Olympia

Nodar Kumaritaschwili ist tot Und die Show geht weiter

Alle reden von der Show, die weitergehen muss. Kumaritaschwili ist im olympischen Eiskanal verunglückt. Ein Sportler ist gestorben, und vor allem ein Mensch. Was nun?

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Nodar Kumaritaschwili wurde 21 Jahre alt.

(Foto: dpa)

Was bleibt sind Trauer und Ratlosigkeit. Der georgische Rodler Nodar Kumaritaschwili stirbt unmittelbar vor dem Beginn der Olympischen Spiele in Vancouver. Das übertrifft die Vorstellungskraft aller – der Kollegen, der Trainer, der Funktionäre, der Zuschauer. Und Jaques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, sagt: "Jetzt ist die Zeit für Trauer und nicht, nach den Gründen zu suchen, warum das passiert ist." Es gibt viele, die das anders sehen.

Denn es bleiben sehr viele Fragen. Warum rasen Rodler mit bis zu 154 Kilometern in der Stunde eine Bahn hinunter, die für eine Geschwindigkeit von höchstens 137 pro Stunde konzipiert ist? War es wirklich allein ein Fahrfehler, der Nodar Kumaritaschwili das Leben gekostet hat? Warum hat niemand auf die Athleten gehört, die bereits vorher kritisiert hatten, die Bahn sei zu schnell und zu gefährlich? Warum sind die Stahlträger neben dem Eiskanal nicht geschützt? Und überhaupt: Wie extrem darf Wintersport sein? Aber wenn sie jetzt erwarten, wir könnten Ihnen all diese Fragen beantworten, dann müssen wir sie enttäuschen.

"Und wir sind die Crash-Test-Dummies?"

Fest steht: Die Show wird weitergehen. Der Internationale Rodelverband ist der Meinung, eventuelle Schwachstellen der Bahn seien nicht für den Unfall verantwortlich. Sondern ein Fahrfehler. Der Georgier sei zu spät aus Kurve 15 gekommen, daher nicht korrekt in die nächste gefahren – und habe die Kontrolle verloren. Jetzt wollen sie die Bahn an der Unfallstelle entschärfen und die Wände zum besseren Schutz erhöhen. Doch es gibt viele, denen das nicht reicht.

Denn fest steht auch: Experten halten den Eiskanal für zu gefährlich. Selbst Josef Fendt. "Wir hatten sie für maximal 137 Stundenkilometer geplant. Aber sie ist fast 20 Stundenkilometer schneller. Wir sehen das als Planungsfehler." Josef Fendt ist der Präsident des Internationalen Rodelverbandes. Wesentlich drastischer hatte es die australische Bob-Pilotin Hannah Campbell-Pegg am vergangenen Donnerstag nach einem Trainingslauf ausgedrückt: "Bis zu welchem Grad sind wir nur Lemminge? Sie bauen eine Strecke und wir sind die Crash-Test-Dummies? Es ist unser Leben!" Zuvor war die Rumänin Violeta Stramaturaru nach einem Sturz kurz bewusstlos. Insgesamt gab es im Training ein Dutzend Stürze.

Alles nur Fahrfehler?

Olympiasieger André Lange ist im vergangenen Winter die Bahn in Whistler gar nicht erst hinuntergefahren. Zu gefährlich. Und bevor Nodar Kumaritaschwili verunglückte, war die italienische Rodel-Legende Armin Zöggler aus seinem Schlitten geflogen. Mit blassem Gesicht stapfte der Favorit auf die Goldmedaille an den Journalisten vorbei und verbat sich jeden Kommentar. Die Angst stand ihm ins Gesicht geschrieben. Alles nur Fahrfehler? Der Italiener Walter Plaikner ist Vorsitzender der Technischen Kommission des Rodelverbandes. Und sagte im vergangen Jahr: "Die Bahn in Whistler ist wegen ihrer hohen Geschwindigkeit einzigartig. Dies stellt auch die größte Herausforderung für die Athleten dar."

Nodar Kumaritaschwili hat sich dieser Herausforderung gestellt. Er war ihr nicht gewachsen. Die Show allerdings geht weiter. Aber niemand ist gezwungen, das für richtig zu halten.

Quelle: n-tv.de

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