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Freitag, 03. August 2012

Ruderin Nadja Drygalla im Zwielicht: Vorwürfe gegen Ruderverband

Hier kommt der Autor hin

Befreundet mit einem mutmaßlichen Neonazi, Polizistin und im Olympia-Team: Das muss Ärger geben. Inzwischen wird das Lebensumfeld der aus London abgereisten Ruderin Nadja Drygalla beleuchtet. Klar ist: Ihr Verhältnis zu dem Rechtsextremen war bekannt - Drygalla schied offenbar deswegen aus dem Polizeidienst aus. Und wie kam sie ins Olympia-Team?

Kontakte zur rechten Szene, Abreise aus London und viele offene Fragen: Der Fall Nadja Drygalla hat die Spitze der deutschen Olympiamannschaft in helle Aufregung versetzt. Als die Ruderin aus Rostock vorzeitig die Heimreise antrat, stellte sich Michael Vesper nach einer kurzen Nacht sichtbar angespannt vor die Kameras im deutschen Haus. Der Chef de Mission versuchte mit aller Macht zu verhindern, dass seine Mannschaft vor den Augen der Welt in einen braunen Dunstkreis gerät. "Wenn wir nur den leisesten Hinweis hätten, dass jemand in unserem Kader fremdenfeindlich ist, wäre diese Person nicht in der Olympia-Mannschaft", sagte Vesper und bestritt vehement, dass der Neofaschismus dem deutschen Leistungssport gefährlich nahe komme: "Die These möchte ich mit aller Entschiedenheit zurückweisen."

Michael Vesper wird die Angelegenheit klären müssen.
Michael Vesper wird die Angelegenheit klären müssen.(Foto: dapd)

Zur selben Zeit lehnte Innenminister Hans-Peter Friedrich, der ausgerechnet die Ruder-Wettkämpfe am Dorney Lake verfolgte, auf Anfrage jegliche Stellungnahme zu dem Thema ab. Ebenso hielt es Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Dafür allerdings reagierte das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern, bis September 2011 Arbeitgeber der damaligen Polizeianwärterin Drygalla. "Nachdem im Jahr 2011 dem Innenministerium bekannt wurde, dass auch Personen zum Bekanntenkreis von Nadja Drygalla gehören, die der offen agierenden rechtsextremistischen Szene zugehörig sind, wurden mit ihr intensive Personalgespräche geführt", hieß es. Die Gespräche hätten dazu geführt, "dass Nadja Drygalla einen Antrag auf Entlassung stellte, welchem mit Wirkung vom 30.09.2011 stattgegeben wurde", hieß es weiter.

Wie kam sie hinein?

Warum Drygalla trotzdem ins Olympiateam rücken konnte, ist fraglich - zumal ein Sprecher des Landesinnenministeriums in Schwerin erklärte, der Landesruderverband und der Landessportbund seien im Herbst vergangenen Jahres "unmittelbar" über die Vorgänge um Drygalla informiert worden. Vesper betonte, er und der DOSB hätten erst am Donnerstag von der Sache erfahren.

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DRV-Justiziar Stefan Felsner sagte: "Der Landesruderverband hat uns nichts mitgeteilt. Das wäre mir bekannt." Ulrike Sennewald, Tochter von Landesruderverband-Präsident Hans Sennewald, saß mit Drygalla im Frauen-Achter in London. Der Landesverband war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Rudolf Borchert, Präsidiumsmitglied des Landessport-Bundes Mecklenburg-Vorpommern, bestritt, jemals vom Ministerium informiert worden zu sein. "Darüber habe ich nie etwas erfahren, auch in der letzten Präsidiumssitzung wurde bei uns nicht drüber gesprochen", sagte der sportpolitische Sprecher der Landes-SPD. Vesper erklärte, es wäre "hilfreich gewesen, wenn das Innenministerium uns über seine Gespräche und seine Erkenntnisse zu Nadja Drygalla informiert hätte". Zwar sei es richtig, dass nicht das Innenministerium, sondern der Sport die Sportler für Olympia nominiere, sagte Vesper: "Er kann dabei aber nur solche Erkenntnisse berücksichtigen, über die er von den zuständigen Stellen informiert wird."

Vesper hatte am Morgen während der Pressekonferenz gesagt, der DOSB sei über Journalisten und einen Internetbericht auf das Thema aufmerksam geworden. Demnach soll Drygallas Lebensgefährte Michael Fischer im Landtagswahlkampf für die rechtsextreme NPD angetreten sein. Nadja Drygalla hatte das Olympische Dorf, wie Vesper sagte, aus freien Stücken verlassen, "um keine Belastung für die Olympiamannschaft entstehen zu lassen". Der DOSB begrüße diesen Schritt. Allerdings nahm Vesper Drygalla ausdrücklich in Schutz. Er habe keine Zweifel, dass die 23-Jährige "auf dem Boden des Grundgesetzes und der olympischen Werte steht", sagte der Chef de Mission. Die Rostockerin habe sich von der rechtsextremen Szene distanziert. Mehrere Ruderer gaben an, niemals eine rechte Gesinnung bei Drygalla bemerkt zu haben.

Die Verbindung zu einem anscheinend rechtsextremen Partner machte Vesper der Ruderin nicht zum Vorwurf. "In Deutschland gibt es Gott sei Dank den Grundsatz, dass jeder für seine eigenen Taten verantwortlich ist und nicht für die seines Umfeldes", sagte er. Man würde jedem Menschen Unrecht tun, wenn man ihn über "einen anderen Menschen aus seinem persönlichen Umfeld definieren würde". Vesper räumte aber ein, dass "die Geschichte nicht unproblematisch ist". Einzelheiten des Gespräches mit Drygalla wollte er aber nicht nennen.

Auch Siegfried Kaidel, Präsident des Deutschen Ruderverbandes (DRV), sagte, er wolle Drygalla nicht vorverurteilen. "Wir werden mit ihr in Ruhe sprechen, wenn wir wieder zu Hause sind. Wenn sich bestätigt, dass sie nichts damit zu tun hat, warum soll sie nicht weitermachen? Es gab für uns nie Anzeichen, dass an den Vorwürfen etwas dran sein könnte."

"Backpfeife für Schwarze"

Der NDR berichtete, bereits im Frühjahr 2011 seien Meldungen über Drygallas Verhältnis zu dem mutmaßlichen Neonazi aufgetaucht. Informationen aus der linken Szene zufolge ist Drygallas Freund ein "Kopf" der Kameradschaft "Nationale Sozialisten Rostock" und hielt sich ebenfalls in London auf. Fischer hatte bei der vergangenen Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern für die rechtsradikale NPD kandidiert.

Auf der Internetseite der Nazi-Kameradschaft wird eine "Backpfeife für Schwarze" per Newsposting bejubelt und ein "Neger-Sonderbonus" sowie eine "Negerflut" in der Stadt an der Ostsee moniert. Gegen den Staat solle "Widerstand nicht in Worten, sondern in Taten lebendig werden". Fischer teilt diese Ansicht offenbar, auch auf der Straße ist der Neonazi aktiv: So soll er etwa einen versuchten Angriff auf eine Gedenkkundgebung für ein Opfer des Nationalsozialistischen Untergrunds angeführt haben.

Quelle: n-tv.de