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Handy mit Doppel-Leica im Test Ist das Huawei P9 eine Super-Knipse?

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Das Huawei P9 will mit einer Dual-Kamera eine neue Ära einläuten.

(Foto: kwe)

Das Huawei P9 soll mit einer Dual-Kamera bessere Fotos machen als alle anderen Smartphones. Ob die mit Leica-Segen entwickelte Knipse tatsächlich so gut ist und welche Stärken oder Schwächen das Gerät sonst noch hat, zeigt der Test von n-tv.de.

Bei der Vorstellung des P9 hielt sich Huawei-CEO Richard Yu nicht lange mit anderen Details auf, sondern konzentrierte sich voll und ganz auf die die doppelte Kamera auf der Rückseite, die das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit der deutschen Edelschmiede Leica sein soll. Auch n-tv.de hat in seinem Test einen Schwerpunkt auf die Dual-Knipse gelegt, sich aber auch alle anderen Eigenschaften des neuen Top-Smartphones genau angeschaut.

Attraktiv und handlich

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Das Display bietet keine QHD-Auflösung, ist aber sehr scharf.

(Foto: kwe)

Zunächst mal ist das P9 ein sehr attraktives Gerät. Das Design ist schlicht aber sehr elegant, das Aluminiumgehäuse auf iPhone-Niveau verarbeitet. Mit seinen runden Ecken und Seiten fühlt es sich angenehm an, die Tasten sitzen perfekt und sind mit Zeigefinger oder Daumen gut zu erreichen. Das liegt auch daran, dass Huawei ein Meister der kompakten Bauweise ist, wodurch das P9 trotz eines 5,2 Zoll großen Displays ein ausgesprochen handliches Smartphone ist. Viel Platz spart dabei auch der Fingerabdruckscanner auf der Rückseite. Und zu Recht ist Yu stolz darauf, dass Huawei zwei Kameras in ein 7 Millimeter dünnes Gehäuse packen kann, ohne dass die Linsen herausragen.

Die wichtigsten Spezifikationen

  • System: Android 6.1, EMUI 4.1
  • Display: 5,2 Zoll, 1920 x 1080 Pixel, 424 ppi
  • Prozessor: Kirin 955, Octa-Core, 4 x 2,5 GHz, 4 x 1,8 GHz
  • Arbeitsspeicher: 3 GB
  • Interner Speicher: 32 GB + microSD bis zu 128 GB
  • Kamera: 12 MP Leica Dual-Kamera, f/2.2
  • Frontkamera: 8 MP, f/2.4
  • Fingerabdruck-Sensor
  • Konnektivität: LTE, WLAN ac, NFC
  • Bluetooth 4.2, USB-C
  • Akku: 3000 mAh
  • Abmessungen: 70,9 x 145 x 6,95 mm
  • Gewicht: ca. 144 g

Das Display löst im Gegensatz zu anderen neuen Top-Smartphones nicht in QHD, sondern in Full-HD auf. Gut so. Denn mit einer Pixeldichte von 427 ppi ist es immer noch schärfer als der iPhone-Bildschirm und verbraucht deutlich weniger Strom. Das LCD kann zwar nicht ganz mit dem Top-AMOLED des Galaxy S7 mithalten, es ist aber hell, bietet gute Kontraste und liefert schöne Farben.

Stark und ausdauernd

Auch was die Leistung betrifft, muss sich Huawei den Boliden von Samsung, LG oder HTC in Benchmarks geschlagen geben, macht seine Sache aber trotzdem richtig gut. Platz 5 im Antutu-Vergleich ist aller Ehren wert und der Kirin 955 meistert mit Hilfe von 3 Gigabyte Arbeitsspeicher alle Aufgaben und anspruchsvollen Spiele flüssig und problemlos.

Kraft alleine bringt außerdem wenig, wenn einem Gerät schnell die Puste ausgeht. Das P9 hat so gut wie keine Leistungsschwankungen und was noch viel mehr zählt: Es ist ein echter Dauerläufer. Schnelle Benchmark-Tests sagen hier nur wenig aus, ebenso Video-Marathons bis zum Exodus. n-tv.de hat das Smartphone drei Wochen lang von morgens bis abends im Alltag getestet und selbst an den anstrengendsten Tagen war der Ladestand kaum unter 40 Prozent zu drücken.

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Das P9 ist 7 Millimeter dünn.

