Technik

Eine Schummelei zuviel Das Ende des WeTab

Helmut Hoffer von Ankershoffen erreicht mit seiner getürkten Lobhudelei auf Amazon vermutlich genau das Gegenteil von dem, was er wollte: Der Ex-Geschäftsführer schlägt den letzten Nagel in den Sarg des WeTab.

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Helmut Hoffer von Ankershoffen hat sich bis auf die Knochen blamiert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit seinen getürkten Amazon-Rezensionen hat sich Helmut Hoffer von Ankershoffen nicht nur unsterblich blamiert und wahrhaft zum "WeDeppen" gemacht. Der Ex-Geschäftsführer der WeTab GmbH hat mit seinen peinlichen Lobhudeleien unter falschem Namen seinem geliebten Tablet wahrscheinlich endgültig das Licht ausgeblasen. Denn auch wenn die Überlebenschancen für den "deutschen iPad-Herausforderer" nur noch marginal waren, gab es sie davor immerhin noch.

Wohlwissend, zu welchen Kapriolen Ankershoffen fähig ist, hatte ihn die PR-Feuerwehr Fink & Fuchs ruhiggestellt, um kurz vor dem Verkaufsstart ein so weit wie möglich seriöses Marketing für das WeTab zu starten. Und auch wenn die ersten ausgelieferten Tafelrechner alles andere als iPad-Rivalen waren, konnten die PR-Profis und Technik-Vorstand Stephan Odörfer ein kleines Hoffnungs-Pflänzchen am Leben halten. Die fehlenden Funktionen sollten scheibchenweise alle zwei, drei Wochen oder vierteljährlich als Updates nachgereicht werden.

Updates spielen keine Rolle mehr

Eigentlich war für diese Woche ein Bericht über die ersten Updates geplant. Denn es hat tatsächlich einige winzige Verbesserungen gegeben: ein bisschen Multitouch im Bildbetrachter, ein aktiver HDMI-Anschluss, einige Bugfixes und Aktualisierungen. Auch dieser Bericht wäre alles andere als schmeichelhaft ausgefallen und hätte die Zukunft des WeTab in düsteren Farben gemalt.

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Die Claudia-Kaden-Rezension wurde von Amazon erstaunlicherweise nicht entfernt.

Aber das spielt jetzt alles keine Rolle mehr. Wer will denn jetzt noch so ein Ding zu kaufen? Die WeTab-Kundschaft dürfte nach den Schummel-Rezensionen gegen Null tendieren. Wie mies muss ein Produkt sein, dessen Vorzüge der Chef nur noch unter falschem Namen preisen kann? Und von denen, die bereits einen viel zu teuren halbfertigen Tablet-Rechner gekauft haben, werden sicher nicht wenige das Paket für den Rückversand schnüren - wenn sie es nicht schon längst getan haben. Selbst die PR-Schwergewichte von Fink & Fuchs werden es jetzt nicht mehr schaffen, den K.o. des WeTab noch abzuwenden.

Wer zahlt die Zeche?

Doch die Münchner PR-Agentur dürfte noch am besten aus dem Schlamassel herauskommen. Vielleicht werden ihre Forderungen nicht erfüllt, aber was soll's. Das Image der Agentur dürfte durch die Niederlage in einem hoffnungslosen Kampf kaum angekratzt werden.

Irgendjemand aber muss die Zeche für das WeTab-Desaster zahlen. Wie viel das Tablet-Abenteuer tatsächlich gekostet hat, können vermutlich auch Analysten nur wage schätzen. Wie sieht die Vereinbarung mit dem Hardware-Lieferanten aus? Haben Intel und Nokia Geld fließen lassen? Schließlich haben sie das Betriebssystem MeeGo beigesteuert.

Ankershoffen und Co. ließen immer offen, wo das Geld für die angeblich jahrelange Entwicklung herkam. In der Neofonie GmbH geht vermutlich die Job-Angst um. Denn sie ist die eigentliche Mutter des WeTab. Geschäftsführer Helmut Hoffer von Ankershoffen verkündete bei der ersten Chaos-Präsentation des WePad stolz, Neofonie habe seinen Beitrag ohne Fremdkapital geleistet.

Kein iPad-Killer von der Stange

Was kann man aus dem Desaster lernen? Nun, es dürfte jetzt wohl klar sein, dass man mit Hardware von der Stange und einer netten Idee keinen iPad-Killer aus dem Boden stampfen kann. Dies gilt auch für fast alle anderen Tablet-Rechner, die auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin oder anderswo gesichtet wurden. In der 10-Zoll-Klasse kann bisher kein Android- oder Windows-Konkurrent dem Apple-Tablet das Wasser reichen.

Bei den kleineren Geräten sieht dies etwas anders aus. Samsungs Galaxy Tab ist der Meister der 7-Zöller, und vielleicht gelingt in dieser Kategorie auch RIM mit dem PlayBook der große Wurf. Beide Tablets sind aber alles andere als Stangenware - zu Spottpreisen werden auch sie nicht angeboten.

Bitte keine Treibjagd

Und was Helmut Hoffer von Ankershoffen betrifft: Der Mann hat viele Fehler gemacht und sein Verhalten ist nicht zu rechtfertigen. Kriminell ist er deswegen aber noch lange nicht. Vermutlich lag sein einziges Vergehen darin, ein überteuertes mittelmäßiges Produkt als Hightech-Leckerbissen angepriesen zu haben. Aber damit steht er in der Branche sicher nicht alleine da.

Alle, die jetzt verbal zur Treibjagd auf Ankershoffen blasen, sollten sich im Klaren darüber sein, dass es sich um einen Menschen handelt. Und der scheint bereits sehr verzweifelt zu sein. Anders ist seine dilettantische Amazon-Aktion nicht zu erklären. Wer unzufrieden mit seinem WeTab ist, kann es zurückgeben. Wer keins hat, muss sich nicht aufregen.

Quelle: ntv.de

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