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Computerspiele zu Weihnachten? Deutsche greifen ungezügelt zu

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Im Kampf gegen "korrupte Tyrannen": "Asassins Creed Brotherhood".

(Foto: Unisoft)

Im Land der Dichter und Denker entdecken immer mehr Menschen die Lust am Spielen. Konsumforscher gehen davon, dass in diesen Tagen mehr als fünf Millionen Bundesbürger ernstlich darüber nachdenken, ihren Liebsten ein Computerspiel unter der Weihnachtsbaum zu legen. Ausgeben wollen sie dafür in diesem Jahr mehr als 400 Mio. Euro.

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Weihnachten im Paketversand: Nur ein Teil der Videospielgeschenke geht tatsächlich an Kinder.

(Foto: picture alliance / dpa)

Produkte aus dem Bereich der elektronischen Unterhaltung dürften sich in diesem Jahr im deutschen Einzelhandel erneut als wichtiger Umsatzbringer erweisen. Angesichts der weiten Verbreitung von PCs und Spielkonsolen in deutschen Haushalten werden Spiele als Weihnachtsgeschenk offenbar immer beliebter. Konsumforschern zufolge wollen in diesem Jahr mehr als 10 Prozent der Deutschen zwischen 14 und 65 Jahren ein Videospiel zu Weihnachten verschenken. Aus der Sicht des Einzelhandels entspricht das einer Zahl von 5,5 Millionen Kunden.

Die Angaben basieren auf einer Befragung unter 4000 Bundesbürgern, die von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) e.V. durchgeführt wurde. Ähnliche Zahlen hatte vor kurzem der 44 Millionen schenken Hightech vorgelegt.

Den BIU-Angaben zufolge wollen die befragten Deutschen in diesem Jahr jeweils rund 56 Euro für Spielgeschenke ausgeben. Das eingeplante Weihnachtsbudget für Games kommt damit rein rechnerisch auf ein Volumen von rund 308 Mio. Euro.

Die Spiele alleine sind jedoch noch längst nicht alles. Passend zum Weihnachtsgeschäft hatten die Hersteller in den letzten Monaten mehrere bahnbrechende Neuheiten auf den Markt geworfen. Auf vielen Wunschlisten dürften in diesem Jahr daher die neuen Bewegungssteuerungen wie die Nintendo "Wii", die Playstation "Move" von Sony oder die "Kinect" für die Xbox von Microsoft ganz oben stehen.

Rund 1 Million Konsolenkäufer

Den Angaben der Konsumforscher zufolge beabsichtigen zusätzlich zu den Game-Käufern weitere 1,6 Prozent der Deutschen, eine Spielkonsole oder entsprechende Hardware zu verschenken. Die Kopfzahl der Konsolenkäufer liegt demnach etwa bei einer Million Menschen. Das Budget dafür liegt bei etwa 138 Euro pro Person.

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Drei große Hersteller beherrschen den Konsolenmarkt: Nintendo, Sony und Microsoft.

(Foto: picture alliance / dpa)

Beim Branchenverband BIU sieht man diese Angaben durch die aktuellen Verkaufszahlen bestätigt. Im Vorweihnachtsgeschäft von Oktober bis Mitte Dezember 2010 seien laut Hochrechnungen allein in Deutschland bislang mehr als 11 Mio. Computer- und Videospiele über den Ladentisch gegangen.

Die Spitzenreiter kamen dabei aus den Katergorien Sportspiele und Action-Adventures, die insgesamt mehr als 3 Mio. Mal verkauft wurden. Bei den Sport-Titeln führt laut BIU der Fußballklassiker "FIFA 11" von Electronic Arts das Feld an, bei den Action-Adventures heben die BIU-Experten das Ubisoft-Game "Assassin`s Creed: Brotherhood" als besonders verkaufsstark hervor.

Die Genres Simulation und Shooter spielen ebenfalls ganz vorne mit. Beide zusammen kommen in der Vorweihnachtszeit auf einen Absatz von etwa 2,5 Mio. Datenträgern. Bei den Simulations-Spielen rangiert der Automobil-Simulator "Gran Turismo 5" (Sony Computer Entertainment) auf Platz eins. Bei den Shootern führt "Call of Duty: Black Ops" von Activision Blizzard das Feld an.

Brettspiele verteidigen den Küchentisch

Die scheinbar übermächtige Konkurrenz der neuen digitalen Unterhaltung lässt die Branche der klassischen Spielhersteller offenbar weitgehend ungerührt. Allen Computern und Spielkonsolen zum Trotz können Brettspiele ihren angestammten Platz in den deutschen Küchen und Wohnzimmern wohl weiterhin verteidigen.

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Spielerisch wichtige Verhaltensregeln fürs Leben lernen: "Mensch ärgere dich nicht", der Spieleklassiker.

Spielpläne aus Pappe, bunte Würfel und kniffelige Ereigniskarten stehen dank ihrer Vorteile auch 2010 ganz oben auf den Wunschzetteln. "Das Brettspiel gehört einfach zur westlichen Kultur", bestätigte Lars Thoms von der Arbeitsstelle für Spieleforschung und Freizeitberatung der Fachhochschule Dortmund ihren Stellenwert. Brettspiele seien nicht totzukriegen.

"Es sind Klassiker, Strategiespiele wie zum Beispiel "Die Siedler von Catan", die dieses Jahr wieder der Geschenke-Renner sind", sagte Thoms. Zwar hätten in den vergangenen Jahrzehnten Computer und Spielekonsolen am Gabentisch aufgeholt und sich ihren festen Platz in den Kinderzimmern erstritten, aber "am Ende haben die Leute gemerkt, dass man vorm PC doch nur allein sitzt", meinte Thoms - ohne auf die unter Konsolenspielen mittlerweile weit verbreiteten Mehrspielerangebote einzugehen.

Geld spielt tatsächlich keine Rolle

"Die Kinder, die früher mit ihren Eltern am Tisch hockten und gespielt haben, haben heute ihre eigenen Familien." Alte Traditionen und Kindheitserinnerungen werden beim gemeinsamen Spieleabend mit "Mensch ärgere dich nicht" und Co. wiederbelebt. Sogar in den USA und in Asien schätzt man mittlerweile die deutsche Spielekultur: "Brettspiele from Germany" seien dort eine echte Marke, sagt Thoms.

Die Kriterien für das richtige Spielzeug seien zwischen Eltern und Kindern oft ziemlich verschieden, berichtete der Spieleforscher. Für einen Test wurden Eltern und Kinder mit dem selben Geldbetrag Einkaufen geschickt. Die Wissenschaftler verglichen anschließend die ausgewählten Spielzeuge. Eine Mutter habe zum Beispiel ein ganzes Puppenhaus mit Einrichtung gekauft, ihre kleine Tochter am Ende lediglich einen Tennisball, einen Stoff-Kanarienvogel und ein Jo-Jo - "weil die alle so schön gelb sind."

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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