(Foto: kwe)

An normalen Tagen ohne viel Zeit für Spiele, Fotos oder Videos hat der mit 3000 Milliamperestunden gefüllte Akku vor der Nachtruhe gewöhnlich noch zwischen 65 und 75 Prozent Ladung. Klasse. Da kann man auch verkraften, dass es keine Schnelladefunktion gibt. Der interne Speicher ist mit 32 Gigabyte ausreichend bemessen, außerdem können microSD-Karten eingesteckt werden.

Da rauscht kaum etwas

Zur Kamera, beziehungsweise den Kameras: Huawei verspricht "eine neue Ära der Smartphone-Fotografie". Das ist zwar deutlich übertrieben, aber die Doppel-Knipse hat sich im Test prima geschlagen und gehört sicher zu den besten Kameras, die derzeit in Smartphones sitzen. Bei Tageslicht produziert das Duo aus RGB- und Monochrom-Sensor prima Fotos mit vielen Details, realistischen Farben und feinen Kontrasten. Das ist nichts Besonderes, alles andere wäre bei dem Anspruch nicht akzeptabel.

Aber auch nachts und bei schlechten Lichtverhältnissen lieferte das Duo im Test prima Ergebnisse ab. Helle Bereiche werden nicht überstrahlt, in dunklen Bereichen hält sich das Farbrauschen sehr in Grenzen und die Stimmung wird meist schön getroffen. Allerdings merkt man den Fotos bei den feinen Details deutlich an, dass ein optischer Bildstabilisator fehlt. Bei Aufnahmen der Frontkamera spielt das keine Rolle, sie liefert helle 8-Megapixel-Bilder für Chats am Abend.

Fokus pumpt

Die gute Nachtsicht verdankt das P9 neben großen Pixeln vor allem dem monochromen Sensor, der auch beim Fokussieren hilft. Das kriegt das P9 allerdings auch nicht so zackig hin wie der Speed-König Galaxy S7. Statt blitzschnell auf den Punkt zu fokussieren, zeigt das Kamera-Duo vor dem Scharfstellen das für viele Smartphone-Knipsen typische Pumpen. Nicht schlimm, aber es geht halt besser. Der Monochrom-Sensor liefert dafür im Schwarz-Weiß-Modus oft detailreichere Bilder als gefilterte Farbfotos.

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Die Kopfhörerbuchse sitzt unten neben dem USB-C-Anschluss.

(Foto: kwe)

Die Doppel-Kamera erlaubt es Nutzern außerdem, den Fokus nachträglich zu setzen und die Tiefenschärfe zu regeln. Das klappt prima und sieht auf dem Smartphone-Display auch sauber aus. Am Bildschirm erkennt man aber deutlich, wenn der Effekt zu stark eingesetzt wird.

Einstellungen für Profis

Die Automatik ist gut, in vielen Situationen kann man aber mehr herausholen, wenn man in der optisch gelungenen Kamera-App den Profi-Modus aktiviert und mit den manuellen Einstellungen arbeitet. Das gilt ganz speziell auch für monochrome Aufnahmen. Und wer wirklich wissen möchte, was für eine Fotoqualität möglich ist, nimmt im RAW-Format auf und überlässt nicht dem P9 die Interpretation und Komprimierung. Dann landen allerdings ein rund 3,6 Megabyte großes JPEG plus die etwa 22,5 Megabyte große RAW-Datei auf dem internen Speicher. Außerdem muss das Bild zur Bearbeitung auf einen PC übertragen werden. Eine Sammlung von unveränderten JPEG-Fotos gibt's hier, ein RAW-Beispiel hier.

Obwohl nur ein digitaler Bildstabilisator auf Wunsch entwackelt, ist das P9 auch eine durchaus vernünftige Video-Kamera. Der Autofokus arbeitet ganz flott und Lichtwechsel macht das Gerät problemlos mit. 4K-Videos nimmt das Huawei-Smartphone nicht auf. Zeitraffer- und Zeitlupenaufnahmen sind aber möglich und sehen prima aus.

Spitze, aber nicht ganz oben

Unterm Strich ist die Knipse des P9 keine Kamera-Sensation und läutet auch keine neue Ära ein. Das P9 erreicht mit seiner Doppel-Lösung nicht ganz die Qualität und Geschwindigkeit wie Samsung beim S7 mit dem Dual-Pixel-Sensor. Der fehlende optische Bildstabilisator macht sich da stark bemerkbar. Trotzdem ist das P9-Doppel richtig gut, macht Spaß und ist eines Top-Smartphones würdig. Das System mit RGB- und Monochrom-Sensor hat außerdem für die Zukunft viel Potenzial. Das Huawei P9 gefällt aber auch ganz einfach als tolles und sehr ausdauerndes Smartphone.

Quelle: n-tv.de

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