Fußball

Regierung setzt sich durch Togo tritt doch nicht an

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Ein Soldat patroulliert in Cabinda.

REUTERS

Die Fußball-Nationalmannschaft Togos beugt sich nun doch dem Willen der Regierung ihres Landes. Nach dem Terroranschlag auf den Mannschaftsbus mit drei Toten und mehreren Verletzten, der Afrikas Fußball ins Mark getroffen hat, verzichtet die Mannschaft auf die Teilnahme am Afrika-Cup. Unterdessen ist die Debatte um die Sicherheit der WM in Südafrika neu entbrannt.

Die togolesische Fußball-Nationalmannschaft wird nicht beim Afrika-Cup in Angola spielen. Damit folgt sie der Aufforderung von Premierminister Gilbert Houngbo, der erklärt hatte: "Das Team muss abreisen und nach Togo zurückkehren.Wenn Spieler oder andere Personen bei der Eröffnungsfeier unter unserer Flagge stehen, dann repräsentieren sie nicht unser Land."

Damit war die Regierung  den Spielern, denen zunächst die Entscheidung über eine Teilnahme am Kontinentalturnier überlassen werden sollte, über den Mund gefahren, hatte sich doch das Team zuvor in einer nächtlichen Sitzung zu einer Teilnahme entschlossen. "Uns schmerzt allen das Herz, das ist keine Party mehr, aber wir wollen unsere Nationalfarben, unsere Werte zeigen und dass wir Männer sind", hatte Stürmer Thomas Dossevi den Entschluss begründet. Alaixys Romao sagte: "Wir können die Toten und Verletzten nicht zurücklassen und davonlaufen wie Feiglinge."

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Kapitän Emmanuel Adebayor erklärt, das Team werde "packen und nach Hause fahren".

(Foto: AP)

Doch nach der Anordnung des Premierministers lenkten die Spieler ein. "Wir werden definitiv nicht beim Afrika-Cup spielen, werden aus Angola ausgeflogen nach Togo. Die Maschine des Staatspräsidenten holt uns ab. In Togo werden wir alle bei der Beisetzung der Toten dabei sein", sagte Togos Nationalspieler Assimiou Toure vom Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen. Kapitän Emmanuel Adebayor vom englischen Premier-League-Klub Manchester City teilte mit: "Leider hat die Staatsführung eine andere Entscheidung getroffen. Deshalb werden wir packen und nach Hause fahren", sagte

Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen

Issa Hayatou, der Präsident des Afrikanischen Fußball-Verbandes (CAF), hatte der togoischen Mannschaft zuvor versichert, der angolanische Ministerpräsident Antonio Kassoma habe ihm eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen garantiert. Eine Absage des Afrika-Cups hatten der CAF und der Weltverband FIFA bereits kurz nach dem Anschlag ausgeschlossen. "Wir hoffen, dass Fußball stärker ist als jeder Anschlag. Deshalb wird der Afrika Cup stattfinden", sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter.

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Trauma-Spezialist Ken Boffard erläutert anhand von Illustrationen die Verletzungen des togoischen Torhüters Kodjovi Obilaleat.

(Foto: AP)

Der Mannschaftsbus der Togoer war am Freitag auf der Anreise kurz nach Überqueren der Grenze zwischen der Republik Kongo und der angolanischen Exklave Cabinda von Rebellen der Gruppe FLEC unter Beschuss genommen worden. Dabei waren der Busfahrer, der Pressesprecher der Nationalmannschaft, Stanislaus Ocloo, sowie der Assistenztrainer Abalo Amelete getötet worden. Mehrere Menschen wurden verletzt, darunter drei Fußballspieler. Der von Kugeln in Rücken und Bauch getroffene Ersatztorwart Kodjovi Obilale hat eine Operation im Krankenhaus von Johannesburg gut überstanden und wird auf der Intensivstation weiter versorgt.

"Die Waffen werden weiter sprechen"

Der bewaffnete Arm der "Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda" (FLEC) bekannte sich zu dem Anschlag und drohte weitere Aktionen an. "Diese Operation war nur der Anfang einer Serie von zielgerichteten Aktionen in der gesamten Region Cabinda", hieß es in einem Bekennerschreiben. Gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP sagte FLEC-Generalsekretär: "Die Waffen werden weiter sprechen. Es wird weitergehen. Diese Nation ist im Krieg, weil Issa Hayatou auf seinem Standpunkt beharrt." Cabinda sollte 1975 von der Kolonialmacht Portugal in die Unabhängigkeit entlassen werden, aber Angola besetzte das Gebiet. Seitdem kämpfen Rebellen gewaltsam für die Unabhängigkeit.

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Mindestens drei Menschen wurden getötet, mehrere verletzt.

(Foto: AP)

Unterdessen hat Togos Regierung von Angola und den Organisatoren des Afrika Cups eine Erklärung dafür verlangt, warum Cabinda als Austragungsort für die Spiele ausgewählt worden sei. In der Provinz kommt es seit der Unabhängigkeit der ehemaligen portugiesischen Kolonie 1975 immer wieder zu Konflikten. Togos Regierungssprecher sagte, niemand habe das Team darüber informiert, dass die Anreise nach Cabinda per Bus riskant sei. Die Organisatoren hatten zuvor die Entscheidung der Togoer kritisiert, nicht per Flugzeug aus dem Vorbereitungslager in Kongo-Brazzaville nach Angola gekommen zu sein.

"Chaotisches und lebensgefährliches Turnier"

Südafrika betonte unterdessen, dass der Anschlag nach Ansicht der WM-Organisatoren ohne Einfluss auf die Fußball-Weltmeisterschaft bleiben wird. WM-Kommunikationschef Rich Mkhondo sagte in Johannesburg, der tödliche Zwischenfall im rund 1000 Kilometer entfernten Angola habe rein gar nichts mit der Lage in Südafrika zu tun. Das sei so, als ob man einen Vorfall in Tschechien mit der Situation in Großbritannien in Verbindung zu bringen versuchte, meinte Mkhondo.

Doch all diese Versicherungen konnten die Sorge um die Sicherheit während der WM nicht zerstreuen. "Ein chaotisches und lebensgefährliches Turnier weckt neue Zweifel an der Organisation einer Fußball-WM", schrieb "Die Presse" in Österreich. Das spanische Blatt "El Mundo" sieht "31 WM-Teilnehmer - alle mit Ausnahme des Gastgeberlandes Südafrika - aufgeschreckt und in Alarmstimmung". Damit lag "E Mundo" jedoch falsch, denn auch Südafrika ist aufgeschreckt.

Quelle: n-tv.de, sid/dpa/AFP

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