Technik

Geliefert wird schon vor der Bestellung Amazon überholt seine Kunden

Schon heute liefert Amazon erstaunlich schnell aus. In Zukunft aber will das Unternehmen die Ware schon verschicken, bevor sie der Kunde überhaupt bestellt hat. Wie geht das denn?

Der Begriff "Sofortness" wurde schon 2007 von dem Journalisten Peter Glaser für einen Artikel in der "Technology Review" geschaffen. Damals machte sich der in Berlin lebende Österreicher über die digitale Revolution lustig, die den Menschen Zeitersparnis versprochen hatte, aber mit quälend langsam hochfahrenden Computern letztendlich sogar Zeit stahl. Inzwischen steht der Begriff für die Gier der Nutzer, etwas, das sie haben wollen, möglichst sofort zu bekommen.

Amazon_Patentzeichnung.png

Auf dem Papier sieht vorausschauender Versand einfacher aus als er tatsächlich ist.

(Foto: USPTO)

Bei Downloads hat man die Sofortness fast schon erreicht, gekaufte Songs sind in wenigen Sekunden auf dem Smartphone. Beim Online-Versand muss man zwar noch mindestens einen Tag warten, bis der Paketdienst klingelt oder eine SMS zur Packstation ruft. Aber es ist schon erstaunlich, wie schnell vor allem Amazon seine ungeduldigen Kunden befriedigen kann. Doch wie das "Wall Street Journal" berichtet, ist dem weltgrößten Online-Versandhändler selbst Sofortness noch nicht schnell genug. Es hat sich kürzlich eine Methode patentieren lassen, die es "anticipatory shipping" ("vorausschauender Versand") nennt.

Paket sucht Käufer

Amazon schreibt in dem Patentantrag, manche Kunden verzichteten vielleicht auf eine Bestellung, weil sie die Ware nicht sofort haben könnten. Deshalb möchte der US-Versand-Riese Produkte bereits verpacken und verschicken, bevor sie überhaupt bestellt wurden. Sie sollen in Gebiete transportiert werden, wo eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie dort Kunden schon bald kaufen werden.

Amazon will sogar so weit gehen, die Adressen bis auf Straßen, Wohngebiete oder Häuserblöcke vorab auszufüllen. Bei populären Büchern oder Produkten, die viele Menschen am Tag ihres Erscheinens haben möchten, funktioniere die Methode besonders gut, heißt es im Patentantrag. Das ist nicht allzu weit hergeholt, tatsächlich hätte Amazon blind Playstation-3-Konsolen verschicken können, wenn es denn genügend gehabt hätte.

Um bei weniger populären Produkten herauszufinden, was wo wann gefragt sein könnte, nutzt Amazon Instrumente, die es jetzt schon einsetzt, um Nutzern meist sehr passende Empfehlungen zu geben. Dazu gehören Bestell-Historien, Produkt-Suchen, Wunschlisten, Rücksendungen oder Waren im Einkaufskorb, die noch nicht geordert wurden. Amazon möchte sogar die Zeit messen, die der Cursor über einem Produkt verweilt.

Transport muss optimiert werden

Noch ist offen, ob und wann Amazon das Patent umsetzen wird. Wenn es dies tut, wird für das Unternehmen wahrscheinlich die Logistik die größere Herausforderung sein als die Analyse der Nutzervorlieben - kaum ein anderes Unternehmen dürfte seine Kunden besser kennen als Amazon. Um aber das Vorhaben nicht nur kostendeckend, sondern auch profitabel zu gestalten, müssen Lastwagen möglichst voll beladen möglichst kurz unterwegs sein. Deshalb wäre Amazon notfalls auch bereit, ein fehlgeleitetes Produkt einem Kunden zu schenken.

Quelle: n-tv.de