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Lilli meint es doch nur gut Irre witzig: Harveys Neue Augen

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(Foto: Daedalic)

"Harveys Neue Augen" ist die Fortsetzung des deutschen Überraschungserfolgs "Edna bricht aus". Und wer schon vor drei Jahren vorm PC Tränen gelacht hat, kommt auch in diesem irren Point-and-Click-Abenteuer aus dem Hause Daedalic voll auf seine Kosten. Denn normal ist in dem Spiel nicht mal der Kopierschutz.

Schon beim Starten zeigt "Harveys Neue Augen", dass es anders ist als andere Spiele. Daedalic verzichtet auf einen digitalen Kopierschutz seiner Software und fügt dem PC-Spiel (30 Euro) stattdessen eine Code-Scheibe bei. Jeden Tag bekommt man die Bilder eines entflohenen Irren und der Person, die ihn geschnappt hat. Der "Dekodomat" ist in drei Scheiben unterteilt, auf der jeweils Mund-, Augen- oder Stirnpartien abgebildet sind. Stellt man sie so ein, dass auf Vorder- und Rückseite die Köpfe der gesuchten Typen zu sehen sind, erhält man das Datum der Festnahme, was gleichzeitig der aktuelle Zugangscode ist. Genial einfach und sicher.

Kein geringerer als der deutsche Hollywood-Star Götz Otto erzählt die Geschichte "von der bravsten Klosterschülerin der Welt" namens Lilli. Das niedliche Mädchen mit blonden Zöpfen befolgt artig jede noch so schikanöse Anweisung der fiesen Oberin Ignaz und hält sich streng an die Regeln. Ihre Beliebtheit bei den Mitschülern tendiert dementsprechend gegen Null. Aber Lilli hat eine beste Freundin: Edna, Heldin des Point-and-Click-Spiels "Edna bricht aus", das 2008 reihenweise gute Kritiken und Preise einheimste. Edna stand damals unter dem Bann ihres blauen Stoffhasen Harvey, der sie Dinge tun ließ, die normale Kinder nicht tun.

Irre süß und wahnsinnig naiv

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Oberin Ignaz mag nur ihre Katze.

(Foto: Daedalic)

Liegt es nun daran, dass Edna ihre beste Freundin ist oder an ihrer Schusseligkeit, dass Lillis Mitschüler andauernd dumme Unfälle passieren? Weiß sie wirklich nicht, dass man nicht am Kronleuchter fummeln soll, dass wacklige Kreuze kippen können oder dass eine Schaukel nicht zufällig am termitenzerfressenen Ast überm Abgrund hängt? Und gibt es die kartoffelförmigen Gnome, die hässliche Dinge, die Lilli nicht sehen soll, pink anpinseln, nur in ihrem Kopf?

Dass eines Tages Dr. Marcel auftaucht, jener Irrenarzt, der versuchte, Ednas Charakter zu "korrigieren", macht die Sache nicht einfacher. Denn der Kerl ist selbst völlig meschugge. Er hat Harvey restauriert, ihm neue Augen eingesetzt und zu seinem Instrument für die "Therapie" von ungehorsamen Kindern gemacht. Plötzlich ist Edna verschwunden und Lilli begibt sich auf die Suche nach ihrer besten Freundin. Und dafür muss sie sich über Verbote hinwegsetzen ...

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Können diese Augen lügen?

(Foto: Daedalic)

Die Steuerung des Spiels ist denkbar einfach. Um zu interagieren, klickt man auf Gegenstände oder Personen. Außerdem kann man Dinge, die man einsammelt, verwenden. Ebenso steuern die Spiele Lillis Schritte oder ihre Dialoge mit der Maus. Aber was heißt hier schon Dialoge. Das süße Mädchen kann gerade mal ein "Ähh" fiepsen, bevor man ihr ins Wort fällt. Dafür füttert die Spieler der Erzähler, der eigentlich viel lieber die Geschichte des menschenaugenfressenden Roboteropossums erzählen würde, mit Lillis wirren Gedanken. Und die Gespräche, denen Lilli lauschen darf, sind urkomisch. Spätestens beim Dialog der beiden Manga-Zicken liegt man lachend auf der Tastatur.

Die Rätsel, die die Spieler lösen müssen, sind knifflig, aber nicht so schwer, dass man den Spaß verlieren könnte. Autor Jan Müller-Michaelis hat schon dafür gesorgt, dass man nicht den blauen Faden verliert. Das Ende des Fadens kann der Spieler nur erahnen, erraten tut er's wahrscheinlich bis zum überraschenden Ende nicht. Bis es so weit ist, klickt er sich durch ein urkomisches Spiel mit bitterbös schwarzem Humor. Götz Ottos Texte sind ein Vergnügen für sich und die Comic-Grafik ist schlicht großartig. Was für ein gutes Spiel!

Quelle: n-tv.de

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