Technik

Display bruchsicher, Akku stark Das Moto X Force hält viel aus

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Fast unkaputtbar: Das Moto X Force macht auch draußen viel mit.

(Foto: jwa)

Das Moto X Force macht Schluss mit gesprungenen Bildschirmen: Es ist das erste Smartphone mit bruchsicherem Display-Glas. Aber hält es auch, was es verspricht? Und hat das X Force noch andere besondere Eigenschaften?

Motorola baut Smartphones, die oft etwas mehr können als die Geräte der Konkurrenz: Das Moto X trumpfte mit Gesten- und Sprachsteuerung, das Moto G mit unschlagbarem Preis-Leistungsverhältnis und das X Play mit dickem Akku auf. Dazu können Kunden im Moto Maker ihr eigenes Gerät nach Belieben zusammenstellen, inklusive Rückseiten aus Bambus oder Leder. Das Moto X Force, drittes Spitzenmodell neben X Play und X Style, zeichnet sich durch seine Robustheit aus: Das wuchtige Handy ist gegen Stürze geschützt und hat ein bruchsicheres "ShatterShield"-Display.

Liebhaber filigranen Designs werden mit dem X Force wohl schon allein deshalb nicht glücklich, weil hier nicht Schlankheit und edler Look im Vordergrund stehen. Dafür hat es einen stabilen Metallrahmen, in der Standardausstattung eine Rückseite aus Nylongewebe und strahlt Widerstandsfähigkeit aus. Das Display ist leicht versenkt, ein schmaler Rand und ein hervorstehender Metallstreifen am Telefonlautsprecher sorgen dafür, dass es nicht plan aufliegt, wenn es mit dem Gesicht nach unten aus der Hand gelegt wird.

Display hält, Macken bleiben

Die wichtigsten technischen Daten

  • System: Android 6.0 Marshmallow (als Update)
  • Display: 5,4 Zoll, Quad-HD, 2560 x 1440 Pixel, 540 ppi
  • Prozessor: Snapdragon 810, 2,2 GHz
  • Arbeitsspeicher: 3 GB
  • Interner Speicher: 32 GB + microSD
  • Kamera: 21 MP, f/2.0, Dual-LED, 4K-Video
  • Frontkamera: 5 MP, LED-Blitz
  • LTE Cat. 6, WLAN ac, MIMO
  • Bluetooth 4.1, NFC
  • Akku: 3760 mAh
  • Gewicht: 169 g
  • Abmessungen: 149,8 x 78 x 7,6-9,2 mm

Das Gehäuse erweist sich im Praxiseinsatz allerdings als nicht ganz so robust: Die Nylonabdeckung der Rückseite bekommt schnell Gebrauchsspuren, Macken im Metallrahmen sind bleibende Zeugen von Stürzen und unvorsichtiger Behandlung. Wer sein X Force aber tatsächlich vor allem wegen des ShatterShield-Versprechens kauft und nicht vorrangig wegen schicker Optik, wird das hinnehmen können. Im Moto Maker gibt es zudem auch Rückabdeckungen aus anderen Materialien, Leder kostet 20 Euro extra. Und das Display hält dank spezieller fünffacher Schichtung Stürzen auch auf harten Untergrund stand. Motorola ist so überzeugt von der Bruchsicherheit, dass es vier Jahre Garantie auf nicht vorsätzlich herbeigeführte Displayschäden gibt.

Doch was hat das Moto X Force unter seiner harten Schale zu bieten? Für den vergleichsweise hohen Preis von derzeit 649 Euro aufwärts darf es nicht weniger als Spitzentechnik sein. Ein Fingerabdruck-Scanner fehlt zwar, ansonsten hat das X Force aber eine Top-Ausstattung - allerdings aus 2015, denn in den USA kam es bereits im vergangenen Jahr als Droid Turbo 2 auf den Markt. Der Arbeitsspeicher ist 3 Gigabyte groß, der Prozessor, ein Snapdragon 810, ist das letztjährige Spitzenmodell des Herstellers Qualcomm und war wegen Hitzeproblemen in die Schlagzeilen geraten.

