Technik

Schweizer werden aktiv Datenschutz überprüft Windows 10

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Cortana macht's richtig: Sie fordert erst die Zustimmung des Nutzers ein, bevor sie seine Daten auswertet.

(Foto: kwe)

Microsoft steht in der Kritik, weil Windows 10 angeblich zu viele Nutzerdaten abgreift. Auch der Schweizer Datenschutz sieht Klärungsbedarf und wird aktiv. Er fordert Antworten auf Fragen, die auch viele deutsche Nutzer bewegen.

Zahlreiche Nutzer zögern derzeit noch, ihre Rechner auf Windows 10 zu aktualisieren. Nicht weil die Hardware zu schwach ist, das Betriebssystem zu unzuverlässig wirkt oder die Neuerungen als überflüssig betrachtet werden. Es ist Microsofts angeblich ungezügelte Datensammel-Wut, die ihnen Sorgen bereitet. Laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz ist Windows 10 "eine Art private Abhöranlage", die für Microsoft die Nutzer "bis zum letzten Klick überwacht".

Auch wenn diese Einschätzung eher aus der Hüfte geschossen als nüchtern analysiert wirkt, spiegelt sie doch die Meinung nicht weniger Menschen über Windows 10 wider. Sie ist durch die überwiegend negativen Schlagzeilen der vergangenen Wochen geprägt, die Microsoft bisher nicht offiziell kommentiert und schon gar nicht mit Richtigstellungen kontert. Beispielsweise, dass nicht alle Fotos, Dokumente, Videos und Musiktitel ausgewertet werden, sondern nur die, die Nutzer zu OneDrive oder einen anderen Microsoft-Dienst hochgeladen haben. Auch der deutsche Windows-10-Produktmanager Boris Schneider-Johne beschränkt die Aufklärung auf Tweets.

Empörte Piraten

Jetzt könnte aber der Schweizer Datenschutz Microsoft dazu zwingen, endlich klar Stellung zu beziehen. Die "Handelszeitung" berichtete, die Schweizer Piratenpartei habe den obersten Datenschutzbeauftragten Hanspeter Thür aufgefordert, Windows 10 unter die Lupe zu nehmen. Die Piraten werfen Microsoft vor, einen "gewaltigen Datenhunger" zu haben und kritisieren unter anderem auch Werbung in den Basis-Apps. "In einem Ausbeutungssystem dafür bezahlen zu müssen in Anwendungen nicht mit Werbung belästigt zu werden, ist vollkommen inakzeptabel", sagt Partei-Co-Präsident Guillaume Saouli.

Die Piraten fordern ein sogenanntes Opt-in. Das bedeutet, Nutzer müssen grundsätzlich erst ihre Zustimmung geben, bevor eine Funktion aktiviert und Daten gesammelt werden können. Dass Microsoft ermöglicht, während der Installation und auch später die Einstellungen relativ unkompliziert anzupassen, genügt der Partei nicht. Laut "Handelszeitung" erwarten die Piraten von Thür, zu klären, welche persönlichen Daten an wen weitergegeben werden, wo sie gespeichert werden und wie lange. Zudem müsse Thür prüfen, ob die Kunden richtig über die Nutzung ihrer Daten aufgeklärt werden.

Der Datenschutzbeauftragte ist der Aufforderung offenbar schon zuvorgekommen. Er kläre derzeit ab, inwiefern die Datenbearbeitungen bei Windows 10 mit dem Datenschutzgesetz vereinbar sind, berichtete "inside-it.ch". Diese Prüfung habe bereits vor der Forderung der Piratenpartei begonnen, teilte die Behörde der Webseite mit. Dabei gehe es vor allem um die Transparenz der Datenbearbeitung und die Einwilligung der Kunden. Wichtig sei außerdem, dass ersichtlich ist, welche Daten zu welchem Zweck bearbeitet werden.

Russische Kommunisten wollen blockieren

Erhält Thür auf die Fragen von Microsoft befriedigende Antworten, profitieren davon auch deutsche Nutzer. Sie bekommen dann vielleicht echte Informationen, keine wilden Anschuldigungen oder beschwichtigende Allgemeinheiten. Weniger nützlich dürfte sein, dass in Russland der Generalstaatsanwalt auf Drängen der Kommunistischen Partei Windows 10 überprüft. Deren Chef-Jurist fordere, sofort angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um den Zugriff auf die Internet-Ressourcen zu blockieren, über die Windows 10 heruntergeladen werden kann, berichtet "Heise Online". Danach sei zu prüfen, ob das Betriebssystem überhaupt für den russischen Markt zugelassen werden könne. Außerdem fordern die Kommunisten, staatliche Stellen vor Windows 10 zu warnen.

Quelle: ntv.de

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