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Der FSV Frankfurt muss in der kommenden Saison in der Regionalliga antreten.
Der FSV Frankfurt muss in der kommenden Saison in der Regionalliga antreten.(Foto: imago/Jan Huebner)
Dienstag, 09. Mai 2017

Fußball-Regionalliga als Falle: Traditionsvereine leiden in Liga vier

Von Dirk Büttner

Der Abstieg in die Regionalliga bedeutet für die Fußballklubs ein finanzielles Fiasko. Die Einnahmen sinken rapide, viele Ausgaben hingegen bleiben identisch. Zudem ist es immens schwierig, der Viertklassigkeit wieder zu entkommen.

Die Regionalliga entwickelt sich für Traditionsvereine zum Totengrab. Der ehemalige Bundesligist Alemannia Aachen meldete im März Insolvenz an. Kickers Offenbach tat dies bereits nach dem letzten Spieltag der vergangenen Saison. Obwohl der Antrag später wieder zurückgezogen wurde, gab es einen Neun-Punkte-Abzug. Auch der Traditionsverein Hessen Kassel kämpft aktuell um das Überleben. Der Klub muss bis zum 17. Mai 400.000 Euro aufbringen, um zunächst den Etat für die laufende Spielzeit zu decken - sonst droht die Insolvenz.

Hajo Sommers, der Präsident von Rot-Weiß Oberhausen.
Hajo Sommers, der Präsident von Rot-Weiß Oberhausen.(Foto: imago/Revierfoto)

Die Liste ehemaliger Profivereine, die in der Regionalliga finanzielle Schwierigkeiten bekamen, ließe sich fortsetzen. Der VfB Lübeck und Rot-Weiß Essen sind nur einige von vielen Beispielen. Hajo Sommers, der Präsident des Regionalligisten Rot-Weiß Oberhausen, bringt es im "Revier-Sport" auf den Punkt: "Bis auf die U23-Vertretungen und zwei, drei anderen Vereinen droht den Klubs permanent die Pleite. Man hält meist nur irgendwie den Kopf über Wasser." Das Problem: Um von der ausgeglichenen Regionalliga wieder in die Dritte Liga aufzusteigen, ist eine gestandene Mannschaft erforderlich. Diese kostet viel Geld. Aufgrund geringer Einnahmen geraten die Vereine schnell in eine finanzielle Schieflage. Sie sitzen quasi in der Falle. Der Abstieg aus der Dritten Liga kann somit schlimme Folgen haben. Momentan fürchtet der ehemalige Bundesligist SC Paderborn den Sturz in die Viertklassigkeit. Für den insolventen FSV Frankfurt ist dieser sogar unvermeidlich.

Beim Abstieg waren alle Verträge nichtig

Was ihnen dort droht, weiß kaum jemand besser als Marc-Nicolai Pfeifer. Er ist der Kaufmännische Leiter der Stuttgarter Kickers, die im vergangenen Jahr in die Regionalliga abgestiegen sind. Der Verein musste praktisch bei Null anfangen. "Über Nacht waren all unsere Verträge mit den Spielern, mit dem Chef-Trainer und 90 Prozent aller Sponsorenverträge nichtig. Die Vereinbarungen galten nur für die dritte Liga", sagt er im Gespräch mit n-tv.de. Besonders der Wegfall der Fernseheinnahmen schmerze. "In der Dritten Liga erhalten Vereine etwa 900.000 Euro. In der Regionalliga bekommen wir je Übertragungshäufigkeit zwischen 3000 oder 4000 Euro. Das reicht gerade einmal für die Tankfüllungen zu den Auswärtsspielen." Damit nicht genug: Die Zuschauereinnahmen, die Sponsorengelder und die Einnahmen durch Fanartikel sind um 25 bis 30 Prozent gesunken - ganz im Gegensatz zu den Ausgaben. Ob nun Stadionmiete, Reisekosten oder die Erfüllung der Sicherheitskonzepte: All das ist in der Regionalliga fast identisch teuer zu den Drittliga-Zeiten. "Das macht es so schwer, den Kostenapparat zu senken."

