Redelings Nachspielzeit

Redelings freut und wundert sich Genießt diese DFB-Elf!

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So sehen sie aus, die Hoffnungsträger für eine erfolgreiche Zukunft der DFB-Elf.

(Foto: imago images / Chai v.d. Laage)

Seit Mittwoch vergangener Woche ist die Mission "Neustart" in vollem Gange. Doch niemand konnte ahnen, wie schnell die Fußballnation dem deutschen Team wieder folgen würde. Diese neue Generation begeistert auf erstaunliche Art und Weise.

Fußball ist vermutlich das schnellste Geschäft der Welt. Wie atemberaubend radikal sich der Wind seit dem "Neustart" am Mittwoch vergangener Woche in Wolfsburg gegen Serbien gedreht hat, kann man besonders gut in den sozialen Netzwerken nachvollziehen. Dort wundern sich selbst energische Gegner der Nationalmannschaft, wie sie plötzlich wieder Blut geleckt haben: "Eigentlich wollte ich nur kurz reinschauen, dann bin ich aber hängen geblieben. Am Ende habe ich tatsächlich mit den Jungs gebangt. Das habe ich schon sehr lange nicht mehr gemacht!" Ein Freund schrieb mir nach der Serbien-Partie, dass er hoffe, dass der Aufbau der N11 gelingen würde. Und dann fügte er noch einen bemerkenswerten Satz hinzu: "Jetzt wo sie am Boden liegt, beginne ich wieder mitzufiebern."

Als es am Sonntagabend in Amsterdam zur Pause nach einer wirklich beeindruckenden ersten Halbzeit der deutschen Elf 2:0 gegen die Niederlande stand, meldete sich der Kollege noch einmal und meinte: "Macht echt Spaß zuzuschauen und mit einer neuen Generation mitzufiebern." Es ist erstaunlich, wie zügig der Funke von der Mannschaft aufs Publikum übergesprungen ist. "Mitfiebern" – mehr kann man eigentlich nicht erwarten. Vor knapp einer Woche hätte diese Entwicklung noch niemand nur erahnen können. Doch nun scheint es für den Moment so, dass Joachim Löw und sein Team auf der richtigen Spur angekommen sind. Man könnte nun unken: Warum erst so spät? Aber vermutlich braucht einfach alles seine Zeit. Denn niemand beim DFB kann ernsthaft behaupten, man hätte das katastrophale Dilemma des Sommers 2018 nicht kommen sehen.

Zu früh den Fokus verloren

Spätestens am 20. Juni hätten damals beim DFB und Löw alle Alarmsirenen angehen müssen – wenn denn zu diesem Zeitpunkt der Drops nicht ohnehin bereits gelutscht gewesen wäre. Denn genau an diesem Tag, zwischen dem ersten und zweiten Spieltag der Weltmeisterschaft in Russland, also mitten in dem größten und bedeutendsten Fußball-Turnier der Welt, antwortete Manuel Neuer auf die Frage, wie lange er noch plane, Nationalspieler zu bleiben: "Bis 2020 auf jeden Fall. Ich möchte ja noch Europameister werden".

Eigentlich ein unscheinbarer und inhaltlich völlig korrekter Satz, doch der Moment in dem er fiel, war äußerst unglücklich. Nicht nur Beobachter, die damals vor Ort waren, meinten hinterher: Wieso hat er diese Diskussion nicht mit dem Naheliegendsten – mit dem Verweis auf das gerade stattfindende Turnier – abgebrochen? Das hätte jeder nur zu gut verstanden und unterstützt. Doch Neuer selbst war es, der im Kopf schon einen Schritt weiter war. Sein größtes Ziel zu diesem Zeitpunkt war es nicht, noch einmal Weltmeister zu werden.

Und das kann man sogar nachvollziehen. Kein Junge malt sich aus, wie toll es wäre, zweimal nacheinander den schönsten Fußballpokal auf Erden zu gewinnen. Allenfalls – wenn die Fantasie ausreicht – stellt sich ein Kind vor, wie wunderbar es wäre, wenn man alle wichtigen Trophäen einmal im Leben in die Luft recken könnte. Und so fehlte dem DFB-Team vor allem eins: Der Hunger auf den WM-Pokal!

"Wir werden euch und eure Verdienste nie vergessen

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Nun darf endlich eine neue Generation ran. Dass das offensichtlich nur ging, indem Jogi Löw vorher drei verdiente Nationalspieler auf eine sehr unglückliche Art und Weise dauerhaft aus dem Kreise der Besten verabschiedete, mag befremden. Und vor allem im Falle des erst 29-jährigen Thomas Müller tut dieser Schritt menschlich nach wie vor weh. Wer auch nur einen Funken Empathie hat, kann nachvollziehen, wie grausam die Situation für den Menschen Thomas Müller sein muss. Vor genau neun Jahren war er der gefeierte Shootingstar. Sympathisch, offen und eloquent hat er die Nation begeistert. Nun gehört er bereits zum alten und mittlerweile ausgemusterten Eisen. Man möchte ihm und den beiden anderen zurufen: Seid gewiss - wir werden euch und eure Verdienste nie vergessen. Danke!

Und doch musste dieser radikale und medial viel beachtete Schnitt wohl erst kommen – damit es nun aufwärts gehen kann. Neue Helden braucht das Land! Und wie es scheint, ist die Lage des deutschen Fußballs doch nicht so aussichtslos, wie man bis zum Mittwoch letzter Woche noch glaubte. Wem das alles zu schnell geht: Nicht wundern, einfach (mit-)treiben lassen und genießen. Es gibt da diesen alten Spruch: So ist nur der Fußball! Hier trifft er mal wieder voll zu.

Quelle: n-tv.de

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