Redelings Nachspielzeit

Paul Breitner versus Uli Hoeneß Wie aus besten Freunden echte Feinde wurden

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Respektvolle Distanz.

Was kaum einer weiß: Die große Männerfreundschaft zwischen Paul Breitner und Uli Hoeneß zerbrach eigentlich schon vor fast vierzig Jahren. Danach rauften sich beide noch einmal zusammen, aber das war nicht von langer Dauer. Auch zum heutigen 70. Geburtstag von Breitner ist nicht mit einer Versöhnung zu rechnen.

Wenn eine Liebe zerbricht, bleiben am Ende häufig nur Hass und Spott übrig. Paul Breitner und Uli Hoeneß - das war eine echte Männerfreundschaft. Das waren zwei aufstrebende junge Kerle, die herausragend gut kicken konnten und gemeinsam die Welt erobern wollten. Doch das konnte nicht gut gehen. Wahrscheinlich haben sie es selbst damals, Anfang der 70er-Jahre, noch nicht gleich gewusst, dass zwei Alphatiere wie sie es auf Dauer nicht zusammen in einem Raum aushalten würden können.

Dafür waren der Sohn eines Verwaltungsbeamten aus Kolbermoor, Paul Breitner, und der Metzgerjunge aus Ulm, Uli Hoeneß, im Jahr 1970 einfach noch zu jung. Das Leben lag ihnen als Nachwuchsprofis des FC Bayern München zu Füßen. Sie mussten nur feste zupacken, dann konnte ihr Traum vom Glück wahr werden. Und gemeinsam, da waren sie sich sicher, würden sie es schon schaffen.

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Es gibt da diese kleine Anekdote aus dem Jahr 1971. Damals bewohnten die beiden zusammen eine Männer-WG. Eines Tages kam der Einberufungsbescheid von der Bundeswehr für Paul Breitner - doch dieser meldete sich einfach nicht. Auch die folgenden Briefe ließ er unter den Tisch fallen. Bis es so weit kam, dass die Feldjäger nach München geschickt wurden, um Breitner abzuholen. Doch Paul konnte auf seinen Freund Uli zählen, der die Männer von der Bundeswehr an der Wohnungstür empfing und ihnen direkt ins Gesicht log: "Der Paul ist nicht da."

Es gibt sogar einen Film der beiden

Dieses Spiel wiederholte sich mehrere Male, denn Breitner flüchtete immer rechtzeitig runter in den Kohlenkeller, wo er sich das Gesicht schwärzte und versteckte. Die Feldjäger, obwohl sie das ganze Haus auf den Kopf stellten, fanden Breitner so nicht. Das ging so lange gut, bis der Jungprofi des FC Bayern steckbrieflich gesucht wurde und sich stellte. Erst ein Intervenieren des Managers der Münchener, Robert Schwan, rettete Breitner schließlich aus den "Klauen" der Bundeswehr. Von nun an weilte er samstags nicht mehr in der Kaserne, sondern stand im Kader der Bayern - und spielte regelmäßig.

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Gemeinsam wurden Hoeneß und Breitner 1974 Weltmeister.

(Foto: imago/Horstmüller)

Wie innig die Freundschaft zwischen den beiden in diesen Jahren war, zeigt nichts anschaulicher als der Film "Profis - Ein Jahr Fußball mit Paul Breitner und Uli Hoeneß". In diesem gibt es eine Szene, die jedem Zuschauer auf ewig im Gedächtnis bleibt. Sie zeigt die beiden Bayernspieler oberkörperfrei nebeneinander in weiße Bettlaken gekuschelt, wie sie im Mannschaftshotel zu später Stunde vor dem Licht-ausmachen noch eine Gute-Nacht-Geschichte in ihren Magazinen lasen. Breitner sagte einmal über diese vertrauten Tage: "Auf andere haben der Uli und ich den Eindruck eines alten Ehepaares gemacht." Doch dann kam der große Bruch. 1983.

Während die Karriere des Paul Breitner als Spieler des FC Bayern in den letzten Zügen lag, begab sich der Verein auf eine Südostasien-Reise, die irgendwann komplett aus dem Ruder lief. Es endete damit, dass der damalige Manager Uli Hoeneß notgedrungen wieder mit aufs Feld lief - während Paul Breitner, flankiert von einer Roten Karte, fluchend den Platz verließ. Es war ein für Breitner typischer Schlussakkord seiner Laufbahn. Als ihn der Schiedsrichter gefragt hatte, ob er tatsächlich die Rote Karte wolle, hatte der Mann aus Kolbermoor nur breit grinsend geantwortet: "Jawoll, ich will sie!" Später fügte er noch hinzu: "So ist es richtig, die Rote Karte war ein Symbol. Jetzt ist endgültig Schluss!"

"Die Geschichte ist seit vielen Jahren abgeschlossen"

Uli Hoeneß hat seinem ehemaligen Freund diese egoistische Tat, die den Jung-Manager damals in arge Nöte brachte, nie verziehen. Viele, viele Jahre wechselten sie nach diesem einschneidenden Moment kein einziges Wort mehr miteinander. Und auch nach einer kurzfristigen Versöhnung war der Graben zwischen Breitner und Hoeneß so tief geworden, dass die ehemaligen Männerfreunde bis heute spinnefeind sind.

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Bestseller-Autor und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein legendäres Anekdoten-Schatzkästchen. Für ntv.de schreibt er montags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und seinem aktuellen Buch ("60 Jahre Bundesliga. Das Jubiläumsalbum") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Vor drei Jahren eskalierte die Lage zwischen den beiden noch einmal, als Paul Breitner die mittlerweile legendäre Pressekonferenz von Hoeneß, Rummenigge und Salihamidzic scharf kritisierte und Hoeneß Breitner daraufhin die Ehrenkarten für die Heimspiele des FC Bayern wegnahm. Damals sagte der heutige Ehrenpräsident des Rekordmeisters: "Ich habe mit Paul Breitner gebrochen, als ich aus dem Gefängnis kam - und das war's für mich." Und auch Breitner gab der alten Männerfreundschaft keine Chance mehr: "Ich bin ein sehr nüchtern denkender Mensch. Ich ordne jede Situation für mich ein, kläre die Sache, und dann ist sie erledigt. Und ich bin nicht nachtragend. Die Geschichte mit Uli ist seit vielen Jahren abgeschlossen."

Heute feiert der Weltmeister von 1974, Paul Breitner, seinen 70. Geburtstag. Als er 1983 seine Karriere beendete, brachte der Hamburger Musiker und Schauspieler Volker Lechtenbrink zum Abschied einen Song mit dem Titel "Der Paul tritt ab" auf den Markt. Eine der Liedzeilen lautete: "Der Paul tritt ab, und eins ist klar, ist man auch kein Schwärmer, da geht ein Stück Zivilcourage, der Sport wird etwas ärmer."

Man würde sich wünschen, dass einer der beiden ehemaligen Freunde noch einmal die Courage aufbringen würde, das ehemals so enge Verhältnis wieder auf eine gesunde Ebene zu bringen, bevor es eines Tages unter Umständen zu spät ist. Ein Geburtstag mag dafür vielleicht ein guter Anlass sein. Genug schöne Erinnerungen zum gemeinsamen Austausch sollten die beiden großen Sportskameraden haben. Und wenn man nur wieder einmal über den kohlenschwarzen Paul gemeinsam lacht. Alles Gute zum Geburtstag, alles Gute und Glück auf, Paul Breitner!

Quelle: ntv.de

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