Technik

Kurz, digital - Smartfilm Das Smartphone wird zur Filmkamera

Schnell noch ein Katzenvideo hochladen? Den fröhlichen Junggesellenabschied mit dem Handy gefilmt? Internetclips findet man zuhauf. Doch sie können viel mehr. Das will auch der Samsung Smartfilm Award beweisen. Denn hier gilt: Gedreht wird mit dem Smartphone.

Jeder ist ein Künstler: Das ist das Versprechen der  Digitaltechnik. Ob Musik, Fotografie oder Film: Mit der entsprechenden Technik und den entsprechenden Programmen kann jeder Werke erstellen, sie im Internet veröffentlichen und sogar verkaufen. Mittlerweile reicht sogar ein Smartphone aus, um qualitativ hochwertige Fotos zu machen oder Filme zu drehen.

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"Der perfekte Plan" von Walter Weber ist einer der Filme, die in der Kategorie Comedy nominiert sind.

(Foto: Youtube)

Das weiß auch der Technologieriese Samsung. Passend zur derzeit stattfindenden Berlinale vergibt er am 14. Februar zum zweiten Mal den Samsung Smartfilm Award. Der Name des Preises leitet sich von "Small Art Film" ab - also kleinen, künstlerischen Filmen, die maximal fünf Minuten dauern dürfen. Smartfilm könnte aber auch von Smarthphone-Film kommen. Denn eine Bedingung für den Wettbewerb ist, dass die Filme ausschließlich mit einem Galaxy Note 3 aus dem Hause Samsung gedreht wurden.

"Die Tatsache, dass hier mit Smartphones gedreht wird, gibt bereits eine bestimmte Ästhetik vor", sagt Jörg Buttgereit im Interview mit n-tv.de. Der Künstler dreht seit den frühen 80er Jahren Filme. Horrorstreifen wie "Nekromantik" und "Schramm" machten ihn in der deutschen Independent-Szene bekannt. Und nicht nur dort: Auch im Rest Europas, in Japan und den USA erschienen seine Filme und sorgten für Aufregung bei den Filmbehörden. Denn Buttgereit brach Tabus, thematisierte Nekrophilie und Selbstmord und ließ das Kunstblut ordentlich fließen.

200 Bewerber, fünf Kategorien

Beim Samsung Smartfilm Award fungierte Buttgereit nun als Mentor - natürlich für das Genre Horror. Es ist eine von fünf Kategorien, in denen jeweils drei Filme gegeneinander antreten: Neben Horror sind das Comedy, Dokumentation, Drama und Experimental. Ausgewählt wurden die je drei Kandidaten aus etwa 200 Bewerbungen, die von den unterschiedlichsten Menschen stammten: Junge Filmstudenten nahmen ebenso teil wie Künstler ohne Erfahrungen im Filmbereich oder absolute Laien. Zunächst stimmte die Internet-Community über die besten Filmkonzepte ab. Dann wählten die Mentoren der einzelnen Kategorien die drei überzeugendsten Ideen aus.

Buttgereit hatte bei seiner Auswahl einen besonderen Anspruch: "Ich habe vornehmlich darauf geachtet, dass ich Leute auswähle, die total unterschiedlich sind", sagt er. Zudem sollte unbedingt eine Frau dabei sein. "Es gab in der Kategorie Horror überhaupt nur drei Einreichungen von Frauen und ich fand es wichtig, dass sich auch Filmemacherinnen an diesem Genre versuchen, weil das so gut wie nicht stattfindet."

Als Mentor veranstaltete Buttgereit mit den drei Horror-Filmern einen Workshop, in denen er ihnen wichtige Tipps und Kniffe gab. Dabei gab es bereits einige Vorgaben: Der Film sollte das Thema "Letzte Nacht" behandeln. Zudem durften sie maximal fünf Minuten lang sein und lediglich mit dem Smartphone gedreht werden. Dies war für Buttgereit der erste Ansatz: So riet er den Filmemachern, sich die Smartphone-Ästhetik inhaltlich zunutze zu machen und ihr Konzept entsprechend zu überprüfen.

"Sie müssen sich dann einfach beschneiden"

Außerdem gab er den Filmemachern ein paar dramaturgische Tipps. "Oft war es so, dass beim Zuschauer zu viel Vorwissen vorausgesetzt wurde", sagt Buttgereit. "Ich hatte Angst, dass der Zuschauer gar nicht begreift, was die Filmemacher erzählen wollen." Angesichts von gerade mal fünf Minuten Laufzeit war das durchaus eine Herausforderung für die Nachwuchsfilmer. Wobei Buttgereit selbst darin kein Problem sah. "Ich bin so etwas ja von früher gewohnt", erzählt er im Interview. "Ich habe auf Super 8 gedreht und so eine Filmkassette hat je nach Laufgeschwindigkeit zweieinhalb oder drei Minuten." Deshalb habe er schon immer unter Sparzwang gedreht. Seiner Dramaturgie, findet er, habe dies jedoch gut getan. Die Idee, den Nachwuchsfilmern diese Zeitvorgabe zu machen, findet er deshalb gut. "Sie müssen sich dann einfach beschneiden - im wahrsten Sinne des Wortes."

Nach Auswahlverfahren und Workshop hatten die Teilnehmer im Januar etwa zwei Wochen Zeit, um ihre Filme zu drehen und fertigzustellen. Nun stehen sie wieder im Internet zur Wahl. Auf Facebook kann man nicht nur die fertigen Kurzfilme sehen - insgesamt 15 Stück. Man kann bis Donnerstag auch für jede Kategorie einen Favoriten wählen. Die Sieger jeder Kategorie werden auf einer Veranstaltung am Freitag im Berliner Babylon Mitte ausgezeichnet.

Vielleicht wird einer der Teilnehmer demnächst dann auf der großen Kinoleinwand reüssieren. Dass er dafür dann ebenfalls zum Smartphone greift, ist allerdings unwahrscheinlich. Schließlich können diese Geräte mit der ganz großen Technik - noch - nicht mithalten. Doch die Filme des Samsung Smartfilm Awards beweisen zumindest, dass Smartphone-Filme mehr sein können als süße Katzenvideos. Im besten Fall verbinden sie die Spontanität des Internetclips mit dem künstlerischen Anspruch des Kurzfilms.

Quelle: ntv.de, mli

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