Technik
Donnerstag, 27. Mai 2010

Infiziertes Implantat unter der Haut: Der Mann mit dem Computervirus

Kein Science Fiction, sondern Realität: Ein britischer Wissenschaftler überträgt einen Computervirus auf einen unter seine Haut implantierten RFID-Chip. Er will damit beweisen, dass diese Mikroelektronik tödliche Gefahren in sich birgt.

Doktor Mark Gasson
Doktor Mark Gasson(Foto: University of Reading)

Doktor Mark Gasson von der britischen Universität Reading ist der erste Mensch, der sich mit einem Computervirus infiziert hat. Für ihn selbst ist damit kein Risiko verbunden. Für andere Menschen könnte er theoretisch aber eine tödliche Gefahr darstellen. Und genau das will der Wissenschaftler beweisen.

Gasson hat sich einen sogenannten RFID-Chip unter die Haut seiner linken Hand implantieren lassen. Das ist ein Funkchip, der automatische Identifizierungen und Lokalisierungen von Personen oder Gegenständen ermöglicht.

Weit verbreitete Technik

In RFID-Chips sind Daten gespeichert, die ein elektromagnetischer Scanner auslesen kann. Solche Chips werden beispielsweise in der Lagerlogistik, in Mautsystemen oder elektronischen Wegfahrsperren eingesetzt. Sie sind aber auch in allen deutschen Reisepässen enthalten, die seit dem 1. November 2005 ausgestellt wurden.

Dass RFID-Chips unter die Haut gehen, ist ebenfalls nicht ungewöhnlich. Haus- und Zootiere haben Implantate, um sie zu identifizieren, wenn sie ausbüxen. In den USA tragen seit 2004 Menschen RFID-Chips mit lebenswichtigen Informationen über Blutgruppe oder dringend benötigte Medikamente.

Je höher entwickelt, desto anfälliger

Doktor Gasson kennt den Nutzen dieser Chips. Er sieht in ihnen aber auch eine Bedrohung für andere Körperimplantate wie moderne Hörgeräte oder Herzschrittmacher, die im Prinzip kleine Computer sind. "Je weiter entwickelt diese Geräte sind, umso anfälliger sind sie für Computerviren", sagt er.

Eine Injektionsnadel und ein RFID-Chip, wie er Tieren eingepflanzt wird.
Eine Injektionsnadel und ein RFID-Chip, wie er Tieren eingepflanzt wird.

Der RFID-Chip, den Gasson seit vergangenem Jahr in seiner Hand trägt, dient eigentlich dazu, ihm automatisch Zugang zur Universität zu verschaffen oder sich bei seinem Handy anzumelden. Schlicht: Gasson kann über den Chip identifiziert werden.

Für sein Experiment hat Gasson einen Computervirus auf seinen Chip übertragen. Als ihn ein Lesegerät scannte, wurde der damit verbundene Computer infiziert. Wären weitere Geräte angeschlossen gewesen, wären auch sie befallen worden.

Werden wir nicht alle ein bisschen Maschine?

"Indem wir meinen Chip mit einem Virus infizierten, haben wir bewiesen, wie fortgeschritten diese Technologie inzwischen ist", sagt Gasson. "Und wir haben auch eine Ahnung von den Problemen von morgen bekommen."

Gasson hält es durchaus für möglich, dass Hightech-Implantate in der Zukunft so üblich wie Mobiltelefone sind. "Vielleicht ist der nächste Schritt der Evolution, dass wir alle teilweise zu Maschinen werden, um uns zu verbessern. Und wir sollten uns im Klaren darüber sein, welche Herausforderungen ein solcher Schritt mit sich bringt."

Gasson will die Ergebnisse des Selbstversuchs auf dem "Internationalen Symposium über Technik und Gesellschaft" in Australien vorstellen, die vom 7. bis 9. Juni in Australien stattfindet

 

Quelle: n-tv.de