Technik

Zu-Null-Sieg im Simulator Künstliche Intelligenz schlägt Kampfpiloten

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US-Air-Force-Colonel Gene Lee hatte gegen KI ALPHA keine Chance.

(Foto: University of Cincinnati)

Seine ganze Erfahrung nützt einem ehemaligen Kampfpiloten nichts, als er im Simulator auf einen Gegner mit künstlicher Intelligenz trifft. "ALPHA" schießt ihn bei jedem Duell ab und benötigt dafür nicht mal einen teuren Hochleistungsrechner.

Ein Absolvent der Universität Cincinnati hat eine künstliche Intelligenz (KI) entwickelt, die einem erfahrenen US-Air-Force-Kampfpiloten im Simulator-Duell keine Chance gelassen hat. Es sei "die aggressivste, reaktionsfreudigste, dynamischste und glaubwürdigste KI, die ich bisher gesehen habe", sagte der unterlegene Colonel Gene Lee nach dem Test. Dabei sprach er nicht etwa über ein Programm, das auf einem Hochleistungscomputer läuft.

Raspberry Pi statt Supercomputer

Die "ALPHA" getaufte KI benötigt für ihre totale Lufthoheit lediglich die Rechenpower des Ein-Platinen-Computers Raspberry Pi, der weniger als 35 Euro kostet. Der Pi 3 Model B beispielsweise hat einen 64-Bit-ARM-Prozessor, dessen vier Kerne mit bis zu 1,2 Gigahertz werkeln, der Arbeitsspeicher ist 1 Gigabyte groß - die meisten modernen Mittelklasse-Smartphones sind stärker ausgerüstet.

Auch mit einem Looping konnte Lee "ALPHA" nicht abhängen.

Auch mit einem Looping konnte Colonel Lee ALPHA nicht abschütteln.

(Foto: University of Cincinnati.)

Lee fliegt seit den frühen 80er Jahren gegen KI-Gegner. Normalerweise sei ein erfahrener Pilot dem Maschinen-Feind überlegen, sagt er. Vielleicht werde man mal abgeschossen, wenn man etwas Neues versucht, aber eigentlich habe bisher keine KI eine Herausforderung wie einen echten Kampfeinsatz bieten können.

"Eine echte Herausforderung"

Bisher. Denn Lee konnte ALPHA kein einziges Mal vom virtuellen Himmel holen. Stattdessen schoss die KI den gestandenen Air-Force-Piloten bei jedem einzelnen Waffengang ab. "Sie schien zu wissen, was ich vorhabe und reagierte sofort auf meine Flugmanöver und Waffenwahl", sagte Lee. "Sie wusste, wie sie meine Schüsse abwehren konnte und wechselte je nach Bedarf blitzschnell zwischen Angriff und Verteidigung." ALPHA hat außerdem auch schon andere Piloten bezwungen und sogar mit schwächerer Ausrüstung die Oberhand behalten. "Das ist vielleicht künstliche Intelligenz", sagt Lee, "aber sie ist eine echte Herausforderung.

Unscharfe Logik

Das ALPHA-Programm und seine Algorithmen werden von Psibernetix entwickelt, der Firma von Nick Ernest, der erst im vergangenen Jahr seinen Doktor an der Universität machte. Das Erfolgsrezept seines Teams ist sprachbasierte Programmierung mit Wenn-dann-Szenarien kombiniert mit einem sogenanntes "Genetic Fuzzy Tree"-System, einer speziellen Version von "Fuzzy-Logic-Algorithmen". Die "unscharfe Logik" wird beispielsweise angewandt, um umgangssprachliche Beschreibungen wie "ein bisschen" oder "ziemlich" in mathematischen Modellen zu erfassen.

Das System gehe Probleme eher so an, wie dies Menschen tun, erklärt Ernest. Im Football überlege ein Fänger nicht lange, welche Statistiken der gegnerische Cornerback hat, der ihn deckt, bevor er handelt. Stattdessen schätze er beispielsweise einfach ein: "Der Typ ist wirklich gut und größer als ich, aber ich bin schneller." Nur die relevanten Variablen für jede Entscheidung heranzuziehen, mache es uns Menschen möglich, komplexe Aufgaben zu erledigen, sagt Ernest. "Es ergibt Sinn, auch die KI so handeln zu lassen."

Nur die Asse werden Code

Ebenso einfach hält Psibernetix das maschinelle Lernen. ALPHA wird Experten-Wissen mit Wenn-dann-Regeln einprogrammiert. Danach beginnt der Lern-Prozess mit virtuellen Kämpfen. Erfolgreiche Aktionen bleiben drin, erfolglose fliegen raus. So verbessert sich das Programm von Version zu Version. Im Prinzip sei dies wie in einem echten Luftkrieg, erklärt Ernest. Die, die am Ende überleben, seien die Asse und würden in Code umgesetzt. Den aktuellen Stand habe "ALPHA" auf einem Standard-PC erreicht, den man für 500 Dollar bekomme.

Das Militär ist wahrscheinlich begeistert von "ALPHA". Die KI soll zunächst dafür eingesetzt werden, die Pilotenausbildung zu verbessern. In Zukunft könnte sie aber auch Flugzeugbesatzungen oder ganze Geschwader in echten Luftkämpfen unterstützen und lenken oder in Drohnen selbstständig operieren. ALPHA könne Taktiken und präzise Reaktionen 250 Mal schneller ausarbeiten als ihr menschlicher Gegner blinzeln kann, so Psibernetix. Faszinierend, aber auch ein wenig beängstigend.

Quelle: n-tv.de

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