Redelings Nachspielzeit

Redelings über Montagsspiele Der Fußball gehört nicht den Sesselfurzern

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Ja, das Thema Fußball und Montag ist bei den Fans sehr umstritten.

Seit 25 Jahren kämpfen Fußballfans gegen Montagsspiele. Nun hat die DFL den Protesten nachgegeben. Doch nicht alle Fans sind mit dieser Entscheidung einverstanden. Daher stellt sich nun die Frage aller Fragen.

Heute kümmern wir uns um eine Kernfrage des Fußballs: Wem gehört das Spiel? Okay, das ist zugegeben ein ziemlich hoch gegriffener Einstieg in einen Text über Montagsspiele in der ersten und zweiten Bundesliga. Aber spätestens seit Karl-Heinz Rummenigges jetzt schon legendärem Pressekonferenz-Beginn mit einem Zitat aus dem Grundgesetz wissen wir ja alle: Es darf auch mal ein Scheibchen mehr sein. Im Ernst, der Einstieg ist wohlfeil gewählt.

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Denn am vergangenen Freitag hatte sich Alfred Draxler, Kolumnist der "Bild"-Zeitung, beschwert, er fühle sich nur noch als "Fan zweiter Klasse". Schuld daran sei der Entschluss der DFL, die Zweitligaspiele am Montagabend ab der Saison 2021/2022 abzuschaffen. Er sei bei dieser Entscheidung komplett übergangen worden, schließlich habe ihn vorher niemand gefragt. Das ist natürlich per se schon eine Ungeheuerlichkeit, dass man Draxler nicht persönlich dazu interviewt hat. Aber es wird noch ungeheuerlicher, wenn man berücksichtigt, was seine Argumente für eine Beibehaltung der Montagsspiele gewesen wären: "Ich mag diese Spiele am Montagabend. Ich schaue sie zu Hause auf dem Sofa oder in einer Sky-Kneipe an."

Als vor 25 Jahren der Sender DSF spontan die Idee hatte, man könne doch prima eine Partie der zweiten Liga zum Wochenstart präsentieren, geschah das so überraschend für alle, dass man tatsächlich mitten in der Saison damit startete. Die Paarung des 18. Oktober 1993 lautete wie übrigens auch an diesem Montagabend im Bochumer Ruhrstadion, nur unter umgekehrten Vorzeichen, FC St. Pauli gegen den VfL Bochum. Doch so überraschend der Start für alle kam - die Proteste gegen die Spiele gibt es seit Beginn an. Und das hatte und hat einen einfachen Grund: Am Montag ist das Wochenende genau einen Tag vorbei.

15.30 Uhr ist der Fixpunkt für Liebe und Leidenschaft

Vor 25 Jahren kam noch ein Schuss Romantik dazu. Die Fußballfans hierzulande waren es gewohnt, dass der Samstag um 15.30 Uhr der zentrale Fixpunkt für ihre Liebe und Leidenschaft ist. Erst ein Jahr zuvor waren die Sonntagsspiele in der Ersten Liga eingeführt worden und nun sollte es also mit dem Montag einen vierten Tag für den Profifußball in Deutschland geben. Das konnte nicht auf Gefallen und Gegenliebe stoßen. Eigentlich. Doch tatsächlich entwickelte sich seit damals so etwas wie eine Tradition.

Neben den immer fortwährenden Protesten richtete sich eine wachsende Zuschauergemeinde gemütlich in den eigenen vier Wänden darauf ein, am Montagabend kostenlosen Live-Fußball zu konsumieren. Man kann es überspitzt auf den Punkt bringen: Auch die lautstärksten Romantiker schauten heimlich unter der Bettdecke am Montagabend die Spiele ihres Vereins - denn eine Reise nach Unterhaching wäre auch am Wochenende angesichts von Familie, Beruf und notorischer Zeitnot nicht zu schaffen gewesen. Und so etablierte sich etwas, das unter anderen Voraussetzungen nie eine Chance gehabt hätte.

Denn es gab und gibt auch immer die Kehrseite der Medaille. Auch für Heimfans ist der Montagabend um 20.30 (!) Uhr so beliebt wie eine Freibier-Nacht vor dem ersten Tag im neuen Job. Du gehst zwar hin, aber nur weil der Schlüsselreiz dich nicht hängen lässt. Echte Freude kommt vorher und nachher nicht auf. Und auch während des Spiels ist nur wenig so, wie es sein sollte. Stichwort: Angezogene Handbremse. Echter Genuss sieht anders aus.

Das wichtigste Argument für den Montag fehlt

Seit zwei Jahren ist nun aber zudem eines der wichtigsten Argumente für Spiele am Montagabend weggebrochen: Sport1 hat die Rechte verloren und nun kann man die Partien nur noch im Pay-TV sehen. Sprich: Ein Großteil der Fußballfans, die vorher die Möglichkeit hatten, wenigstens am Montagabend kostenlosen Profifußball zu sehen, ist nun ausgeschlossen. Ein folgenschwerer Fehler der DFL. Man darf sogar vermuten, dass es nie zur Abschaffung der Spiele in der Ersten und Zweiten Liga gekommen wäre, wenn die DFL die Rechte für die Montagsspiele ligaübergreifend an einen frei empfangbaren Sender wie Sport1 vergeben hätte. Es hätte die Proteste zwar weiterhin gegeben, aber sie wären bei Weitem nicht auf einen so fruchtbaren Boden gefallen wie im Moment, wo der Fußballfan aufgrund der Vielzahl der Sender nicht mehr auf Anhieb weiß, wo und wann die Spiele seines Vereins überhaupt laufen.

Zurück zum Anfang. Aus Fanperspektive wäre es immer schön, wenn der Ligafußball seine letzte Partie spätestens am Sonntagabend komplett absolviert hätte und man sich nun vier ganze Tage auf den nächsten Spieltag freuen könnte. Zudem ist eine Auswärtsfahrt am Wochenende immer realistischer umsetzbar (und auch schöner) als an Montagen. Das aus Fanperspektive. Doch nun kommen wir zur Ausgangsfrage zurück: Wem gehört das Spiel?

Alfred Draxler begründet seine Enttäuschung über die Abschaffung der Montagsspiele im Kern damit, dass es viel mehr Fans vor den Bildschirmen gäbe als im Stadion. Da hat er Recht, schon rein aus logistischen Gründen. Doch es stellt sich eine entscheidende Frage: Wenn eines Tages - und die Entwicklungen der letzten Jahre sollten allen zu denken geben - tatsächlich die Spiele vor nahezu leeren Rängen stattfinden, werden wir uns dann immer noch genussvoll auf dem Sofa diese Partien anschauen? Die Antwort auf diese Frage wird den Weg des Fußballs in der nahen Zukunft maßgeblich prägen.

Quelle: n-tv.de

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