Handball

Triumph über das Trauma Löwen holen erstmals DHB-Pokal

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"Endlich": Die Rhein-Neckar-Löwen um Kapitän Andy Schmid (M.) halten den Pokal in den Händen.

(Foto: dpa)

Zehn Mal scheitern die Rhein-Neckar-Löwen bei dem Versuch, den deutschen Handballpokal zu gewinnen. Jetzt aber schlagen die Löwen beim Finale des Final Four den TSV Hannover-Burgdorf und überwinden endlich ihr Trauma.

Nach dem Sieg gegen Hannover-Burgdorf gab es nicht diesen kindlichen Jubel, dazu waren die Handballer in den gelben Leibchen zu erschöpft - und außerdem war der Moment zu groß, um ihn durch "Rumgehüpfe" zu vergeuden. Also setzte sich Andy Schmid an eine Werbebande und ließ die Augenblicke auf sich wirken.

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Zehn Mal waren die Rhein-Neckar Löwen nach Hamburg zur deutschen Pokalendrunde gefahren und bis zuletzt hatte sich die Halle in Hamburg stets in einen Ort des Schmerzes verwandelt. Schmid, Kapitän und Anführer des zweimaligen Meisters, war fünf Mal selbst dabei und damit ein Teil der Löwen-Historie beim Final Four, die eine Historie des Scheiterns war. Erst beim elften Anlauf besiegten die Badener ihre eigene Geschichte und überwanden das eigene Trauma.

Schmid wusste, welche Bedeutung dieser Titel für ihn persönlich, für die Mannschaft und für den gesamten Klub hat und setzte sich deshalb für einen Moment des Innehaltens an die Werbebande. Zu ihm gesellte sich nach wenigen Augenblicken Gudjon Valur Sigurdsson. Der Dialog zwischen dem Löwen-Kapitän und dem 38-jährigen Linksaußen, der in seiner Karriere alle großen Klubtitel gewonnen, aber noch nicht alles erlebt hatte, ist nicht überliefert, aber sehr wahrscheinlich kam darin das Wort "endlich" vor.

Mit einem 30:26 (13:11) über die TSV Hannover-Burgdorf sicherten sich die Löwen zum ersten Mal in der Klubgeschichte den nationalen Pokal und merzten damit ihren letzten Malus aus. Zwei Mal wurden die Badener zuletzt Deutscher Meister und in ein paar Wochen werden sie vermutlich zum dritten Mal die Schale überreicht bekommen, aber erst mit dem Pokalerfolg vervollständigten sich die Löwen.

Längst der Dominator im deutschen Handball

Als die Spieler den Pokal im Konfettiregen überreicht bekommen hatten und vor der Kurve feierten, die mit 1200 Fans mit gelben T-Shirts besetzt war, taten sie dies mit Erhabenheit und Stolz. Die Erleichterung war ihnen neben der Freude an den Gesichtszügen abzulesen – und ein Stück auch die Gewissheit, es den anderen gezeigt zu haben. "Die anderen", das ist der Rest der Handball-Welt, der bei jedem vergeblichen Anlauf geunkt hatte, in der Löwen-DNA sei ein Pokalsieg schlicht nicht angelegt. Mit dem Finalerfolg gegen die Niedersachsen war diese Meinung überholt. Aus den Löwen, die nicht den Mumm haben, große Titel zu gewinnen, ist längst der Dominator im deutschen Handball geworden, der Pokalsieg gestern war dafür der letzte noch fehlende Beweis.

"Diese Freude ist unglaublich groß", sagte Schmid, nachdem er seinen Entspannungsort an der Werbebande verlassen hatte. Der Kapitän und Spielmacher der Löwen hatte sich in der zweiten Halbzeit zum Matchwinner aufgeschwungen, nachdem seine Mannschaft einen Sechs-Tore-Vorsprung beinahe verspielt hatte und nur noch mit einem Tor vorne lag. Mit acht Treffern, alle nach der Pause erzielt, untermauerte der Schweizer seinen Status als bester Spieler der Liga und beseelte damit einen ganzen Klub. Im Team der Löwen gab es viele Helden, aber Schmid stellte sich mit einer außergewöhnlichen Leistung in der entscheidenden Phase der Partie über den Rest.

Der letzte Schritt war sehr schwer, aber die größere Leistung hatten die Löwen einen Tag zuvor vollbracht, als sie ihr ganz persönliches Halbfinaltrauma überwanden. Fünf Mal hatten sie zuvor in der Vorschlussrunde in Hamburg verloren. "Ich wusste gar nicht, wie es sich anfühlt, hier ein Spiel zu gewinnen", sagte Schmid nach dem 31:24-Halbfinalerfolg gegen den SC Magdeburg. "Ich bin einfach nur froh, dass ich morgen nicht neben den Fans im Block sitzen muss", sagte Patrick Groetzki. Die Erleichterung, es ins Endspiel geschafft zu haben, war spürbar und wurde in den folgenden Tag transportiert. Dort erwiesen sich die Hannoveraner als würdiger Gegner, hatten gegen die Qualität des Favoriten und die Genialität ihres Kapitäns aber keine Mittel mehr.

Ganz am Ende wurde Groetzki gefragt, ob er denn jetzt derjenige sei, der den Pokal mit nach Hause nehmen dürfe, schließlich musste er neun Mal nach Hamburg fahren, um die Halle erstmals als Sieger zu verlassen. "Ich glaube, unser Betreuer hat das noch mehr verdient, der war in Hamburg schon elf Mal dabei", sagte der Nationalspieler mit einem Grinsen im Gesicht. In der linken Hand hielt er dabei eine Bierflasche und wartete darauf, die Pokalparty zu starten.

Quelle: n-tv.de

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