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Die Bundesliga spielt verrückt Daum schillert nun in Frankfurt

Nun ist er wieder da: Christoph Daum, eine der schillerndsten Trainerfiguren Deutschlands, übernimmt ab sofort den Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Das ist schade für seinen Vorgänger Michael Skibbe, möglicherweise aber gut für die Hessen.

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Da freut er sich: Christoph Daum ist wieder da.

(Foto: dpa)

Die Bundesliga spielt verrückt und hat nun auch Eintracht Frankfurt angesteckt. Auf den ersten Blick zumindest. Da wird Armin Veh in Hamburg entlassen, nach einem 0:6 gegen die Bayern. Da bricht Felix Magath über Nacht seine Zelte in Gelsenkirchen ab und geht zurück nach Wolfsburg. Nur bei der Eintracht hält Boss Heribert Bruchhagen bei der Trainerfrage die Füße still.

Und das dürfte selbst dem besonnenen Macher vom Main nicht leicht gefallen sein. Schließlich war seine Eintracht in der Rückrunde bis zum Spiel gegen St. Pauli die schlechteste Mannschaft der Rückrunde und noch ohne Sieg. Lediglich zwei Punkte auf der Habenseite. Aus dem Europa-League-Anwärter der Hinrunde wurde ein Abstiegskandidat erster Güte mit einem miserablen Lauf. Bruchhagen, der für Ruhe und Kontinuität sowie besonnenes Handeln steht, ließ dennoch keine Diskussion um Trainer Michael Skibbe aufkommen. Er stärkte ihm den Rücken, stellte aber auch klar: "Ich habe mich noch nie hinter einen Trainer gestellt." Das klingt allerdings wenig glaubhaft, erinnert man sich an die fast ständige Abstiegsangst in den Jahren mit Trainer Friedhelm Funkel zurück.

Dann kam der erste Sieg in der Rückrunde. Zugegeben, er war umkämpft, glücklich – ein "dreckiger Sieg" wie es so schön heißt. Theofanis Gekas überwand seine Ladehemmung, traf doppelt. Die nachdenklichen Gesichter blieben – und nun ist Skibbe beurlaubt. Bruchhagen hat die Reißleine gezogen und alle überrascht. Und das gleich doppelt.

Daum will ins internationale Geschäft

Klar, bei einer Niederlage gegen St. Pauli wäre Skibbe nicht mehr zu halten gewesen. Aber nach einem Sieg? Es muss triftige Gründe für Bruchhagen gegeben haben, Skibbe, dessen Vertrag noch über ein Jahr gelaufen wäre, zu beurlauben. Vielleicht hat ihm das Pauli-Spiel vor Augen geführt, dass selbst gegen eines der auswärtsschwächsten Teams der Liga die Eintracht nicht überzeugen konnte. Vielleicht war der Sieg einfach nur einen Deut zu glücklich. Vielleicht hat Bruchhagen auch erkannt, dass die Eintracht lange Zeit zu verängstigt aufgetreten ist. Ohne Mumm. Zweifel, dass der Trainer die Mannschaft noch erreicht, sind da allgegenwärtig.

Die zweite Überraschung ist allerdings noch weitaus größer. Statt des zuletzt in den Medien und unter den Fans immer wieder kolportierten Marcel Koller stellte Bruchhagen Christoph Daum als neuen Coach vor. Abstiegserfahren und eine der schillerndsten Trainerfiguren Deutschlands. Billig dürften die Dienste des ehemaligen Köln-, Leverkusen- und Fenerbahce-Trainers nicht sein. Seine Ansprüche dafür umso größer. Daum will ins internationale Geschäft.

Davor steht aber erst einmal der Nichtabstieg. Der Motivator Daum könnte dafür die richtige Wahl sein. Auch deshalb, weil er jetzt wegen der EM-Qualifikation gute zwei Wochen mit der Mannschaft arbeiten kann. Die Chancen der Eintracht, nicht abzusteigen, sind mit Daum unweigerlich gestiegen.

Aber er hat eine Menge Arbeit vor sich. Die Fans kann er bereits in seinem ersten Spiel auf seine Seite ziehen: im Abstiegskrimi in Wolfsburg - gegen Felix Magath. Wie gesagt, die Bundesliga spielt verrückt.

Quelle: n-tv.de

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