Technik

Mozilla veröffentlicht Release Candidate Firefox 4 lädt zur Generalprobe

Mozilla veröffentlicht den Release Candidate des Firefox 4. "Schnallen Sie sich an!", rät das Entwicklerteam den Nutzern. Denn der Browser soll um ein vielfaches schneller als sein Vorgänger sein. Ob der junge Fuchs auch der Konkurrenz die Zähne zeigen kann?

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(Foto: Mozilla)

Das wurde auch Zeit: Mozilla hat seinem etwas lahmenden Browser Firefox in Version 4 ordentlich Beine gemacht. Und wie es aussieht, kann der Fuchs jetzt vielleicht wieder die Meute jagen. Mit dem Release Candidate kann man es ausprobieren.

Zunächst mal hat Mozilla die Oberfläche entstaubt und bietet Funktionen, die beispielsweise Googles Chrome schon länger im Repertoire hat. Vor allem ist der Firefox jetzt ein wahres Tab-Monster. Die Registerkarten sind nach ganz oben gewandert. Klickt man mit der rechten Maustaste auf den Tab einer Seite, kann man ihn als App-Tab anpinnen. Der Tab verkleinert sich dann auf ein Symbol. Bei Seiten wie Twitter, Facebook oder Webmails leuchtet das Icon, wenn es Neuigkeiten gibt.

Damit man bei sehr vielen geöffneten Tabs nicht die Übersicht verliert, kann man mit der linken Maustaste lange auf den großen Zurück-Pfeil links oben klicken. Es öffnet sich dann das Switch-to-Tab-Menü mit einer Liste der geöffneten Tabs. In der Adresszeile eingegebene Begriffe sucht Firefox 4 auch in den Titeln geöffneter Tabs.

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App-Tabs schaffen Platz.

Rechts oben befindet sich in der Menüleiste kaum sichtbar ein kleiner Pfeil nach unten. Auch dort werden alle geöffneten Tabs aufgelistet. Nutzer können hier aber auch App-Tabs gruppieren. Das heißt, die Tabs werden in einem Fenster gesammelt, das Nutzer benennen können. Umständlich: Soll die Gruppe erhalten bleiben, muss man ins Menü gehen und dort "Seite speichern unter ..." wählen. Das Menü verbirgt sich übrigens jetzt links oben hinter dem orangefarbenen Firefox-Button.

Nutzer können Verfolger abschütteln

Firefox 4 bietet Nutzern auch eine neue Möglichkeit, ihre Privatsphäre zu schützen. Sie können in den Einstellungen unter "Allgemein" - "Websites mitteilen, dass ich nicht verfolgt werden möchte" anklicken. Damit unterbinden sie Tracking-Dienste, die Surfverhalten für Werbezwecke aufzeichnen.

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Der Firefox-Button ist nicht zu übersehen.

Wie schon in der Bezeichnung zu erkennen, ist dies nur eine Bitte an Webseiten-Betreiber. Allerdings sind viele Millionen Firefox-Nutzer eine Macht, die man nicht ignorieren sollte. Außerdem hat die Werbebranche selbst ein Interesse daran. Das "Linux-Magazin" zitiert Mozillas Firefox-Chef Mike Beltzner: "Die Werbebranche hat so etwas offenbar gesucht: eine Methode, mit der der Surfer sein Bedürfnis nach Privatsphäre deutlich machen kann, ohne sich mit Adblockern völlig der Werbung zu verschließen." Auch der neue Internet Explorer 9 bietet eine Anti-Tracking-Funktion. Dort wird der Nutzer vor schnüffelnden Webseiten gewarnt.

Firefox 4 verhindert auch, dass Schnüffeldienste anhand der bereits besuchten Seiten eine Historie anlegen. Mozillas neuer Browser verbirgt die Chronik vor ihnen, nur die Nutzer können sie sehen.

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Ob sich Webseiten-Betreiber an die Bitte halten, Nutzer nicht zu verfolgen?

In den Einstellungen von Firefox 4 befindet sich auch das Icon "Sync" für Synchronisierung. Hier können Nutzer Passwörter, Tabs, Lesezeichen, Einstellungen und Chronik auf einem Mozilla-Server speichern und haben sie so auf jedem Rechner weltweit zur Verfügung. Dafür muss der Nutzer zunächst ein Sync-Konto anlegen und bestimmen, was synchronisiert werden soll. Danach werden die Daten in einer Datei auf dem Rechner verschlüsselt und der Schlüssel dem Nutzer zum Ausdrucken oder Speichern überreicht. Mozilla selbst hat so keinen Zugriff auf die Daten. Wer auf einem Android-Smartphone Firefox 4 Beta installiert hat, kann die Einstellungen ebenfalls abrufen. Der mobile Firefox ist allerdings noch etwas wackelig auf den Beinen.

Flotter Fuchs

Auch unter der Motorhaube haben die Mozilla-Entwickler viel geschraubt. Vor allem die neue JägerMonkey JavaScript Engine macht dem Firefox 4 ordentlich Beine. In verschiedenen Benchmark-Tests war der jüngste Fuchs bis zu sechs Mal schneller als die letzte Firefox-4-Beta. Auch dem Speed-Monster Google Chrome 10 sitzt  Firefox 4 im Nacken. Vergleicht man die aktuellen Ergebnisse mit einem Test, den "Computerbild" mit der Firefox Beta 11 gemacht hat, sieht man, dass sich der Release Candidate zumindest im Sunspider-Benchmark sich mit Chrome offenbar ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert. Bei Googles "V8 Suite" liegt der Firefox zwar rund 1000 Punkte hinter Chrome. Googles Browser hinkt dafür in Mozillas Benchmark-Test "Kraken" hinterher.  Im Blog "Morbid Morgis" hat Chrome 6062,8 Punkte geschafft. Mozilla gibt für Firefox 4.7910 Punkte an, wobei ein niedrigerer Wert besser ist.

Da fehlt noch was

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Im Vergleich zur Version 3.6 legt Firefox 4 in den Benchmark-Tests ordentlich zu.

(Foto: Mozilla)

Das Rennen ist offen und wie ein aktueller Sunspider-Test von "Chip.de" zeigt, ist auch der Internet Explorer 9 ein heißer Kandidat für den Geschwindigkeitsrekord. Dort ließ er nämlich Chrome 10 und Firefox 4 recht deutlich hinter sich.

Da die Test-Unterschiede im Surf-Alltag aber kaum spürbar sind, spielen möglicherweise die Add-Ons eine entscheidende Rolle. Und da müssen sich die Mozilla-Entwickler bis zum geplanten Finale Ende März noch kräftig ins Zeug legen. Denn bisher weist die schöne neue Add-on-Verwaltung darauf hin, dass es keine kompatiblen Erweiterungen für den Firefox 4 gibt.

Quelle: n-tv.de, kwe