Marc-Nicolai Pfeifer (hinten) von den Stuttgarter Kickers kennt die Dramatik der Regionalliga. Sein Klub ist derzeit Tabellen-13.
Marc-Nicolai Pfeifer (hinten) von den Stuttgarter Kickers kennt die Dramatik der Regionalliga. Sein Klub ist derzeit Tabellen-13.(Foto: imago/Eibner)

Also sparten sie am Kader. Pfeifer sagt: "Unser Etat für die erste Mannschaft wurde um deutlich mehr als die Hälfte reduziert." Bestand die Mannschaft in Liga drei noch aus Vollprofis, sind nun viele junge Spieler dabei, die gleichzeitig studieren oder eine Berufsausbildung machen. Umso schwieriger ist es da, gegen Teams wie VfB Stuttgart II, TSG Hoffenheim II und Waldhof Mannheim anzukommen. Die Folge: Die Stuttgarter Kickers hängen in der unteren Tabellenhälfte fest. Um finanziell wieder auf die Beine zu kommen, müsste die Rückkehr in die Dritte Liga gelingen. Doch kein Aufstieg ist so schwierig wie der aus der Regionalliga. Das Problem: Es gibt fünf Regionalliga-Staffeln, jedoch nur drei Aufstiegsplätze. Daher findet nach Saisonende eine Aufstiegsrunde mit Hin- und Rückspiel statt. Teilnehmen dürfen die vier Regionalligameister sowie der Vizemeister der Regionalliga, deren Region die meisten Vereine und Mitglieder im DFB stellt.

Andere Aufstiegsregelung erwünscht

Die Regelung wird vielfach kritisch gesehen. Der Trainer des FC Energie Cottbus, Claus-Dieter Wollitz, sagte dem "Kicker": "Dass ein Erster nicht aufsteigen darf und durch vielleicht eine Fehlentscheidung oder Fehleinschätzung eines Schiedsrichters die ganze Arbeit zunichtegemacht wird, da macht sich keiner Gedanken drüber." Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. 40 Regionalligisten nahmen an einer Umfrage der "Lausitzer Rundschau" teil - das Ergebnis: 85 Prozent wünschen sich eine andere Aufstiegsregelung.

Sollte die Regionalliga also auf drei Staffeln reduziert werden, sodass jeder Meister aufsteigt? DFB-Präsident Reinhard Grindel warnt vor den Folgen für kleinere Klubs: "Schon jetzt gibt es sehr viele Oberligisten, die aufgrund der Kosten nicht aufsteigen möchten. Würde die Regionalliga aus drei Staffeln bestehen, wäre das aufgrund der Reisekosten noch schwieriger." Für Grindel stellt sich die Frage, wie man die Regionalliga definiert: "Ist sie für mich die vierte Profiliga? So denken zum Beispiel Rot-Weiß Essen, Saarbrücken oder Waldhof Mannheim. Oder ist die Regionalliga die oberste Amateurklasse, sozusagen die Champions League für Vereine wie Drochtersen-Assel, Auerbach oder Rödinghausen und viele andere, die nur in dieser Konstellation die Regionalliga gewuppt kriegen?"

Die Antwort liefert er gleich hinter: "Für uns beginnt in der Regionalliga der Amateurbereich." Immerhin stellt Grindel eine Optimierung der Aufstiegsregelung in Aussicht: "Ich könnte mir eine Aufstiegsrunde mit allen sechs Vereinen über fünf Spiele vorstellen. Das wäre wirtschaftlich attraktiv. Zudem wären fünf Spiele gerechter." Dagegen spräche laut Grindel allerdings der schon jetzt sehr enge Terminplan. Eine Lösung scheint noch lange nicht in Sicht zu sein - und die Traditionsvereine leiden weiter.

Quelle: n-tv.de

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