Technik
Das Lulzsec-Schiff gerät selbst unter schweren Beschuss.
Das Lulzsec-Schiff gerät selbst unter schweren Beschuss.
Mittwoch, 22. Juni 2011

Gnadenloser Hackerkrieg: Lulzsec geht's an den Kragen

von Klaus Wedekind

Die Crackertruppe Lulzsec wird vom Jäger zum Gejagten. Zwei Hackervereinigungen, die mindestens ebenso gut gerüstet sind wie die "lustigen" Internet-Piraten, wollen Lulzsec zur Strecke bringen. Bisher zappeln zwar nur kleine Fische am Haken. Es scheint aber nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch große Lulzsec-Fische ins Netz gehen.

Auch wenn der in Großbritannien geschnappte 19-Jährige nicht der Kopf von Lulzsec ist, ist seine Festnahme doch ein Anzeichen dafür, dass es der Crackertruppe über kurz oder lang an den Kragen geht. Denn neben großen Unternehmen und Regierungen, denen Lulzsec gemeinsam mit Hacktivisten von Anonymous den Krieg erklärt hat, machen auch genervte Hackergruppen Jagd auf die Spaß-Cracker. Zum einen gibt es die Web Ninjas, die sich für den Kampf gegen Lulzsec vereinigt und sich ein "sichereres und friedliches Internet" zum Ziel gesetzt haben. Zum anderen hat die versierte Hackergruppe Teampoison die Nase voll von den anmaßenden Newcomern.

Lulzsec zeigt auf Youtube großes Talent zur Selbstdarstellung.
Lulzsec zeigt auf Youtube großes Talent zur Selbstdarstellung.

Die Web Ninjas behaupten, sie hätten dem FBI die Informationen zugespielt, die zur Festnahme in Südengland geführt hat. Sie betonen allerdings, dass der 19-jährige Ryan nur einen Chat-Server (IRC-Server) betrieben habe, der von Lulzsec genutzt worden sei. Immerhin sind die Behörden aber offenbar in den Besitz aufschlussreicher Log-Dateien mit Lulzsec-Konversationen gekommen.

FBI legt Webseiten lahm

Wie die "New York Times" berichtet, haben die US-Ermittler angeblich in einem Einsatz gegen Lulzsec in einem Rechenzentrum einige Server beschlagnahmt. Die Aktion hat zum Ausfall mehrerer Webseiten geführt, scheint die Cracker aber kalt zu lassen. Auf Twitter oder der Lulzsec-Webseite gibt's bisher keine Reaktionen darauf.

Die Web Ninjas haben auch die "Kampfnamen" mehrerer angeblicher Lulzsec-Mitglieder veröffentlicht. Demnach besteht die Gruppe aus 15 Personen, wobei vier von ihnen den harten Kern bilden sollen. Außerdem gehört noch knapp ein Dutzend "Wasserträger" zur Crew. Als Kapitän der Lulz-Piraten haben die Ninjas in Lulzsecs IRC-Log-Dateien einen gewissen Sabu ausgemacht.

"Es gibt keine Gnade"

Sabu bestreitet, dass die Web Ninjas den festgenommenen Briten ausfindig gemacht haben. Stattdessen schwärzt er zwei angebliche Verräter an und lässt sie via Twitter über die Klinge springen, indem er ihre Identitäten und angebliche Vergehen veröffentlicht. "Es gibt keine Gnade auf dem Lulz-Schiff", schreibt er.

Der "Hackerkrieg" wird aber auch von der anderen Seite gnadenlos geführt. So haben die Web Ninjas den Lulzsec-Sympathisanten und IRC-Server-Betreiber Power2All mit seinem kompletten Profil bloßgestellt, weil er sich auf Twitter über sie lustig gemacht hat.

Teampoison hat auf der Webseite des mutmaßlichen Lulzsec-Mitglieds Joebie91 eine Botschaft hinterlassen.
Teampoison hat auf der Webseite des mutmaßlichen Lulzsec-Mitglieds Joebie91 eine Botschaft hinterlassen.

Samthandschuhe sind auch von Teampoison nicht zu erwarten. "A big fuck off to whitehats & informants" ist ein klares Statement, was ihre Einstellung zur Gesetzestreue betrifft. Und das Lulzsec-Schiff jagen sie aus völlig anderen Motiven als die Web Ninjas. Sie wollen Lulzsec zurechtstutzen und zeigen, wer der tatsächliche Platzhirsch im Hacker-Revier ist. Teampoison, das auf Twitter von einem 17-Jährigen vertreten wird, hat sich zunächst einen Niederländer mit dem Nicknamen Joepie91 zur Brust genommen, seine Identität veröffentlicht und seine Webseite gehackt.

Sabu behauptet auf Twitter, Joepie sei kein Lulzsec-Mitglied und verspottet Teampoison. Ihr Niveau sei weit unter seinem und sie könnten ihm nicht das Wasser reichen, schreibt er. Das wird Teampoison garantiert nicht auf sich sitzen lassen und es auch nicht bei laschen Tweet-Antworten belassen. So ist zu erwarten, dass der Hackerkrieg weiter eskaliert und noch mehr Namen veröffentlicht werden. Und nicht nur das FBI hofft, dass darunter auch bald dicke Fische sind.

Quelle: n-tv.de