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Bierhoff genervt vom Hype Die Geister, die er rief

Oliver Bierhoff managt die Nationalmannschaft. Und sorgt dafür, dass Deutschlands beste Fußballer sich gut verkaufen. Doch nun ist er ein wenig genervt. "Da ist mir zu viel Partylaune". Sollte Bierhoff gemerkt haben, dass er den Bogen überspannt hat?

2ts85303.jpg8058253313643607481.jpgOliver Bierhoff ist genervt. Vom Hype um die deutschen Fußballer. "Da ist mir zu viel Partylaune", sagte der Manager der Nationalmannschaft dem Kölner "Express". Schließlich habe der sportliche Erfolg Priorität. "Wir wollen wieder Titel gewinnen." Daher habe sich die Mannschaft nach dem dritten Platz bei der Weltmeisterschaft in Südafrika auch dagegen entschieden, sich nach ihrer Rückkehr in Berlin auf der Fanmeile feiern zu lassen.

Klingt vernünftig. Nur ist das so, als ob jemand Freibier verspricht und sich dann wundert, dass die Gäste sauer sind, wenn nach einer halben Stunde das Fass leer ist. Oliver Bierhoff plagen die Geister, die er rief. Schließlich sind es der deutsche Fußball-Bund und ihr Manager, die diese Partystimmung anheizen und beim geneigten Publikum Erwartungen wecken, die sie schwerlich erfüllen können. So flog die Nationalmannschaft nicht einfach zur Weltmeisterschaft nach Südafrika. Nein, mit dem Sponsor Mercedes Benz wurde daraus "Die Nationalmannschaftsbewegung 2010". Motto: "Der 4. Stern für Deutschland". Das Team sollte den vierten WM-Titel nach 1954, 1974 und 1990 gewinnen.

Jedes Spiel wird zum Event

Wie das ausgehen kann, wenn jedes Spiel zum Event stilisiert wird, zeigte sich im Oktober vergangenen Jahres. Die deutsche Mannschaft quälte sich im letzten und nach dem Sieg in Russland drei Tage zuvor bedeutungslosen WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland zu einem mageren 1:1. Und die meisten der 51.500 Zuschauer im Hamburger Volksparkstadion pfiffen die Spieler gnadenlos aus. Von wegen Freibier. Sie hatten ein Fest erwartet – und bekamen ein arg mäßiges Fußballspiel. Vergessen war, dass das Nationalteam gerade eine Qualifikation abgeschlossen hatte, die mit acht Siegen und zwei Unentschieden kaum hätte erfolgreicher sein können.

Ein absurdes Schauspiel als Höhepunkt einer unseligen Entwicklung, an der Oliver Bierhoff kräftig mitwirkt, seit er 2004 einen Posten antrat, den es vorher nicht gab. Seither hat die Nationalmannschaft, das ist unbestritten, an Popularität ungemein gewonnen. Doch die Begeisterung fußt längst nicht mehr auf einer realistischen Grundlage. Es begann 2006 bei der WM in Deutschland, als die Mannschaft einen ordentlichen dritten Platz erreichte, sich aber feiern ließ wie ein Weltmeister.

ballack bierhoff.jpgZwei Jahre später kam es nach dem verlorenen Europameisterschaftsfinale gegen haushoch überlegene Spanier noch auf dem Rasen des Wiener Praterstadions zum Eklat, als Teammanager Oliver Bierhoff den Kapitän, Michael Ballack, dazu zwingen wollte, mit dem eigens entworfenen "Danke"-Transparent vor die Fankurve zu laufen. Nur dass Ballack der Meinung war, dass es nichts zu feiern gab. Es folgten ein Wortgefecht und ein Streit, der die Nationalmannschaft noch Monate danach beschäftigte. Dennoch mussten die Verlierer am Tag nach dem Endspiel in Berlin eine Feier über sich ergehen lassen, die nicht nur DFB-Sportdirektor Sammer erzürnte: "Da wird das Gefühl vermittelt, dass eine Niederlage in einem großen Finale sportlich betrachtet keine Bedeutung hat."

Keine Kicker, sondern Helden

Oliver Bierhoff formuliert sein Ziel so: "Erfolg mit einer sympathischen Mannschaft (…), die guten Fußball spielt und ein positives Auftreten hat." Daran ist erst einmal nichts Schlechtes. Doch der Manager scheint einzusehen, dass er den Bogen überspannt hat.

Wie auf der Seite https://team.dfb.de, dem Internetauftritt der Nationalmannschaft, den Oliver Bierhoff im Februar der Öffentlichkeit präsentierte. Die Nationalspieler sind hier keine gewöhnlichen Kicker, sondern wirken, gekonnt in Szene gesetzt, wie Helden. Auch hier ist die Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine nicht einfach eine EM-Qualifikation. Sondern der "Weg auf Europas Thron". Das kommt bei den Sponsoren gut an. Glanzlose Unentschieden sind in dieser Welt nicht vorgesehen. Nun sagt Oliver Bierhoff: "Ich denke, man sollte einen guten Mix hinbekommen zwischen sportlichem Ehrgeiz und Unterhaltung." Wir sind gespannt.

Quelle: ntv.de