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Günstig, stark und raffiniert Ist das Alcatel Idol 4S ein Galaxy-Killer?

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Das Alcatel Idol 4S ist das erste Smartphone, dessen Verpackung zugleich eine VR-Brille ist.

jwa

Das Alcatel Idol 4S ist ein klasse Smartphone, das mit seinem edlen Gehäuse ins Auge sticht und gleich mehrere gute Ideen umsetzt. Seine clevere Verpackung ist gleichzeitig eine VR-Brille, doch das ist nicht die einzige Besonderheit.

Mit dem Idol 4S setzt Alcatel ein selbstbewusstes Statement. Das Smartphone strahlt äußerlich den Glanz und die Klasse von Samsungs High-End-Smartphones aus. Die Verkaufsverpackung ist gleichzeitig eine VR-Brille, das edle Gehäuse aus Glas und Metall verspricht erstklassige Ausstattung und Leistung. Der Test zeigt zwar, dass Alcatel das Versprechen nicht ganz einlösen kann. Aber muss das überhaupt sein?

Auf den ersten Blick wirkt alles am Idol 4S hochkarätig. Beim Design folgt Alcatel der Linie, die es mit dem Idol 3 selbst vorgegeben hat. Eine behutsame Weiterentwicklung in Form und Material, die überzeugt. Der Metallrahmen fühlt sich gut an, die Finger gleiten über das Glasgehäuse. Gut, die Kamera steht deutlich hervor, das muss nicht sein - aber Samsung hat's mit dem Galaxy S6 vorgemacht und das diente hier eindeutig als Design-Vorbild. Kleiner Minuspunkt: Die Lautstärkewippe und der Einschalter haben etwas zu viel Spiel und wackeln. Ansonsten ist alles makellos, so als wollte Alcatel beweisen, dass es nicht nur billig kann.

Super-Sound und Sondertaste

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Die VR-Brille und das Idol 4S sind ein gutes Team.

(Foto: jwa)

Guten Eindruck macht auch die Ausstattung. Erstes schönes Detail sind die kräftigen und gut klingenden Lautsprecher über und unter dem Display, die den Sound nach vorne und hinten abgeben. Warum ist darauf sonst noch niemand gekommen?

Zweite Besonderheit: die kreisrunde "Boom-Taste" für Sonderaktionen. Etwas irritierend ist ihre Position in der Gehäusemitte, wo viele Sony-Smartphones den Einschalter haben. Die Finger wandern zum Ein- und Ausschalten automatisch dorthin, die Power-Taste sitzt aber links oben am Gehäuse. Sinnvoller wäre es andersherum gewesen. Die Boom-Taste hat verschiedene Funktionen, unter anderem den Kamera-Blitzstart, Serienbildaufnahmen oder den Direktstart einer beliebigen App. In einzelnen Apps gibt's weitere "Boom"-Funktionen, zum Beispiel für besseren Sound, Videoeffekte oder den Turbo im Rennspiel Asphalt Overdrive.

Quad HD und VR-Brille

Die wichtigsten technischen Daten

  • System: Android 6.0.1
  • Display: 5,5 Zoll, AMOLED, 2560 x 1440 Pixel, 534 ppi
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 652, 1,8 GHz
  • Arbeitsspeicher: 3 RAM
  • Interner Speicher: 32 GB + microSD
  • Hauptkamera: 16 MP
  • Frontkamera: 8 MP
  • LTE Cat. 6, WLAN ac, Bluetooth 4.2, NFC
  • Lautsprecher: 2 x 3,6 W
  • Akku: 3000 mAh
  • Abmessungen: 153,9 x 75,4 x 6,99 mm
  • Gewicht: n.a.

Das Smartphone mit Android 6.0.1 legt im Test eine makellose Performance hin, es ist antrittsschnell und hängt oder zögert keine Sekunde, unter Last wird es warm, aber nicht ungewöhnlich heiß. Der Leistung auf Flaggschiff-Niveau entspricht auch das brillante und sehr scharfe AMOLED-Display mit Quad-HD-Auflösung, das lediglich etwas heller sein könnte. Scharf muss es aber auch sein, denn das Idol 4S wird explizit als VR-tauglich verkauft. Das Gehäuse der VR-Brille ist perfekt auf das Smartphone zugeschnitten, zwei Bedientasten an der Unterseite dienen zur Navigation. Clever gelöst: Die Sensortasten leiten Fingerberührungen über zwei Kontaktflächen direkt ans Smartphone-Display weiter.

Das VR-Erlebnis ist ansprechend, die Darstellung relativ scharf und klar. Die Brille sitzt gut, große Nasen stoßen aber mit der Spitze leicht ans Gehäuse. Inhalte gibt es für Alcatels VR-Plattform noch nicht besonders viele, zentraler Ort zum Entdecken neuer Inhalte ist die Plattform Littlstar. Im Auslieferungszustand sind ein paar Demovideos und 360-Grad-Fotos installiert, im Bereich "Spiele" gibt es eine Weltraumfahrt entlang der Planeten unseres Sonnensystems sowie das 3D-Action-Spiel "Lamper VR", in dem der Nutzer per Kopfbewegungen einen kleinen Käfer steuert.   

Kaum Macken

Die Software ist weitgehend unverändertes Android, doch ein paar Extras spendiert Alcatel dem Idol 4S. Wie beim Idol 3 dreht sich die Oberfläche mit, wenn man das Handy auf den Kopf stellt, telefonieren geht in beiden Richtungen. Gesten auf dem ausgeschalteten Bildschirm starten bestimmte Anwendungen, die Musik-App hat ein integriertes Mischpult mit Tempoanpassung und virtuellen Plattentellern.

Kleine Abstriche müssen Nutzer bei der Kamera machen. Die Bildqualität ist etwas schlechter als bei den aktuellen Smartphone-Stars, im HDR-Modus zeigen sich Software-Schwächen bei der Bildbearbeitung mit unregelmäßiger und unrealistischer Aufhellung oder Abdunkelung einzelner Bildbereiche. Weil ein optischer Bildstabilisator fehlt, braucht man beim Knipsen eine ruhige Hand. Pluspunkte dafür: ein manueller Modus, Zeitlupenvideos und mit "Fyuse" eine Art 3D-Fotos, wo der Nutzer mit der Kamera um ein Motiv herumgehen kann.

Die kleinen Kamera-Macken trüben aber kaum das ansonsten überzeugende Nutzererlebnis, mit dem sich Alcatel nicht verstecken muss und den Großen der Branche sehr nahe kommt. Das reicht für den Preis völlig aus. Mit rund 450 Euro ist das Idol 4S zwar kein Billig-Smartphone mehr und auch kein Schnäppchen, doch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt - zumal die VR-Brille im Preis enthalten ist. Das Design ist ansprechend, wenn auch bei Samsung abgeschaut. Mit den tollen Stereolautsprechern und der zugegeben etwas unpraktischen Boom-Taste hat es gleich zwei Besonderheiten. Und die Idee mit der Plastik-Verpackung, die sich in eine VR-Brille verwandelt, ist klasse.

Quelle: n-tv.de

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