Fußball-WM 2018

Schwarzhandel von WM-Tickets Ermittler nehmen Fußballverbände ins Visier

Der Ticket-Schwarzhandel hat in der entscheidenden Phase der WM Hochkonjunktur. Nun gelingt den brasilianischen Behörden ein empfindlicher Schlag gegen die Ticketbanden. An deren Geschäft sollen renommierte Fußballverbände kräftig mitverdient haben.

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Der Schwarzmarkthandel mit WM-Tickets blüht.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Brasilien hat die Polizei einen Ring illegaler WM-Tickethändler auffliegen lassen. Elf Tatverdächtige wurden in Rio de Janeiro und in São Paulo im Rahmen der "Operation Jules Rimet" festgenommen. Den zehn Brasilianern und einem Algerier wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie Geldwäsche vorgeworfen.

Die organisierte Gruppe habe Medienangaben zufolge durchschnittlich 1000 Eintrittskarten pro WM-Spiel angeboten und durch ihr Verkaufssystem bis zu eine Million Reais (rund 333.000 Euro) umgesetzt. Mohamadou Lamine Fofana, der algerische Kopf des mutmaßlichen Verbrecherrings, habe hierfür Tickets beschafft, die von der Fifa kostenlos an Sponsoren, WM-Spieler, Fußballverbände und nichtstaatliche Organisationen kostenlos weitergegeben worden seien.

Nach Angaben der Tageszeitung "O'Dia" soll das gleiche Betrugssystem schon bei den vorherigen vier Fußball-Weltmeisterschaften zum Einsatz gekommen sein, also auch 2006 in Deutschland. Insgesamt hätten die Kriminellen so rund 70 Millionen Euro pro Turnier kassiert.

Welche Rolle spielte Ronaldinhos Bruder?

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Fußballfans auf der Suche nach WM-Tickets.

(Foto: REUTERS)

Unterdessen ermitteln die brasilianischen Ordnungsbehörden auch wegen des Verdachts, dass die nationalen Fußballverbände von Brasilien, Argentinien und Spanien sowie die Fifa selbst in den Schwarzmarkthandel mit WM-Tickets verwickelt sein könnten.

Demnach steht die Vermutung im Raum, dass die Tickets nicht auf offiziellem Wege, sondern durch Kontakte innerhalb des Fußball-Weltverbands Fifa beschafft wurden. Ein entsprechender Bericht der Zeitung "Folha de São Paulo" wurde von Staatsanwalt Marcos Kac bestätigt.

Zu dem Fall vernommen wird laut Kac auch der Bruder des brasilianischen Starfußballers Ronaldinho, Roberto de Assis Moreira. Dieser habe "einigen seiner Freunde erzählt, dass sie über sein System VIP-Tickets erwerben könnten". Ob Ronaldinhos Bruder tatsächlich mit den Schwarzmarkthändlern zusammenarbeitete, werde noch untersucht.

Ein von der Polizei aufgezeichnetes Gespräch zwischen ihm und Lamine belastet de Assis laut einem Bericht der Zeitung "O'Dia" jedoch schwer. Darin soll dieser den Chef der Schwarzhändler gefragt haben, ob er eine Ticketanfrage eines seiner Freunde erhalten habe. Lamine habe geantwortet, er biete vor allem VIP-Tickets an.

Warnung vor nicht-offiziellen Ticketkäufen

Die Fifa zeigte sich erfreut über die Erfolge bei der Verfolgung von Schwarzmarkthändlern, die verzweifelten Fans teils exorbitante Preise für dubiose Tickets abknöpfen. Im jüngsten Fall hätten sie und der Fifa-Vertriebspartner Match Enforcement ständig Informationen an die brasilianischen Behörden weitergeleitet, um sie bei der Durchsetzung des Rechts zu unterstützen, sagte Fifa-Marketing-Chef Thierry Weil.

In einer offiziellen Stellungnahme warnte die Fifa unterdessen vor nicht-offiziellen Ticketkäufen. "Es war uns immer schon wichtig, die Fans vor den Risiken illegaler Ticketkäufe zu schützen und mit aller Macht gegen jeden vorzugehen, der gegen die Verkaufsregularien verstößt", hieß es in dem Schreiben: "Deswegen raten wir dringendst, Karten nur über fifa.com zu kaufen."

Quelle: n-tv.de, cri/AFP/dpa/sid

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