Leichtathletik-WM

Semenyas Geschlechtstest Ex-Trainer: Das Ergebnis ist klar

Die 800-m-Weltmeisterin Caster Semenya soll nachweislich ein Zwitter mit der Chromosomen-Kombination XY - ein sogenannter Hermaphrodit - sein.

BER581_ATHLETICS-WORLD-_0819_11.JPG6608839889664418435.jpgWie die Schweizer Zeitung "Blick" berichtet, habe Südafrika die Tests bereits im März gemacht. Demnach stehe das Ergebnis bereits fest. Nach Angaben der Zeitung, die sich auf einen ehemaligen Trainer, der lange in Südafrika tätig war, beruft, hätte Semenya bei der WM in Berlin nicht bei den Frauen starten dürfen. "Doch ihre Funktionäre haben voll auf die Karte Risiko gesetzt", wird der ungenannte Informant zitiert.

Der Informant behauptet zudem, dass Südafrikas deutscher Cheftrainer Ekkart Arbeit an der mutmaßlichen Manipulation beteiligt gewesen sei: "Er hat genau gewusst, was zu tun war, dass Semenya bei ihren bisherigen Wettkämpfen stets durchgekommen ist." Ihr Testosteronspiegel werde mit Medikamenten so eingestellt, dass sie bei Doping-Kontrollen nicht als Mann auffalle.

Aus Protest gegen den Test bei der 18-Jährigen will sich Südafrika unterdessen bei der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen beschweren. Der Vorsitzende des sportpolitischen Ausschusses im Parlament in Kapstadt, Butana Komphela, kündigte die Beschwerde an. Sie werde sich gegen den Leichtathletik-Weltverband IAAF richten, weil er in erheblichem Maße die "Rechte und Privatsphäre" der Läuferin Semenya untergraben habe.

"Ich weiß von nichts"

Arbeit, vorletzter Chefcoach der DDR-Leichtathleten mit Wohnsitz in Berlin, bestritt die Vorwürfe: "Alles Quatsch. Das ist frech, wenn man nicht mal den Namen der imaginären Quelle nennt", sagte er. Er werde sich hüten, in irgendeiner Form Aussagen zu machen: "Ich weiß von nichts."

Hermaphroditen haben nicht eindeutige körperliche Geschlechtsmerkmale. Sie sind intersexuell. Das Geschlechtsorgan ist häufig verformt - trotzdem ist die Bestimmung des Geschlechts in den meisten Fällen nicht visuell möglich.

"Man hätte mich zu Hause lassen sollen"

Semenya wollte nach ihrem WM-Sieg die Goldmedaille zunächst ablehnen. Das berichtet die südafrikanische "Times". Aus Protest über den angeordneten Geschlechts-Test habe sie nicht zur Siegerehrung gehen wollen, wurde aber nach Angaben der Zeitung vom Vorsitzenden des nationalen Leichtathletik-Verbandes, Leonard Chuene, umgestimmt. "Sie erklärte mir, nicht aufs Podium gehen zu wollen, doch ich habe ihr gesagt, sie müsse es tun", sagte Chuene und fügte an: "Sie sagte mir: 'Niemand hat mir je erklärt, dass ich keine Frau sei ... Ich bin kein Junge! Warum hat man mich hierher gebracht - man hätte mich zu Hause in meinem Dorf lassen sollen'."

Auch der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) von Nelson Mandela reihte sich in die Kritik ein und sprach von einer "traumatischen Erfahrung" für die 18 Jahre alte Sportlerin. "Was passiert ist, ist die erniedrigendste Erfahrung, die je einem internationalen Sportler zu Teil wurde ... Wir haben Caster gebeten, die Medaille für alle von uns in Südafrika anzunehmen",  sagte ANC- Sprecher Brian Sokutu nach Medienberichten. Ihr Vater Jacob betonte jedoch: "Wir werden es nicht akzeptieren, dass sie sich diesen Tests unterzieht und wir sind mit ihr einer Meinung: Sie hätte diese Medaille besser ablehnen sollen!"

Quelle: ntv.de, sid/dpa