dem Erfolg gegen den amtierenden Meister abgab: "Wir müssen dem Trainer und dem Prozess vertrauen. Wenn wir das tun, können wir gespannt in die Zukunft schauen."

Quelle: ntv.de