Wärmendes Innenleben

Tatsächlich: Wie andere Geräte auch, wird das X Force mit diesem Chip unter Volllast schnell warm, die Leistung wird zum Schutz vor Überhitzung daraufhin gedrosselt ("Throttling"), worunter die Performance leiden kann - im Alltagseinsatz dürfte das aber den wenigsten auffallen. Im Benchmark-Test erreicht es gute Werte, kann aber mit der aktuellen Oberklasse nicht mehr mithalten: Im Antutu-Benchmark kommt es auf knapp 70.000 Punkte, etwas weniger als das Sony Xperia Z5, das Nexus 6 und das Samsung Galaxy S6.

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Nylon-Rückseite und Metallrahmen des Moto X Force überstehen Stürze nicht immer unbeschadet.

(Foto: jwa)

Beim Display gibt es gute und schlechte Seiten: Mit seiner 2K-Auflösung ist der 5,4-Zoll-Bildschirm knackig scharf, das AMOLED-Display stellt Farben und Kontraste gut dar. Die Helligkeit ist aber nicht besonders hoch, im hellen Tageslicht wären etwas mehr Reserven hilfreich. Zudem ist ein leichter Grünstich erkennbar, ein bekanntes Problem bei AMOLED-Bildschirmen. Der breite Rand ums Display ist der robusten Bauweise geschuldet, wirkt aber im Zeitalter von hauchdünnen Rahmen etwas angestaubt.  

Klasse Kameras

Die Kamera des X Force ist klasse und mit zweifachem Druck auf die Ein/Aus-Taste sofort startklar. Mit 21 Megapixeln schießt sie scharfe Bilder mit vielen Details, schöner Unschärfe (Bokeh) und guter Farbwiedergabe, die Auslösezeit ist schnell, das Bildrauschen hält sich in Grenzen. Beim Kameratest von DxOMark belegt sie mit 84 Punkten aktuell den vierten Platz, gleichauf mit dem iPhone 6 Plus und Googles Nexus 6P. Vor allem im HDR-Modus gelingen gute Bilder, ohne HDR wirken Aufnahmen an grauen Tagen etwas blass. Auch die 5-Megapixel-Frontkamera ist klasse, der Sensor ist mit besonders großen Pixeln gut für Bilder im Dunkeln geeignet, ein LED-Blitz hellt zusätzlich auf. Die Software ist reduziert und mit etwas Gewöhnungszeit gut zu bedienen. Zum Aufnehmen von Fotos reicht es zum Beispiel, eine beliebige Stelle im Sucherbild anzutippen. Der Fokus kann mit dem Finger beliebig verschoben werden, die Helligkeit lässt sich direkt am Fokus manuell anpassen, ein Wisch nach oben zoomt ins Bild.

Dicker Akku fix geladen

In den Verkauf ging das Moto X Force noch mit einer unveränderten Version von Android 5.1 Lollipop, inzwischen ist das Update auf Marshmallow aber verfügbar. Auch hier verzichtet Motorola auf eigene optische Anpassungen, die Oberfläche ist pures Android. Das trägt zur Antrittsschnelligkeit des Smartphones bei und garantiert eine entschlackte und aufgeräumte Software.

Beim Akku zeigt das X Force seine wahre Stärke: Mit satten 3760 Milliamperstunden lässt es nahezu die gesamte Android-Konkurrenz hinter sich, die Laufzeit reicht bei normaler Nutzung für bis zu zwei Tage, trotz der hohen Displayauflösung, die ordentlich Strom verbraucht. Per Schnellladefunktion ist die Batterie flott wieder vollgetankt.  

Das X Force ist damit zwar ein besonderes Smartphone, denn ähnlich ausdauernd und robust sind nur wenige Geräte. Doch seine Technik ist nicht mehr auf dem neuesten Stand, ein Fingerabdruck-Scanner fehlt - trotzdem kostet es noch genau so viel wie die Spitzen-Smartphones des noch jungen Jahres 2016. Wer sich für das X Force entscheidet, wird es also wahrscheinlich nicht wegen des Innenlebens tun, sondern vorrangig wegen Stabilität und Ausdauer - eine gute Kamera gibt's dann als Bonus dazu.

Quelle: n-tv.de