Technik

Konkurrenz fürs iPhone 7 Huawei Nova 2 sieht nicht nur toll aus

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Ein Schmuckstück: Das Nova 2 ist Huawei sehr gut gelungen.

(Foto: jwa)

Das Huawei Nova 2 ist klein und sieht richtig gut aus - der Beauty-Star der Chinesen will dem iPhone den Rang ablaufen. n-tv.de verrät, ob es auch technisch ebenbürtig ist und was die Dual-Kamera besonders macht.

Das Huawei-Smartphone Nova wurde 2016 auf der IFA vorgestellt, doch eine große Karriere war ihm in Deutschland nie vergönnt. Auch sein großer Bruder, das Nova Plus, wurde bei vielen wohl nur unter "ferner liefen" verbucht. Das ist eigentlich schade, denn gerade das Nova, vom Hersteller völlig unnötig als Frauen-Handy vermarktet, ist immer noch attraktiv: ein leistungsfähiges, schönes Smartphone in einem wunderbar kompakten Metallgehäuse. Jetzt ist der Nachfolger da, und der ist ähnlich schick wie sein Vorgänger.

Technische Daten

  • System: Android 7.0
  • Display: 5 Zoll, LTPS, Full HD (1920x1080p, 443 ppi)
  • Prozessor: Kirin 659, max. 2,3 GHz
  • Arbeitsspeicher: 4 GB
  • Interner Speicher: 64 GB + microSD
  • Kamera: 12 MP Weitwinkel + 8 MP Porträt
  • Frontkamera: 20 MP
  • WLAN a/b/g/n, LTE, Bluetooth 4.2
  • Akku: 2950 mAh
  • Maße: 142,2 x 68,9 x 6,9 mm
  • Gewicht: ca. 143 g

Nun liegt die Frage auf der Hand: Braucht man denn nun wirklich noch ein Smartphone von Huawei? Die P-Familie und die Leistungsmonster der Mate-Reihe halten Presse und Käufer auf Trab, ganz zu schweigen von den zahlreichen Modellen der Tochterfirma Honor. Doch mit dem Huawei Nova 2 in der Hand fällt die Antwort leicht: Man braucht es vielleicht nicht, aber man will es haben. Denn das Smartphone sieht toll aus und ist, was Größe, Formfaktor und Verarbeitung angeht, ein echter Konkurrent fürs iPhone 7.

Nah am iPhone

Hält man beide Smartphones nebeneinander, fällt auf: Sie fühlen sich nicht nur gleich gut an, sie sind auch fast gleich groß, das iPhone ist circa vier Millimeter kürzer und knapp zwei Millimeter schmaler - und das, obwohl das Display des Nova 2 rund 0,3 Zoll größer ist. Es ordnet sich damit zwischen dem Huawei P10 und dem iPhone 7 ein, teilt mit beiden gewisse optische Ähnlichkeiten - und hat sogar einen entscheidenden Vorteil: Der Fingerabdruckscanner liegt mittig auf der Rückseite, dort, wo er auch schon bei den Huawei-Vorgängern war. So spart der Hersteller an der Front Platz und kann das Gehäuse kompakter bauen.

Die Optik ist das erste offensichtliche Highlight des Nova 2. Technisch ist es nicht ganz so stark, manche Premium-Merkmale fehlen, zum Beispiel der schnelle WLAN-ac-Standard oder NFC. Der verwendete Prozessor, ein Kirin 659, ist nicht der kräftigste, kommt aber mit allen Alltagsaufgaben gut zurecht. Auch die vier Gigabyte Arbeitsspeicher sind ausreichend für einen durchschnittlichen Einsatz. Aufwändige Grafikdarstellungen im Antutu-Benchmark ruckeln zwar stark, das Testergebnis ist mit rund 64.000 Punkten nur Mittelmaß. Für anspruchsvolle Gamer ist das Nova 2 aber auch nicht gedacht.

Scharfe Selfies

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Kann man mit dem iPhone 7 in eine Schublade stecken: Das Huawei Nova 2.

(Foto: jwa)

Stattdessen bewirbt Huawei das Smartphone als "Selfie-Superstar" - und spendiert ihm eine besonders hoch auflösende Frontkamera mit 20 Megapixeln (MP). Mehr ist hier aber bekanntlich nicht gleich besser, und so erzielt die Knipse keine spürbar besseren Ergebnisse als andere aktuelle Huawei-Frontlinsen mit weniger Auflösung. Der Aufnahmewinkel ist zudem recht groß, was wie bei jedem Weitwinkelobjektiv zu einer Verzerrung der Gesichtsproportionen führt. Für einen schöneren Hintergrund und glattere Haut sollen die stufenlos einstellbaren Beauty- und Bokeh-Effekte sorgen. Hier gilt aber wie immer: zurückhaltend anwenden.

Die Benutzeroberfläche der Kamera ist im Vergleich zum P10 leicht abgewandelt, der schnelle Zugriff auf den Profimodus fehlt zum Beispiel, auch das Leica-Branding wurde gestrichen. Dafür gibt’s Bewegtbilder, die wie bei Apples Live-Fotos-Funktion eine kurze Sequenz mit Ton aufnehmen. Die Dual-Kamera ist eine Kombination aus 12-MP- und 8-MP-Linse. Interessant: ähnlich wie beim Oneplus 5 und beim iPhone 7 Plus kann die Kamera zwischen Porträt- und Weitwinkel-Linse wechseln. Im Porträtmodus wird laut Bilddaten die 8-MP-Linse mit 50-Millimeter-Brennweite (Kleinbildäquivalent) aktiv, Weitwinkelfotos nimmt das Nova 2 mit 27-mm-Brenweite und 12-MP-Auflösung auf. Die höhere Brennweite eignet sich tatsächlich gut für Porträts, nur der Bokeh-Effekt mit künstlich großer Blende (bis zum völlig unrealistischen Wert f/0.95) ist ungenau und darf boykottiert werden.

Guter Sound?

Ein Blick in die Pressemitteilung verspricht Feintuning im Audiobereich, unter anderem durch eine während der Wiedergabe von Videos und Filmen optimierte Klangqualität. Die Huawei-Technologie "Histen" (ein Amalgam aus "Huawei" und "Listen") soll einen anpassbaren 3D-Sound bieten - das Ergebnis klingt aber unnatürlich und fremd. Finger weg! Einen Versuch wert sind dagegen die dezenten Klanganpassungen für In-Ear- und Bügel-Kopfhörer.  

Mit seinem Gesamtpaket an teils nützlichen und teils eher überflüssigen Gimmicks und seiner guten, aber nicht sensationellen Hardware ist das Nova 2 ein typisches Mittelklasse-Smartphone, das eigentlich nicht besonders viel Beachtung verdient hätte. Punkten kann es mit der zweiten Porträt-Linse, die durch eine höhere Brennweite natürlichere Fotos schießt sowie vor allem mit dem kompakten Gehäuse und dem schicken Design. Damit ist es eine echte Alternative zum iPhone 7, auch wenn es ihm technisch nicht ebenbürtig ist. Sei's drum, dafür kostet das Nova 2 zur Markteinführung auch nur 400 Euro, während Apple für das iPhone 7 mit halb so viel Speicher und ohne microSD-Steckplatz aktuell 760 Euro verlangt.   

Quelle: ntv.de