Technik

Anklage: DVDs geknackt "DVD Jon" vor Gericht

Zum Auftakt des DVD-Prozesses gegen den 19 Jahre alten Jon Lech Johansen hat sich der angeklagte Norweger für unschuldig erklärt. Vor drei Jahren hatte Johansen ein kurzes Programm zur Entschlüsselung von DVD-Filmen entwickelt. Daraufhin hatte ihn die Movie Pictures Association, eine Organisation großer Filmgesellschaften, angezeigt.

Johansen wird vorgeworfen, sich illegal Zugang zu fremden Daten verschafft zu haben. Er hatte die Software im Alter von 15 Jahren entwickelt, um DVD-Filme auf seinem Linux-Rechner ansehen zu können. Sein Programm ermöglichte die kostenlose Vervielfältigung von DVD-Filmen im Internet; der Kopierschutz lässt sich mit der Software von "DVD Jon", wie Johansen in Norwegen genannt wird, problemlos knacken.

Johansen stellte seine Entwicklung unter dem Namen DeCSS ins Internet. 5.000 Kopien wurden allein in den ersten drei Monaten herunter geladen. Hollywood tobte, in der Computergemeinde avancierte Johansen zum Volkshelden.

In der Anklageschrift heißt es, der Zugang zu den DVD-Daten sei ein Missbrauch. Die Filme würden unter der Bedingung verkauft, dass die Nutzer autorisierte Abspielprogramme verwendeten und den Kopierschutz beachteten. Anwälte des Angeklagten wenden ein, ihr Mandant habe nichts Verbotenes getan. Er habe lediglich ein kleines Programm mit Hilfe eines Codes geschrieben, den andere entwickelt und ihm geschickt hätten.

In den USA gilt der Prozess als Testfall für die Einschränkung der Ausdrucks- und Meinungsfreiheit. Anhänger des norwegischen Computerfreaks sehen in seiner Softwareentwicklung eine beachtliche intellektuelle Übung und keineswegs den Versuch, urheberrechtlich geschütztes Material zu stehlen. Den Kopierschutz aus sich selbst heraus zu überwinden, sollte nicht als kriminell betrachtet werden, argumentieren sie. Freilich bescherte seine Übung der Filmindustrie einen erheblichen Schaden.

Schon drei Prozesse beschäftigten sich in den Vereinigten Staaten mit DeCSS. Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung Electronic Frontier Foundation hat die strafrechtliche Verfolgung Johansens als überzogene Anwendung von Gesetzen gegeißelt, die zur Ahndung schwerwiegender Vorgehen, etwa dem Knacken eines Bank-Codes, eingeführt worden seien.

Der Prozess ist auch ein wichtiger Test für Norwegens strenge Gesetzte gegen Computerpiraterie. Als Höchststrafe drohen Johansen zwei Jahre Gefängnis sowie eine hohe Geldbuße. Dass der Teenager im Gefängnis landen wird, glaubt indes kaum jemand.

Quelle: ntv.de