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Die wunderbaren zwei Seelen des Videospiels Beyond lässt das Herz nicht los

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Berührend: Ellen Page als Jodie.

(Foto: Sony / Quantic Dream)

Eine wundervolle Ellen Page als Jodie, dazu Willem Dafoe und Klänge aus Hollywood, die vor den Bildschirm bannen: Beyond Two Souls ist ein emotionales Erlebnis. Jodie und ihre unsichtbare Macht geraten in ein verhängnisvolles Spiel bis in eine andere Welt. Beyond greift nach dem Herz und lässt es nicht los.

Jodie ist ein kleines Mädchen. Ein Versuchssubjekt. Eine Heranwachsende, die Partys feiern will; eine junge Erwachsene, eine Kampfmaschine, eine abhängige Individualistin. Jodie ist die beste Waffe der CIA. Doch dann entdeckt sie, dass da noch mehr ist als Aufträge ausführen, gemeinsam mit der mysteriösen Existenz Aiden. Diesem unsichtbaren, aber machtvollen Wesen, das immer bei ihr ist. Aiden hat Emotionen, handelt, hilft in lebensbedrohlichen Situationen - oder auch, wenn es bloß um Alltagsprobleme eines Mädchens geht.

Jodies Leben im Playstation-3-Titel Beyond Two Souls ist eines auf der Flucht. Vor sich selbst, der Konfrontation mit Aiden und der Frage nach dessen Herkunft. Warum sie anders ist als die anderen. Zwischen begrenztem spielerischen Anspruch steckt eine Grundmelancholie, die bisweilen in pure, berührende Traurigkeit umschwingt. Vor dem Bildschirm verschwindet die Zeit. In der emotionalen Strahlkraft wird die Nähe zum Film deutlich. Vehikel sind vor allem die Schauspieler Ellen Page und Willem Dafoe. Page ist als Jodie Holmes die zentrale Protagonistin, während Dafoe den Wissenschaftler und Ersatzvater Nathan Dawkins spielt.

In Videospielen ungesehen

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Hervorragend eingearbeitet: Willem Dafoe.

(Foto: Sony / Quantic Dream)

Beyond Two Souls ist mehr Geschichte als bloßes Videospiel. Es is t wohl vor allem ein "Storytelling Game", ein Genre in der Videospielewelt, das besonders durch "The Walking Dead" populär geworden ist, einer alternativen Erzählung der Zombie-Apokalypse aus der gleichnamigen Fernsehserie. Es regnete Auszeichnungen, so wie zuvor bereits für Beyonds Vorgängerwerk "Heavy Rain". Damit hatten David Cage und sein Entwicklerstudio Quantic Dream bereits 2010 die gleichen Fragen aufgeworfen: Ist das noch ein Spiel? Ein interaktiver Film? Oder etwas dazwischen?

Mit simultan arbeitenden Bewegungs- und Mimiksensoren sowie Audioaufnahmen führte Quantic Dream mit den beiden Schauspielern Dreharbeiten durch. Die Mimik, die Augenbewegungen und detaillierten Gesichtsregungen, im Besonderen von Ellen Page, ist etwas zuvor Ungesehenes in Videospielen. Das Ergebnis packt das Herz und lässt nicht wieder los.

Willem Dafoe ist eindeutig erkennbar; etwa, wie er den Kopf beim Reden neigt oder senkt; seine Bewegung beim intensiven Zuhörens, wenn Jodie von den Monstern aus der Infrawelt berichtet, die sie jagen. Dazu kommen die Original-Synchronsprecher. Grafisch ist der Playstation-3-Exklusivtitel wohl das Beste, was je auf der Konsole bislang umgesetzt wurde. Das könnte so bleiben, denn nun kommt die neue Generation, Playstation 4 und Xbox One.

Intensive Spannungsbögen

Die emotionale Nähe zu Jodies Kompagnon mit Controller entsteht in Beyond Two Souls durch eine Kombination aus dezenten Gesichtsregungen, Lichtreflektionen, Materialbeschaffenheiten, immer wieder wechselnden Kameraeinstellungen, Schnitten und Unschärfen. Der Soundtrack von Hollywood-Größe Hans Zimmer (Fluch der Karibik, The Dark Knight Rises) intensiviert die Spannungsbögen und die Emotionalität noch einmal. Es ist beeindruckend, was Quantic Dream hier umgesetzt haben.

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Salim ist Jodies Verbündeter - bis sie tötet.

(Foto: Sony / Quantic Dream)

Beyonds filmische Geschichte ist im ersten Moment ni cht stringent. Immer wieder werfen die Macher den Spieler alias Jodie in unterschiedliche Einzelsituationen, die er bewältigen muss. Etwa, wenn das Department of Paranormal Activities das kleine Mädchen für Tests einspannt, sie einsperrt, weil ihr Zorn mit Zerstörungswut von Aiden einhergeht. Wie der US-amerikanische Geheimdienst sie trainiert, damit sie Aufträge ausführen kann. Wie sie flieht, untertaucht, wieder ins Netz geht. Es braucht Aufmerksamkeit und Interpretation, um den zeitlichen Ablauf zu rekonstruieren.

Das Schlüsselerlebnis für Jodies Erweckung ist ein Auftrag für die CIA, bei dem ihr Vorgesetzter Ryan sie anlügt. In der Folge tötet sie in Somalia einen Mann namens Jamaal. Als sie per Helikopter vor dem wütenden Lynchmob gerettet wird, schwingt auch der kleine Salim die Faust gegen Jodie, die eine Freundin zu sein schien. Sein Schmerz ist nun Hass, denn Jaamal war ein Friedensbringer. Als Jodie dies erfährt, flieht sie - und wird fortan selbst zur Gejagten.

Kein einfacher Ausweg

Beyond zieht den Spieler in seine Welt und lässt seine Magengegend rumoren. Intensiv ist es, wenn Jodie sich frierend durch die schneebedeckten Straßen schleppt, vom Obdachlosen Stan gerettet wird und sie sich mit Hilfe von Aiden revanchiert, Kontakt zu seinen verstorbenen Liebsten herstellt. Kurz ist Jodie hilflos. Ohne Geld. Ohne Perspektive. Und als letzte Option der Aufschlag auf die Straße weit unter sich. "Exit West" heißt es auf einem Straßenschild am Rand ihrer Wahrnehmung.

Doch Jodie nimmt diese einfache, sichtbare Ausfahrt nicht. Sie bleibt in der Welt, lernt über sich, findet zu sich selbst. Und wird am Ende zu ihrer Retterin.

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Quelle: n-tv.de

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