Technik

Patentkrieg gegen Apple Google gibt HTC Munition

HTC geht im Patentkrieg mit Apple in die Offensive. Die Taiwaner verklagen den iPhone-Hersteller wegen neun Patentverletzungen. Pikant ist, dass HTC die fraglichen Rechte direkt von Google erwirbt. Die Entscheidungsschlacht um die Zukunft des mobilen Betriebssystems Android scheint begonnen zu haben.

Apples Klagewelle gegen Hersteller von Android-Telefonen scheint Google größere Sorgen zu machen als es zugibt. Denn der Internet-Riese greift jetzt direkt in das Kampfgeschehen ein und unterstützt HTC mit neun Patenten, die er in den vergangenen zwölf Monaten durch die Übernahme von Motorola und Zukäufen von Openwave und Palm (HP) erworben hat. HTC nutzt die gekauften Rechte, um im Patentkrieg gegen Apple eine Gegenklage einzureichen.

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HTC hat 2008 das erste Android-Telefon hergestellt und ist immer noch einer der wichtigsten Google-Partner.

(Foto: Vodafone)

Die Taiwaner verklagen Apple vor einem Gericht im US-Bundesstaat Delaware auf vier Patentverletzungen, wie die Finanznachrichtenagentur "Bloomberg" berichtet. Außerdem legte HTC unter Bezug auf fünf weitere Patente bei der Internationalen Handelskommission (ITC) Beschwerde ein. Kurzfristig könnte dies für Apple schwerwiegendere Folgen haben, da die ITC sehr schnell Importverbote verhängen kann.

HTC hat "All Things Digital" zwar gesagt, dass die Patente kein Geschenk von Google seien, sondern bezahlt wurden. Eine Summe nannten die Taiwaner aber nicht. Man kann also davon ausgehen, dass eher ein symbolischer Betrag geflossen ist. Google will vermutlich um jeden Preis verhindern, dass HTC eine Niederlage einsteckt. Der Münchner Patentexperte Florian Müller sagte "All Things Digital": „Google weiß, dass HTC juristisch von Apple enorm unter Druck gesetzt wird und klar auf der Verliererstrecke ist."

Ginge HTC vor Gericht unter, könnte es womöglich keine Android-Smartphones mehr herstellen und hätte als Alternative nur noch Windows Phone. Außerdem könnte ein Urteil gegen HTC Auswirkungen auf die Patent-Verfahren haben, die Apple gegen Samsung und Motorola angestrengt hat. Microsoft hat bereits einen Köder ausgelegt und nach Googles Übernahme von Motorola allen anderen Herstellern von Android-Telefonen sein Betriebssystem schmackhaft gemacht.

Google muss Flagge zeigen

"Google muss seine Kunden unterstützen, damit sie ihm die Stange halten", sagte IDC-Analyst Will Stofega "All Things Digital". Für Google geht es letztendlich um die Zukunft von Android. Zwar überlässt es das Betriebssystem den Herstellern kostenlos. Doch könnten Lizenzzahlungen das OS so teuer machen, dass es für Samsung & Co. uninteressant wird. Angeblich kassiert Microsoft schon jetzt pro Android-Telefon 10 Dollar.

Ob für einen der Kontrahenten mehr als ein Patt möglich sein wird, ist zweifelhaft. Denn in den Smartphones stecken sehr viele Technologien, die von sehr vielen verschiedenen Unternehmen entwickelt wurden. Und für jedes noch so kleine Detail scheint es ein Patent zu geben.

Wichtige Detailfragen

HTC klagt laut "All Things Digital" vor dem Gericht in Delaware mit vier Patenten, die Google schon vor der Übernahme von Motorola erhalten hat. Die Klagen richten sich gegen Mac-Rechner, iPhone, iPod, iPad, iTunes  und iCloud. Darin geht es unter anderem um eine Methode, Software-Updates kabellos durchzuführen.

Vor der ITC klagt HTC mit fünf Patenten, die Google von Openwave und Palm gekauft hat. Dabei geht es um scheinbar belanglose Techniken, die aber für den Smartphone-Alltag sehr wichtig sind. HTC sieht Patente verletzt, die die virtuelle Tastatur betreffen und die Benachrichtigungsleiste betreffen.

Bevor der direkte Schlagabtausch zwischen Google und Apple weitergeht, liegt am 9. September zunächst die mit Spannung erwartete Entscheidung des Düsseldorfer Landgerichts an, ob eine einstweilige Verfügung, die Apple gegen Samsungs Galaxy Tab 10.1 erwirkt hat, gültig bleibt.

Quelle: n-tv.de, kwe

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