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Funkloch-Frust, Malware-Köder Ist Super Mario Run sein Geld wert?

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Super Mario Run wurde sehnlichst erwartet - doch jetzt häuft sich die Kritik.

(Foto: imago/AFLO)

Super Mario Run ist ein Riesenerfolg. Das Spiel führt die iTunes-Charts an, doch viele Nutzer bewerten es schlecht. Sollte man es also lieber nicht herunterladen? Und gibt es einen Weg für Android-Nutzer, an das Spiel zu kommen?

Es ist eines der am sehnlichsten erwarteten Spiele des Jahres, die Neuauflage eines längst Kult gewordenen Klassikers der Konsolenspiele: Super Mario Run, die erste Smartphone-Adaption der Nintendo-Legende. Im Rahmen der iPhone-7-Präsentation war die Smartphone-Version des legendären Jump-and-Run-Spiels angekündigt worden, die frohe Botschaft wurde mit reichlich Szenenapplaus bedacht. Jetzt ist Super Marion Run da, iPhone-Besitzer können das Spiel seit einigen Tagen herunterladen, Android-Nutzer schauen in die Röhre. Aber die Resonanz ist bescheiden, die Bewertungen im App Store verhalten. Wie kommt das? Und gibt's das Game bald auch für Android?

Download-Rekord

Erinnert sich noch jemand an Pokémon Go? Der Spielehit des Jahres ist zwar immer noch sehr beliebt, doch der kleine Klempner läuft Pikachu und Co. gerade den Rang ab: Super Mario Run ist seit seinem Start am vergangenen Donnerstag das beliebteste Spiel in Apples App Store. Angeblich wurde es am ersten Tag binnen 14 Stunden allein in den USA 3,5 Millionen Mal heruntergeladen, berichtet "Polygon" unter Verweis auf die Analysten von App Annie. "Veturebeat" beruft sich auf die Zahlen von "Apptopia" und meldet 2.850.000 Downloads am ersten Tag. Offizielle Zahlen fehlen. In den Topcharts führt es sowohl die Gratis-Liste an (die ersten drei Levels sind kostenlos, nur die Vollversion kostet Geld) als auch die Liste der umsatzstärksten Apps. Doch die Bewertungen zeigen, dass die Enttäuschung bei einigen Nutzern groß ist.

Nutzerfrust

Knapp 15.000 Mal wurde Super Marion Run bewertet, seitdem es verfügbar ist. Doch der Schnitt liegt nur bei 2,5 von 5 möglichen Sternen. Sollte man also lieber die Finger von der App lassen? Ein Blick in die Bewertungstexte der Spieler zeigt schnell, woher der Ärger rührt: Vor allem der hohe Preis von rund 10 Euro für die Vollversion stößt den Nutzern bitter auf - schuld am Ärger dürfte nicht zuletzt die Verknüpfung von kostenlosem Download und 10-Euro-In-App-Kauf sein, die manche Nutzer wohl irreführend finden. Zudem finden viele Nutzer den Preis von 10 Euro für ein Mobile-Game schlicht zu hoch - es sei schließlich "nur" ein Smartphone-Spiel.

Auch die Verknüpfung mit einem Nintendo-Account scheint nicht reibungslos zu funktionieren. Man kann Super Marion Run zwar auch ohne Anmeldung spielen, doch die Anmeldung mit dem Nintendo-Konto bringt Vorteile. Und nicht zuletzt beschweren sich viele Nutzer darüber, dass das Spiel eine ständige Online-Verbindung erfordert. Schaltet man den Flugmodus ein oder befindet sich im Funkloch, erscheint nur eine Fehlermeldung: "Versuche es an einem Ort mit besserer Internetverbindung erneut." Das frustet und ist wahrscheinlich der größte Kritikpunkt.

Hoher Datenverbrauch?

Zum Verbrauch gibt es nur ungefähre Angaben: Laut "Appleinsider" lädt die App im Hintergrund rund 40 bis 60 Megabyte Daten, während man spielt – sofern bereits alle Level heruntergeladen sind, sonst fallen zusätzliche Datenmengen an. Bei begrenztem Datenvolumen ist das nicht unerheblich. Die Datenmengen variieren aber von Spieler zu Spieler, zitiert "Appleinsider" einen Experten. Die App sei "gesprächig" und sende große Datenpakete zwischen Nintendos Servern und den Endgeräten hin und her. Wenn die Verbindung abbricht, zum Beispiel weil die Server überlastet sind, versucht sie es erneut, wodurch das Datenvolumen wächst. Der Verbrauch sollte also kleiner werden, wenn sich der Hype gelegt hat und die Server wieder verlässlich erreichbar sind.

Es gibt aber auch andere Stimmen: Zufriedene Spieler betonen, dass man mit einer Einmalzahlung alles bekommt und nicht später noch einmal zur Kasse gebeten wird. Wahrscheinlich seien viele es nicht mehr gewohnt, Geld für digitale Arbeit auszugeben, schreibt ein Nutzer. Viel Lob bekommt auch die denkbar einfache Einhand-Steuerung – Mario rennt automatisch von links nach rechts, per Fingertipp aufs Display lässt man ihn springen.

Ob es sich nun lohnt, das Geld auszugeben, ist vor dem Hintergrund der genannten Kritikpunkte Geschmackssache - und wie so oft zahlt man auch hier wohl für den Namen und die Marke mit. Wer Teil des Hypes sein und Mario übers Handy-Display springen lassen möchte, muss eben etwas mehr zahlen. Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb Super Mario Run exkusiv bei iOS erscheint, denn die Apple-Kunden gelten im Vergleich zu den Android-Nutzern als zahlungsfreudiger.

Android-Nutzer aufgepasst!

Lob oder Kritik, das dürfen bisher nur iOS-Nutzer für sich entscheiden. Für Android gibt es die App nicht, auch wenn es inzwischen viele betrügerische Angebote gibt, mit denen Android-Fans gelockt werden sollen. "Androidcentral" warnt: Einige inoffizielle App-Seiten im Netz bietet angebliche Download-Pakete von "Super Mario Run" an, die jedoch Malware enthalten. Im offiziellen Play Store von Google ist die App noch nicht zu finden - mit gutem Grund: Eine Android-Adaption ist angeblich für 2017 geplant, offizielle Informationen gibt es dazu nicht. Vielleicht kommt sie also auch nie.

Bis dahin sollten Android-Nutzer geduldig sein und die Finger von angeblichen Vorabversionen lassen. Im Gegensatz zum weltweit zeitversetzten Start von Pokémon Go, als das Spiel in manchen Regionen bereits zu haben war und es daher verlockend erschien, eine inoffizielle Version schon vor dem offiziellen Start zu installieren, lautet in diesem Fall die Begründung schlicht und einfach: Super Mario Run für Android existiert nicht, nirgends. Jeder, der das Gegenteil behauptet, ist ein Betrüger.

Quelle: n-tv.de

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